100 km an der Isar entlang 2021

Vorgeschichte:

Umso mehr man in dieses Lauf- und Wanderbusiness einsteigt, umso näher rückt auch dieses 100 Kilometer-Ding. Mammutmärsche und sonstige Events in dieser Richtung sprießen gerade zu aus dem Boden und wenn man im Internet danach sucht, findet man vermutlich Videos, Bilder und Touren noch und nöcher. Und ja ich muss zugeben, irgendwie musste das auch auf meine Bucket-List. 😉

Aber ich bin wohl eher der Low Budget-Typ bzw. der simple Typ. Ohne großes Event außen rum und ohne Organisation mit Verpflegungsständen oder Sonstigem. Das erklärt vielleicht auch den Start in der Metropolregion Dingolfing, um 23 Uhr nachts. 😀

Das Ziel war 100 Kilometer an der Isar entlang, von Dingolfing bis Ismaning, zu Fuß zu laufen.

Die dunkle Hälfte:

Wenn man sich nachts um 23 Uhr ans Isarufer in Dingolfing stellt und losläuft, dann muss man sich wohl zweifellos die Frage gefallen lassen, wann und wie oft man denn so grundsätzlich einen Arzt konsultiert. Streng nach dem Motto, Einweisung ja, nein, vielleicht. 😉 Aber der Plan war die dunkle Hälfte der vermutlich knapp 24-stündigen Wanderung am Anfang abzuhacken, wenn wenigstens noch die Füße fit sind. Man hätte mir vielleicht nur sagen sollen, dass die Sonne Ende Oktober tatsächlich erst gegen kurz nach halb 8 aufgeht. :O

Ich bin von Dingolfing, an Loiching und Niederviehbach vorbei bis nach Niederaichbach stets direkt an der Isar entlang gelaufen. Bis, ja bis ich an das Kernkraftwerk Isar 2 gekommen bin. 🙁 Irgendwie bezeichnend, dass ein Kernkraftwerk meinen 100 Kilometer Fußmarsch versperrt hat. Bei Isar 2 handelt es sich um einen der letzten drei verbliebenen Reaktorblöcken in Deutschland, die voraussichtlich im Dezember 2022 abgeschaltet werden. Und gerade heute Nacht steht mir das im Weg. Dann heißt’s wohl Isarseite wechseln und eine kleine Offroad-Tour durch den dunklen Wald gehen. Dass mir dabei bislang noch nie was passiert ist, würd ich mal eher unter der Rubrik „Verrückten und kleinen Kindern passiert nie was“ verbuchen. 😉

Um halb 6 stand dann schon die erste „Großstadt“ auf dem Plan: Landshut. Rein subjektiv betrachtet würd ich meinen Einzug in Landshut mit den Worten „monumental“ und angelehnt an die große „Landshuter Hochzeit“ als „epochal“ bezeichnen. 😛 Objektiv betrachtet hatte ich geplant in Landshut zu frühstücken und mich zu verpflegen. Wer aufmerksam die vorher genannte Uhrzeit gelesen hat wird schnell merken, dass das nicht mein größter Lichtblick der Tour war. 😀

Kurz nach Eching waren dann die ersten 50 Kilometer der Tour geschafft und die unheimliche Dunkelheit hatte ein Ende, denn hört her liebe Leut und lasst euch sagen, die Uhr hat 8:30 Uhr geschlagen. 🙂

Taghell und doch dunkle Orte zu durchwandern:

Moosburg an der Isar war nun das nächste Ziel. Vielleicht lässt sich da ja auch noch eine Kleinigkeit zum Verschnabulieren finden. Denn ihr wisst ja, lecker schmecker klein und rund und schnell in meinem Mund! 😉

Ab Kilometer 50 haben sich aber meine Bedürfnisse immer weiter von Essen und Trinken, hin zu ganz anderen „brennenden“ Angelegenheiten entwickelt. Klar, der Vorteil war, es war inzwischen hell und in die Nacht werd ich hoffentlich nicht nochmal kommen, davor bin ich am Ziel oder hab aufgegeben. 😀 Ein widerliches Wort: „aufgeben“. -> Licht: check! Besonders heiß wars Ende Oktober auch nicht mehr, Getränke hatte ich auch genug dabei. -> Trinken: check! Für die Nacht hatte ich noch was zu Essen dabei und im Zweifel reicht das schon. -> Essen: Könnt besser sein, aber mehr oder weniger check! Blasen hatte ich eine, die wurde aber wieder sauber abgeklebt. -> Füße: check! Der ein oder andere fragt sich jetzt sicherlich, was zur Hölle ist dann dein verdammtes Problem? :OO Was soll ich sagen, ich war bislang noch nie länger als 50 Kilometer unterwegs und dachte nicht, dass eine lange Hose zwischen den Oberschenkeln zu offenen Wunden führen kann. 😀 Um das Ende dieses „Problems“ vorweg zu nehmen, Reibestellen, die nochmals weitere 50 Kilometer weiter gerieben werden können auch nicht mehr als bluten. 😉 😀

Der Weg zwischen Freising und Mintraching hat mir dafür bei sonnigem Wetter noch einen Radler und einen Wanderer zur Seite gestellt. Gesagt haben sie nicht viel, irgendwie entstand zwischen uns trotzdem eine fotografische Freundschaft. 😉

Mit letzter Kraft:

So schön auch das Wetter, die Natur und die ein oder anderen Fotospots auf solchen Touren sind, so unverblümt und emotionslos gesellt sich auch mit zunehmender Kilometeranzahl der Mann mit dem Hammer zu einem. Mit Ausnahme von Blut in der Hose war ich bis Kilometer 70 voll und ganz im reinen mit mir und mit der Tour. Zwischen Kilometer 70 und 80 ging die Phase los, dass ich aufkommende Blasen nicht mehr abgeklebt hab, da ich einfach nur noch heim wollte. Und dann: „Kuckuck kleiner Wandersmann, hier bin ich!“ Ja da war er, dieser dunkle hasserfüllte Ort. Die Frage nach dem: „Warum zur Hölle steh ich mal wieder hier, bin 80 Kilometer gelaufen und hab nochmal 20 vor mir!!!“ Umso schöner, wenn man sich dann auf seinen Kopf verlassen kann, der nochmal die ein oder anderen Schmerzen ausblendet und den geschundenen Körper Kilometer für Kilometer motiviert. 🙂

Schöne Aussichten und genug Verrücktheit um auch die Challenge zu schaffen haben mich dann schlussendlich mit einem breiten Grinsen und einem lauten und inbrünstigen „Hoojeah“ in den S-Bahnhof Ismaning einlaufen lassen! -> 100 Kilometer-Wanderung: CHECK!