Camino del Norte 2026

Vorbereitung (03.07.2026):

Auch wenn der Körper Jahr für Jahr älter wird, bleibt der Geist weiterhin verrückt genug um sich mal wieder auf eine Reise aufzumachen. 🥳 Einerseits liegt die komplette Reise noch vor mir, andererseits ist es aber auch eine Reise in die Vergangenheit. 2018 begann all die Wanderei der letzten acht Jahre mit dem Camino Frances, dem wohl bekanntesten Jakobsweg von Saint-Jean-Pied-de-Port nach Santiago de Compostela. Nach diversen Kilometern, mehreren Blasen aber noch viel mehr freudigen Momenten wird es Zeit für ein Revival. Die sind ja bekanntlich in Musik, Sport und Gesellschaft durchgehend von Erfolg geprägt, oder nicht?!? 🤔

Somit ist also ein Jakobsweg und genauer gesagt der Camino del Norte der „Place to be“ für die nächsten vier Wochen. Von Irun über Bilbao und Gijon nach Santiago de Compostela. Etwa 820 Kilometer gute Laune warten auf mich, mit der Option die Tour um weitere Kilometer bis ans „Ende der Welt“ nach Finisterra zu verlängern. Schau mer mal was wird. 😉 Auch wenn die reine Strecke im Vergleich zu den knapp 1.200 Kilometern der letzten Tour deutlich kürzer ist, bleibt doch immer ein wenig Anspannung bestehen. Letzte Woche wurde ich noch gefragt, ob ich Angst vor der Tour oder Blasen an den Füßen hab. Es werden sicherlich die ein oder anderen Herausforderungen auftreten, Blasen an den Füßen, Druckstellen vom Rucksack, Belastung der Knie oder die Hitze. 🥵 In diesen Momenten bedarf es wohl nüchterner, sachlicher und ehrlicher Verhandlungen mit sich selbst und so wenig wie möglich an emotionsgeladenen Entrüstungen. Gute Vorsätze sind also allemal vorhanden. 😇

Mit Angst hat das alles aber beileibe nichts zu tun. Sondern vielmehr mit Vorfreude auf die wunderschönen Orte, die wunderbaren Menschen und natürlich Dankbarkeit, dass ich Zeit und vor allem Gesundheit für dieses Projekt habe. Beim Thema Gesundheit sind wir auch schon bei der richtigen Überleitung. 😊

Denn die diesjährige Wanderung wird natürlich für mich persönlich wieder eine Challenge im Kampf mit dem eigenen Körper und für euch da draußen hält der zugehörige Blog hoffentlich ein wenig Ablenkung und Belustigung für den Alltag bereit, aber dieser soll auch mal wieder auf ein Thema aufmerksam machen, dass mir ganz persönlich am Herzen liegt! 😇 In Deutschland erkrankt nahezu jeder Zweite im Laufe seines Lebens an Krebs. Aufgrund familiärer Betroffenheit, hatte ich bereits Kontakt mit dem Comprehensive Cancer Center Ulm (CCCU), einem wunderbaren Beispiel für Forschung, Prävention, Behandlung und Nachsorge. Daher werden wir uns die nächsten Tage und Wochen nicht nur die wunderbare Landschaft des Camino del Norte anschauen, sondern ein Thema näher beleuchten, was jeden von uns treffen kann und leider den ein oder anderen von uns auch treffen wird. Außerdem geht von mir dieses Jahr für jeden gelaufenen Kilometer ein Euro an das CCCU. Hoffen wir also das Beste, dass die spirituelle Aura des Jakobswegs und vorallem meine mentale Stärke mich weit tragen mögen. Aber ich bin davon überzeugt, Gott will es! 💪

Jetzt bleibt nurnoch eine Frage offen. Unter welchem Motto läuft die diesjährige Tour? 🤔 Sie bekommt den eingängigen Leitsatz: „Go one more“, zu deutsch: „Geh weiter“ oder „Noch ein Kilometer“. Bei dieser Tour ist schließlich jeder Kilometer wichtig, für mich und für die Sache! 🚶‍♂️🎒

#Goonemore

Anreise (04.07.2026):

Als Reiseplan dieser Tour hab ich mir vorgenommen: Ein Tag Anreise mit dem Zug, 28 Tage laufen und dann am letzten Tag wieder mit dem Flugzeug vom Flughafen in Santiago de Compostela zurück. Vom Camino Frances hatte ich die Zugfahrt zwar nur mit grob acht Stunden in Erinnerung, aber diesesmal sollten es leider 13 Stunden sein. 😅 Bedeutet: Um 03:30 Uhr Abmarsch Richtung Hauptbahnhof. Bevor ich noch verschlaf, hab ich lieber gar nicht geschlafen, hatte ja schließlich heute im Zug genug Zeit. 🚆😴 Apropos Bahn, wenn man das nächste Mal wieder über die Deutsche Bahn schimpft, dann kann man sich vor sein geistiges Auge Verspätung, Langsamfahrstrecken, Hitze und Gestank des TGV rufen. Das „enthaltsame und einfache Leben“ ging heute also schon bei der Anreise los. 😉

Übers Schwobaländle gings erstmal nach Paris, die Stadt der Liebe 💕. L’amours toujours war in den ersten Momenten jedoch nicht angesagt. Weder musikalisch, ich verachte schließlich rechten, rückständigen und minderbemittelten Gesang, noch optisch. Der Bahnhof einer jeden Stadt ist vermutlich eher für Alkohol, Drogen, gescheiterte Existenzen und menschliche Tragödien, als für Liebe bekannt. 😕 Und ich musste heute einmal quer durch Paris vom einen zum anderen Bahnhof. Gut, dass ich dabei dann doch noch an wahrer Hochkultur und Schönheit vorbeigekommen bin, dem Musee du Louvre. Das ist dann heute wohl definitiv das Bild des Tages. 📸

Genauso wie die Liebe an den vielen Bahnhöfen dieser Welt oftmals zu kurz kommt, fehlt auch bei vielen Krebspatienten manchmal die Zuversicht, Hoffnung und Freude, was dieses Schicksal nunmal so mit sich bringen kann. Gerade deshalb braucht es Menschen, die sich sowohl medizinisch, wie aber auch pflegerisch und seelsorgerisch um die kleinen und großen, alten und jungen, schönen und schöneren Patienten kümmern. Wie gestern schon angesprochen, soll dieser Blog die Arbeit sowohl nicht-monetär, wie auch monetär unterstützen. Da ich selber nur ein kleiner Mann bin, der eine unbändige Freude an Herausforderungen und verrückten Urlaubsreisen hat, brauch ich nun euch alle da draußen. 😇 Nachfolgend gibt’s ein Spendenlink für das CCCU und deren Arbeit im Rahmen von Forschung und Lehre im Zusammenhang mit Krebserkrankungen. Alles ist natürlich vollkommen freiwillig, aber vielleicht hat ja der ein oder andere ne Mark übrig. 💰 Es sind schließlich die kleinen Dinge des Lebens, alltägliche Taten von gewöhnlichen Leuten, die die Dunkelheit auf Abstand halten! 😉 Schonmal vorab von ganzem Herzen Danke und ganz viel Liebe an all die wunderbaren Menschen da draußen! 🫶

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#Goonemore

Tag 1 (05.07.2026):

BUEN CAMINO!

Diese Worte werden sich nicht nur morgens und abends in all den Herbergen zugerufen, sondern sie begleiten einen Wanderer auch durch den gesamten Tag. Und da ich mit meinem Rucksack, meiner Ausrüstung und vielleicht auch meinem Geruch 🤭 zweifelsohne als Pilgerer erkennbar bin, sind die Worte „Buen Camino“ zu jeder Zeit richtig gewählt. 😇 Warum der Geruch? Naja machen wir uns nichts vor und meine Blogs sind wahrlich nicht bekannt für beschönigende Darstellungen. 😉 Ich bin voraussichtlich 28 Tage, durchschnittlich zwischen 35 und 40 Kilometer in der prallen Hitze unterwegs. #Schweißgefahr 🛑 Gleichzeitig hab ich mit etwa 11 Kilo Gepäck im Vergleich zu den anderen Pilgern schon viel Gepäck, dennoch hab ich weder 28 Hosen, T-Shirts, geschweige denn Socken oder Unterhosen dabei. 😅 Das heißt Klamotten werden öfters angezogen und ehrlich gesagt graust es mich schon davor übermorgen die Klamotten von heute wieder anzuziehen. 🤢 Das bedeutet also dieses einfache, enthaltsame und vielleicht auch bisschen ekelhafte Leben. 🤷‍♂️ Zum Glück gibt’s Deo, viel Deo für mich. 😉

Und sonst? Wie liefs heute so? 🤔 Ich sag mal so, wie liefs für Deutschland bei der WM? Es war schmerzhaft zuzuschauen. 🤕 Die Schmerzen konnte ich heute voll und ganz nachempfinden. Zu 1.300 Höhenmetern und knapp 40 Kilometern kann ich körperlich wenig schönes sagen. Wobei der Muskelkater erst morgen früh einschlägt. 🥵 Also ein Problem für Zukunfts-Dießi! 😉 Die Aussicht oberhalb des Meeres war immerhin wunderschön. 😍 Also genau wie prognostiziert, anstrengender als der Camino Frances, dafür umso schöner. 😇

Im Vergleich zum Camino Frances gibt es auch noch eine unschöne Erfahrung: Die Routenführung! Dass in den Bergen Wegmarkierungen vielleicht nicht immer ganz einfach sind leuchtet mir ja ein, aber gerade an Kreuzungen wären die ein oder anderen Pfeile oder Muscheln doch ganz nett. ➡️🐚 Wenn ich nämlich 42 Kilometer laufe, aber nur 38 Kilometer vorankomme, bin ich mit meiner Gesamtsituation unzufrieden. 😔 Im Rahmen von deutsch-spanischen und deutsch-britischen Kooperationen konnten schließlich manche Wegprobleme ausgeräumt werden. Transnationale Zusammenarbeit kann so einfach sein. 😉

Zu guter Letzt soll der Blogeintrag jetzt aber noch Personen gewidmet sein, die man sich zum Vorbild nehmen kann: Heute morgen hab ich in der Unterkunft eine Person mit lahmem Fuß getroffen, die natürlich langsamer aber dennoch die harte Etappe auf sich genommen hat. Außerdem ist die Etappe über die Berge bekannt unter Trail-Runnern. Während man also selber damit beschäftigt ist, dass das akute Herzrasen beim Aufstieg nicht ins Kammerflimmern übergeht, joggen morgens um 07:30 Uhr gut gelaunte Rentner an einem vorbei. Außerdem hab ich mittags noch John aus England getroffen. Vielleicht heißt er so, vielleicht auch anders, Namen sind hier sowieso nur Schall und Rauch. 😉 Auf jeden Fall haben wir uns über Gott und die Welt unterhalten, er ist „nur“ eine Woche unterwegs und hat einen Stechschritt drauf, dass ich teilweise von Schwitzen in Wasserfall gewechselt bin und irgendwann auch wortlos hab abreißen lassen. 🥵 Er hat mir noch mit auf den Weg gegeben: „Ja mit kleinem Rucksack ists schon deutlich leichter“. Nur das dieser Freak etwa 70 Jahre alt ist. Lieber John, nicht mein Rucksack, sondern dein Tempo war das Problem!

Das Bild des Tages handelt von kreativen Künstlern am Strand von San Sebastian. 🤩

Aktueller Stand: 38,0 Kilometer

#Goonemore

Tag 2 (06.07.2026):

Puuuuuh, hard day in the books. Ähnlich wie gestern gab’s heute leider wieder um die 1.200 Höhenmeter bei 35 Grad Hitze. 🥵 Es ist wirklich kräftezehrend, dass es zum Teufel nochmal nicht einmal 500 Meter eben dahingeht, sondern der Weg zu jeder noch so kleinen Siedlung hoch und wieder runterführt. Das war heute echt schon ziemlich mein Leistungsmaximum ehe ich mich einfach in Embryonalstellung hingelegt und gehofft hätte, dass es irgendwann vorbei ist. 😅 Zum Glück bin ich heute auf zwei nette Dänen getroffen, die mich die letzten drei Kilometer noch gut zur Herberge geleitet haben. 🤝 Den ersten Teil des Caminos bis nach Bilbao kann ich wirklich nicht guten Gewissens, ehrlicherweise eigentlich gar nicht, empfehlen! 🫣 Die Aufwärtspassagen kann man ja noch als „sportliche Herausforderung“ abstempeln und im Zweifel schrei ich mich innerlich schon insofern an, dass ich mich und meinen Rucksack die 40 Kilometer da hochschlepp, wirklich nervenaufreibend sind aber die Abwärtspassagen. Die sind teilweise so steinig und steil, dass man nahezu rückwärts und mit Einsatz der Hände runtergehen muss. Wenn dann 5 Kilo Übergewicht und 11 Kilo Rucksack anschieben, braucht man keine orthopädische Vorerfahrung haben, um zu erkennen, dass meine Knorpelschäden in den Knien nicht von ungefähr kommen. 🤦‍♂️

Dabei hab ich doch eigentlich gar nicht soviel abzubüßen… Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich noch mein „Bad boy“-Image aufgewertet. Hätte zum Beispiel meine Füße mit Schuhen auf den Sitz gestellt, hätte mit den Fingern gegessen oder hätte vor dem Schlafengehen noch Cola getrunken. 😜 Aber naja dafür bin ich wohl doch eine zu schöne und vorallem schüchterne Seele.

Apropos hehre Ziele. Leider hab ichs mal wieder nicht geschafft meine Unterkünfte gemäß meinen persönlichen Werten und Einstellungen auszuwählen. 🙈 Gestern hab ich in einer Unterkunft der sogenannten „12 Stämme“ übernachtet. Eine sektenartige, christliche Gemeinde, die absolut fundamentalistische Werte vertritt. Frauen sind den Männer untergeordnet, Sexuelle Aufklärung, Abtreibung und Verhütung werden als teuflische Verführungen angesehen und Staat, Schulpflicht, oder sämtliche freiheitlichen Werte sind grundlegend abzulehnen. 🙄 Also alles wofür ich eher nicht so steh. Die Schattenseiten des Jakobswegs, der Fundamentalisten Tür und Tor öffnet… Die gestrige Kommune war immerhin verhältnismäßig „progressiv“. Die Frauen haben im Restaurant die Kasse gemacht, die Männer haben gekocht, außerdem haben sie alle gutes Englisch gesprochen und waren gegenüber allen Pilgern super aufgeschlossen und vergleichsweise modern. 😇

Aktueller Stand: 75,4 Kilometer

#Goonemore

Tag 3 (07.07.2026):

Nachdem es die letzten Tage viel um das Drumherum, gepaart mit ein bisschen Mimimi ging, soll der heutige Tagesblog nahezu ausschließlich von den zentralen Themen der Reise, nämlich dem Camino del Norte selbst und Krebserkrankungen handeln. 😉

In den ersten beiden Tagen bin ich neben dem Startort Irun und einer der laut meinem Reiseführer „schönsten Städte Europas mit dem berühmten Concha-Strand“, nämlich San Sebastian, außerdem durch Weltstädte oder -orte wie Zarautz, Deba und Bolibar gekommen. 😅 Wobei die Letztgenannte eingefleischten Geschichtsfans und Freiheitsdenkern aufgrund ihrer Namensgleichheit durchaus ins Auge springen könnte. 😉 Aus Bolibar, ja mit „b“ und nicht mit „v“ stammen die Vorfahren von Simon Bolivar. Dem „Befreier“ Südamerikas. Ob verehrenswerter Freiheitskämpfer oder rassistischer Diktator liegt wohl im Auge des Betrachters. 😉 In Bolibar gibt’s auch ein interessantes Museum zu ihm, was aber aus Zeitgründen keiner eingehenden Prüfung unterzogen wurde. 🤷‍♂️ Heute übernachte ich in Olabe, von wo aus morgen mit Pauken und Trompeten ein Angriff auf eine weitere geschichtsträchtige Stadt gestartet wird. Krieg oder Frieden ist hier die alles entscheidende Frage. 😉

Neben interessanten Städten, wurde heute jedoch ein noch viel wichtigerer Meilenstein erreicht. Die ersten 100 Kilometer sind geschafft und somit liegen die ersten 100 Euro für eine bessere Forschung zum Thema Krebserkrankungen im Topf. 🥳 Forschung von Menschen für Menschen, um bessere Heilungschancen, zielgerichtetere Therapien, ein längeres und würdevolleres Leben zu ermöglichen. 😇 Wie hat Mutter Teresa schon gesagt: „Es kommt nicht darauf an, wie viel wir geben, sondern wie viel Liebe wir ins Geben legen“. Und wie wir alle wissen hat Mama immer Recht! 🙏

Warum eigentlich das Thema Krebs? 🤔 Naja schauen wir uns mal die nackten Zahlen an. Wie bereits in der Einführung des Blogs geschrieben, erkrankt in Deutschland fast jeder Zweite im Laufe seines Lebens an Krebs. Es kommt zu mehr als 500.000 Neuerkrankungen jedes Jahr. Bei Männern ist Prostatakrebs und bei Frauen Brustkrebs die häufigste Krebsart. Dahinter kommen Darm- und Lungenkrebs. Nicht immer ist der Auslöser einer Krebserkrankung bekannt, jedoch könnten laut Schätzungen der WHO (ja das sind die, die laut all den Schwurblern und Verschwörungstheoretikern für all das Übel auf der Welt verantwortlich sind 🤦‍♂️) bis zu 50 Prozent der Krebserkrankungen(!) durch Vorbeugung und Prävention verhindert werden. 😱 Und keine Angst, dass soll und kann hier nicht im Gesundheitsblog enden, denn jeder Orthopäde bekommt innerlich die Pimpernellen, wenn er den Reisebericht liest. 🙈 Aber bei der Krebsvorsorge eines jeden Einzelnen ist es wie beim Spenden oder im Stadion, wenn jeder ein bisschen mitmacht, entsteht irgendwann eine große Gemeinschaft. 😉

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Aktueller Stand: 111,2 Kilometer

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Tag 4 (08.07.2026):

Bilbao is calling! 🥳

Das erste Zwischenziel ist geschafft und ehrlich gesagt bin ich auch ziemlich froh und glücklich drüber. 😅 Laut meinem Reiseführer und dem Höhenprofil kommen jetzt deutlich entspanntere Etappen an denen die täglichen Kilometer vielleicht nicht ganz so weh tun. 🙏 Naja ich bin mir sicher mein Körper und die anderen Umstände werden sich trotzdem Sachen einfallen lassen um mich herauszufordern. Hitze? ☀️ Knie? 🦵 Blasen? 🩹 Wobei Blasen gar kein Empörungszustand mehr in mir hervorrufen. -> Make friends with blisters and you’ll never be alone! 😉

Wie gestern bereits angekündigt, bin ich heute durch einen weiteren geschichtsträchtigen Ort gekommen. Gernika bzw. in der kastilischen Schreibweise Guernica. Hier trifft Krieg und Frieden, Tragik und Bewunderung, Realität und Kunst aufeinander. Während des spanischen Bürgerkriegs 1937 sorgten deutsche und italienische Truppen, damalige Verbündete des späteren spanischen Diktators Francisco Franco, durch einen Luftangriff, unter anderem mit Brand- und Streubomben, für ein Inferno in der Stadt. Das Massaker an der Zivilbevölkerung wurde von Pablo Picasso in seinem weltberühmten Gemälde „Guernica“ festgehalten. Inzwischen verfügt Gernika über ein Friedensmuseum (Museo de la Paz) und bemüht sich seit jeher um eine Aufarbeitung und Aussöhnung mit den Deutschen. 🇪🇸🤝🇩🇪

Außerdem sind es oftmals gar nicht die grandiosen Geschichten oder alles überstrahlenden Ereignisse, sondern vielmehr die kleinen Erlebnisse, die meine Tour begleiten. Gestern hab ich eine 81-jährige Mexikanerin getroffen, die mit ihrer Tochter auf kleineren Etappen unterwegs ist. Und ich beschwer mich über die Anstrengungen der ersten Tage. 🙈😂 Heute durfte ich dann eine Dame mit einer der wahrscheinlich längsten Anreisen treffen. Sie kam aus Mauritius 🇲🇺 und ist angereist um den Camino eine Woche, von Irun nach Bilbao, zu gehen.

Das heutige Bild des Tages stammt von der Kathedrale in Bilbao, die wohl zu groß und ausufernd für meine kleine Handykamera ist. 📸

Aktueller Stand: 150,5 Kilometer

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Tag 5 (09.07.2026):

Willkommen aus einer wunders… äh komplett v… äh, willkommen aus einer Herberge. Auf die Herbergen-Situation kommen wir gleich nochmal zu sprechen… 🤯

Heute Morgen bin ich erstmal voller Enthusiasmus und Tatendrang von der Kathedrale in Bilbao gestartet. Dabei ging ein Großteil des Wegs durch die „Favelas“ von Bilbao. Bilbao-Ghetto-City war angesagt. 😉 Ich war natürlich allzeit bereit, mögliche Angreifer abzuwehren und mein Hab und Gut notfalls mit meinem Leben zu verteidigen. Wobei Hab und Gut sehr begrenzt auf saubere und dreckige Wäsche ist. 😅 Naja und natürlich Sonnencreme und Blasenpflaster, beides meinem Leben gleichwertig. 😂 Aber was hat als einziges, beziehungsweise unter Schwaben einzigstes, aus dem Gebüsch geguckt? Schafe, überall Schafe! 🐑🐏 Allein schon weil die sooo flauschig waren, haben die das Bild des Tages mehr als verdient. 💁‍♂️

Eigentlich wollte mich mein Reiseführer auf einen Alternativweg schicken, da er meinte, dass es einen schöneren Weg unabhängig von dem traditionell überlieferten Camino del Norte gibt. Das hatte ich bereits an mehreren Stellen und kommt auch noch ein paarmal vor. Aber dieses Prinzip versteh ich nicht so wirklich… 🙈 Klar, wenn ich mir vornehmen würde, möglichst effizient von Irun nach Santiago de Compostela zu kommen, dann in 700 bis 750 Kilometer über die Landstraße. Und wenn ich mir vornehmen würde, den möglichst schönsten und angenehmsten Weg zu gehen, wäre der vermutlich wo ganz anders, nämlich entlang einer Cocktailbar auf der Dominikanischen Republik. 🍸🍹 Aber irgendwie will ich ja den Jakobsweg in seiner ursprünglichen und historischen Form gehen und nicht abkürzen, oder mir die Rosinen von den schönen Stellen des Wegs rauspicken. Im 11. Jahrhundert haben die Pilgerer sicher auch nicht den Alternativweg mit der schönsten Aussicht ausgewählt. 😉

Und nun zum Eingangsschlagwort „Herberge“ zurück. 😅 Eigentlich wollte ich heute etwa 36 Kilometer gehen, aber die einzige Herberge im geplanten Zielort ist geschlossen. Vorübergehend oder für immer, dass weiß man nicht so genau. 🤷‍♂️ Auf jeden Fall ist sie für mich heute „cerrado“ und dass das nicht offen bedeutet, kann ich auch mit meinen rudimentären Spanisch-Kenntnissen fehlerfrei übersetzen. 😕 Somit blieben nur zwei Optionen, nach 30 Kilometern stoppen oder zur nächsten Herberge nach 46 Kilometern. Leider sind die Unterkunftsmöglichkeiten hier mehr als begrenzt. 🥲 Für 46 Kilometer war ich und vorallem mein Körper heute noch nicht bereit. Leichte Druckstellen von den Tragegurten des Rucksacks und Müdigkeit in den Beinen haben die heutige Tagesetappe dann nach 30 Kilometern beenden lassen. 🤷‍♂️ Ich glaub mein Körper hat sich mit der Situation für die kommenden drei Wochen noch nicht ganz abgefunden, aber entweder er arrangiert sich damit oder ich arrangiere ihn damit. 😉 Zu oft sollte ich natürlich nicht nach 30 Kilometern stoppen, sonst wirds zeitlich tatsächlich knapp, aber ich bin mir sicher es gibt auch wieder Momente für mehr Kilometer. 💪

Aktueller Stand: 180,9 Kilometer

#Goonemore

Tag 6 (10.07.2026):

Ein Strandtag am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen! 😇 Für mich gings zwar nur über einen Höhenweg am Strand entlang, aber allein die mystische Ruhe, die das Meer ausstrahlt, entschädigt für das Aufstehen um halb 6. 🌊🌅 Sonst gings heute viel an Landstraßen entlang, nicht spannend, aber effizient um voranzukommen. 😉

Je näher ich nach Santiago de Compostela komm, desto mehr Peregrinos sind unterwegs. Und dann hab ich auch mal wieder einen „Exoten“ getroffen. Beziehungsweise eigentlich hab ich ihn wieder getroffen, da wir schon in der gleichen Herberge waren, er aber anscheinend ein bisschen früher gestartet ist. Er kam gestern Abend ohne Handtuch in der Herberge an, hat er anscheinend verloren. Dann hat er sich ungeduscht mit ein und den selben Klamotten ins Bett gelegt und genau mit diesen ist er heute morgen auch wieder gestartet, denn genau so hab ich ihn auf meinem Weg auch wieder angetroffen. Immerhin hatte er einen Rosenkranz um seine Hand gebunden und gebetet. Ihr wisst ja, zehn „Gegrüßet seist du Maria“ und ein „Vater Unser“. Wo der Körper die Reinheit vermissen ließ, war die Seele integer. 😉 Wobei eigentlich auch die Frage gestattet sein darf, wer der Exot ist, er oder nicht doch vielleicht ich… 🤔 Von sich selber denkt man ja immer, was mach ich eigentlich richtig, was alle anderen falsch machen. 😜

Wie ihr am nachfolgenden Kilometerstand ablesen könnt, sind auch die 200 geknackt! 💪 Ein passender Zeitpunkt um mal wieder einen Blick auf das Thema zu werfen, welches den Blog begleiten soll. Wir haben uns bereits nackte Fakten und Grundsätzliches zum Thema Krebserkrankungen angeschaut. Heute soll der Fokus jedoch auf den Angeboten für und Bedarfen von Einzelnen gerichtet sein. 😇 Was braucht diese(r) und muss somit von einem Krebstherapiezentrum wie beispielsweise dem CCCU geleistet werden? 🤔 An erster Stelle steht natürlich die fachliche Beurteilung der onkologischen Situation, die Beurteilung und Entwicklung entsprechender Therapieansätze. Darüber hinausgehend bedarf es jedoch oftmals auch einer psychischen Unterstützung für die/den Betroffene(n), wie auch dessen Familie und weitere Angehörige. Außerdem wird in Form einer Ernährungsberatung, zur Verbesserung oder zum Erhalt des Gesundheitszustandes, wie auch einer Bewegungstherapie, zur Förderung der schwindenden kognitiven Fähigkeiten, unterstützt. Auch kann bei Krebspatienten bei einem Wunsch nach Kindern die Fruchtbarkeit entsprechend geschützt werden. Und im allerletzten Lebensabschnitt bedarf es auch einer palliativen Unterstützung des/der Patienten/Patientin. Wie man ganz eindrücklich sieht, bedarf es bei einer umfassenden Betreuung der Unterstützung auf vielen Ebenen um eine bestmögliche Versorgung zu gewährleisten. Und genau hierfür ist das CCCU sehr dankbar für jedwede Spenden. Ein kleiner Euro für mich/dich, aber ein großer Euro für den/die Betroffene(n)! Oder für die älteren Leser: Ein Euro sind gerade mal zwei Mark. 😉

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Verwendungszweck für die Überweisung: D.8000 – CCCU Spenden Forschung & Lehre

Aktueller Stand: 219,2 Kilometer

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Tag 7 (11.07.2026):

Heute war endlich mal wieder Aussicht geboten und ich muss euch sagen, der 132. Aussichtspunkt, den man auf keinen Fall verpassen sollte, war es wirklich wert! 😇 Wow, der hatte das gewisse Etwas, die Mon-Cherie-Kirsche auf der Sahnetorte. Danke lieber Camino del Norte, dass du mich nicht auf direktem Weg in die nächste Ortschaft, sondern über diese tolle, felsige Kraxelei geführt hast. Der Dank kommt auch ganz besonders von meinem Schwipp-Schwager und meiner Tante dritten Grades! 😜 Man merkt inzwischen lieb ich Aussichtspunkte und sollte ich irgendwann aufgrund des doch anstrengenden, koordinativen Balancierens mein Gleichgewicht verlieren und vorne überkippen, ist mir der Jochbeinbruch gewiss, da ergeb ich mich einfach meinem Schicksal. 😤

Gehen wir doch lieber zu einem freudigeren Thema über, Fähren! ⛴️ Eigentlich verbiete ich mir bei meinen Wanderungen ja strengstens das Nutzen von Bus, Bahn, Taxi oder Schiff. Bei meinen Deutschland-Touren bin ich im Zweifel lieber mehrere Kilometer Umweg zur nächsten Brücke gelaufen. Der Camino del Norte führt aber teilweise ganz bewusst über Fährlinien, da es kilometerweit gar keine Alternative gibt. 🙈 Morgen geht es auch nach Santander mit der Fähre, bei Küstenstädten teilweise gar nicht anders möglich. 😉 Mir kommt es auf jeden Fall entgegen, denn dann spare ich mir teilweise mehrere Meter Fußmarsch. 😇 -> Happy feet, happy life 🥳

Inzwischen hab ich außerdem meine erste Provinz, das Baskenland, vollständig durchquert und bin bereits in Kantabrien. Später auf meinem Weg kommt noch Asturien und dann bereits die letzte Provinz, Galicien. 🇪🇸 Wenn man es so betrachtet ist ja schon ein Viertel geschafft. 💪

Das Bild des Tages stellt meiner Meinung nach das Pilgerleben ein wenig vereinfacht dar, aber verleiht dem Blog ein wenig künstlerische Hochkultur. 🖼 Nur eines haben die skizzierten Personen anscheinend schon vor der Zeichnung verkauft, ihr Lachen. 😁 Ob einer von ihnen Timm Thaler heißt, bedarf weiterer Abklärungen. 😉

Aktueller Stand: 257,7 Kilometer

#Goonemore

Tag 8 (12.07.2026):

Ich weiß man soll es nicht verschreien, aber aktuell läuft es ziemlich rund! 💪 Mein Körper hat sich nun so langsam an die Belastung gewöhnt, sowohl der Rücken an den Rucksack 🎒, wie auch die Beine an die Kilometer. 🦵 Muskelkater bekomm ich eigentlich keinen mehr und auch die Fußsohlen kamen heute mit einer Pause aus. 🦶 Und mental starte ich jeden Morgen noch hochmotiviert und hab sogar richtig Lust die Tageslänge auf über 40 Kilometer zu steigern. Gerade dieser Rhythmus, die Routine und die Disziplin, wenn auch manchmal stumpf, tun mir auf den Touren echt gut. Da gilt halt doch der Leitsatz „Stumpf ist Trumpf“. 🤷‍♂️ Aufstehen, Füße abkleben, scheuergefährdete Stellen einreiben, mit Sonnencreme einschmieren, Rucksack bepacken, ein Moment der Ruhe um sich auf den Tag seelisch und moralisch einzustimmen, Abmarsch. 👌 Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhol, aber ich glaub gerade dieser Rhythmus und die Routinen sind bei diesen langen Touren unglaublich wichtig. Denn körperlich sind die Tagesetappen alle für sich genommen einzeln machbar, jedoch heißts auch nach Tag 10, 15 und 20 immernoch die gleiche Disziplin an den Tag zu legen. 😇 Mal schauen, was ich dazu nächste Woche schreib. 😅

Heute bin ich die ersten 15 Kilometer bis zum Fährhafen nach Santander an der Steilküste entlang gelaufen und konnte das Meeresrauschen hören und die Meeresbrise riechen. Diesen fast schon romantisch anmutenden Moment durfte ich in trauter Zweisamkeit mit einem tschechischen Pilger genießen. 💕 Wer von uns dabei vor lauter Schmetterlingsgefühle mehr Augenpipi hatte, bleibt unser kleines tajemstvim. 😉

Was ich außerdem noch gelernt hab: „Desvio por obras“ bedeutet soviel wie „Umleitung wegen Baustelle“. 🏗🚧 Die kann auch gerne mal einen Kilometer im Kreis führen und wieder beim gleichen Punkt rauskommen. Quasi ein „Perpetuum Mobile“ aus Pilgern. 🚶‍♂️🚶‍♀️🚶‍♂️🚶‍♀️ Egal welcher spanische Stadtmitarbeiter sich diesen kleinen Spaß ausgedacht hat, mögen dir beim Händewaschen das nächste Mal die Ärmel runterrutschen! 🧼 Trotz dieser/dieses kleinen Schlingel(s) bin ich heute über 42 Kilometer voran gekommen. 💪

Aktueller Stand: 300,2 Kilometer

#Goonemore

Tag 9 (13.07.2026):

„Thank god it’s Monday!“ 🥳 Ich glaube ich war heute Morgen der einzige Mensch, der sich über einen Montagmorgen gefreut hat. 🤭 Gestern Nachmittag bin ich nämlich wahrlich in einer trostlosen Gegend angekommen und die einzige „Bar“ hatte für mich nur mit Müh und Not noch ein aufgewärmtes Bocadillo. Der Supermarkt war natürlich zu und von der Tankstelle gab’s dann auch nur noch eine Tafel Schokolade. 🍫 Man merkt, gesunde Ernährung steht bei mir hoch im Kurs. 🙈 Aber lieber ungesunde Ernährung als gar keine Ernährung. 🤷‍♂️ Bis Samstag haben nun wieder Supermärkte, Apotheken und all die anderen wunderbaren Orte auf. Aktuell bin ich ganz im Sinne eines Schwaben so anspruchslos wie möglich. „Bassd scho“ ist hier die Devise! 😉

Bezüglich der aktuellen Szenerie muss ich tatsächlich die oben erwähnte Trostlosigkeit nochmals aufgreifen, die mir insbesondere in meinem gestrigen Zielort aufgefallen ist. Neben den ruinenartigen und teils verlassenen Gebäuden, waren die Menschen in der gestrigen „Bar“ sinnbildlich. Ein Mann ist reingekommen, ihm wurde wortlos ein Glas Wein hingestellt, er hat es innerhalb von fünf Minuten geext, währenddessen apathisch auf den Spielautomaten gestarrt und wortlos Geld auf den Tresen gelegt und ist wieder gegangen. Eine Frau war oder ist dem Blick nach zu urteilen auf Drogen und ein schmieriges Pärchen hat sich innigere Zärtlichkeiten ausgetauscht, als jeder unter 18 Spielfilm erlaubt. Bei der Darbietung der Anwesenden hätten sogar Regisseure von einschlägigen RTL- oder RTL II-Formaten eingebremst. 🫣 Und mitten drin ich, dessen einziges Ziel war, nur Getränke aus originalverschlossenen Flaschen und ein komplett durchgebratenes Bocadillo zu bestellen. 😇 Manchmal spricht man ja ein bisschen überzogen von einem „gottverlassenen Ort“. Das ist auch gar nicht im religiösen Sinne, sondern vielmehr im persönlichen Sinne zu verstehen. Die Menschen haben nämlich nichts von einem inneren Antrieb, einer Hoffnung oder einer Zuversicht in den nächsten Tag ausgestrahlt. 😔 Außerdem hab ich in der Gegend mehr veterinärmedizinische Einrichtungen, als alles andere gesehen. Den Tieren muss es folglich deutlich besser gehen, vielleicht sollte ich mein Augenmerk morgen mal auf deren Zuversicht legen. 😉

Um auch wieder ein wenig nüchterne, unbeschönigte, persönliche Realität in diesen Tagesblog einzubringen: Ich war heute das erste Mal untertags auf der Toilette. 🤯 Bevor das hier in eine falsche Richtung geht und euch Aussagen wie „Hast du aber fein gemacht“ in den Kopf schießen. Erstens, ja das ist ungesund, zweitens, ja ich trinke hier ununterbrochen, drittens, ja es ist so dermaßen schwül, dass ich wirklich literweise schwitze und viertens, ja es ist so ekelhaft, wie es sich anhört! 🥵 In den ersten Tagen waren sogar meine dunkelblauen Schulterträger vom Rucksack schneeweiß, voll Salz und Schweiß. 😅 Geh ans Meer hieß es, da herrscht immer Wind!?! 🤦‍♂️

Der im Bild genannte Camino Lebaniego ist übrigens ein weiterer Pilgerweg ins Landesinnere von Spanien. Insgesamt 75 Kilometer, die von mir (noch) nicht vernascht werden. 😉

Aktueller Stand: 341,1 Kilometer

#Goonemore

Tag 10 (14.07.2026):

Tschüss Kantabrien, hallo Asturien! 😊

Inzwischen bin ich also in der dritten Region Spaniens unterwegs und hab damit zumindest die Hälfte meiner bevorstehenden Provinzen erfolgreich durchquert. 💪 Leider ist bei den Kilometern noch nicht ganz die Hälfte erreicht. Aber wichtig ist ja bekanntlich: „Mäßig aber regelmäßig!“ 😉

Asturien wird auch als das „grüne Spanien“ bezeichnet, da es sich aufgrund der ganzjährig häufigen Niederschläge durch ein grünes Landschaftsbild auszeichnet. 🟩 Von dem Regen hab ich bislang noch nichts mitbekommen, da die ersten 10 Tage lediglich eigens produzierter Schweiß für Feuchtigkeit bzw. Nässe gesorgt hat. 🥵 Außerdem liegen in Asturien angeblich die schönsten Strände Spaniens, wobei ich die doch schon in San Sebastian gesehen hab?!? 🤔 Die Schönheit liegt hier wohl im Auge des Betrachters oder des ortsansässigen Werbeunternehmens. 😉

Heute Abend bin ich in Llanes und werde mir wohl das WM-Halbfinale zwischen Spanien und Frankreich anschauen. ⚽️ Genau deshalb habe ich schon den ganzen Tag „Marchons, marchons,…“ 🎶🎵 im Kopf. Das singen doch die Spanier immer, oder auf welchen Text soll ich heute Abend sonst lauthals einstimmen? 🤔

Nachdem nun knapp 400 Kilometer geschafft sind, wird es mal wieder Zeit sich um die wichtigeren Dinge des Lebens zu kümmern, Fußball ist schließlich nur die schönste Nebensache der Welt. 🌍

Bei dem Schlagwort „wichtige Dinge“ kommt mir sofort „Heimat“ in den Sinn. Dabei darf meiner Meinung nach Heimat keinesfalls in Grenzen gedacht werden, sondern bei Heimat denke ich vielmehr an eine wohlbehütete Kindheit mit wunderbaren Freunden und Vereinen, Menschen, das Leben auf dem Dorf und unvergessliche Erlebnisse, die sogenannten „Insider“, die jede Gruppe hat. 😉 Genau dieses gerade beschriebene Zuhause, will und kann das CCCU in Form der sogenannten Brückenpflege für Menschen mit weit fortgeschrittenen Erkrankungen bieten. Sowohl für den/die Erkrankte(n) wie auch für Angehörige ist diese finale Zeit im Palliativstatus enorm wertvoll. Ein weiterer Teil des CCCU, wofür sich doch noch ein paar Kilometer lohnen! 💪

https://www.uniklinik-ulm.de/comprehensive-cancer-center-ulm-cccu/spenden.html

Verwendungszweck für die Überweisung: D.8000 – CCCU Spenden Forschung & Lehre

Aktueller Stand: 381,0 Kilometer

#Goonemore

Tag 11 (15.07.2026):

Viva Espana! 🇪🇸

Nun kann ich also am Sonntagabend das Fußball WM-Finale mit spanischer Beteiligung in Spanien schauen. Ich freu mich drauf! ⚽️🥳

Bei mir gings heute Morgen leider noch nicht so rund los, ob’s an den zwei Bier 🍺🍺 oder den zwei Italienerinnen 👩👩 lag, die mit mir in einer Bar in Llanes geschaut haben, weiß ich jetzt auch nicht genau… 🤷‍♂️ Auf jeden Fall war heute Morgen erstmal Nieselregen angesagt und nachmittags sollte dann starker Regen kommen. 🌧 Auf dem Bild des Tages seht ihr, was aus der Vorhersage wurde. 😅 Außerdem hatten meine Uhr und mein Handy beide kaum noch Akku und es kamen natürlich wieder die üblichen Wegführungsprobleme dazu. 😤 Hierlang zeigt der gelbe Pfeil, dalang geht es aber zur nächsten geplanten Ortschaft und außerdem ist der Pfeil wirklich für den Jakobsweg gedacht oder doch nur Kinderschmiererei? 🤷‍♂️ Mein Reiseführer, den ich mir in Print-Form mitgenommen hab, da er mich bereits vor acht Jahren super durch den Camino Frances gebracht hat, schreibt dann oftmals: „Die alte offizielle Wegführung läuft hierlang, seit 2023 läuft aber die aktuelle offizielle Wegführung dalang und außerdem hätte ich dir hier noch Alternativen a bis f, die zwar von den Markierungen abweichen, aber super tolle Aussichten bieten.“ Da soll noch einer durchblicken!?! 🤯

Eine italienische Mitpilgerin ist heute vor mir in Sichtweite auch einfach mal rechts über eine Bahnüberführung abgebogen, obwohl der Weg definitiv geradeaus geführt hat… Ich konnte sie nicht mehr aufhalten und sie ward seither nicht wieder gesehen. 🤷‍♂️ Naja wenn du den Weg nicht immer findest, sei dir gewiss, der Weg findet dich wieder. Fast schon ein bisschen wie im Leben, wenn man auch mal wieder durch dichtes Gestrüpp zurück auf den rechten Pfad des Lebens kehren muss. 😉 Ich hab nur das Gefühl, der eine oder andere tut sich im Leben schwer den rechten Pfad von dem rechten Pfad zu unterscheiden. 😉

Außerdem habe ich mich heute schon gewaltig über den Tisch ziehen lassen und das von Kindern. 🤦‍♂️ Aber zu meiner Verteidigung, die waren auch zu dritt. 😳 Am Straßenrand hat eine Jugendeinrichtung, von vermutlich acht- bis zehnjährigen Kindern Limonade verkauft. Ein italienischer Pilger und ich haben uns natürlich direkt verleiten lassen. 🧃 Weil ich keine Münzen mehr hatte, hab ich die Kosten von einem Euro mit einem Fünf-Euro-Schein bezahlt. Die Kinder hatten dann nicht genug Wechselgeld und haben ihre Erzieherin geholt. Die ist mit meinem Fünf-Euro-Schein in die Einrichtung verschwunden und kam nicht mehr und kam nicht mehr,… 🙈 Ich hatte meine Limonade inzwischen schon lange leer getrunken und hab mit meinem Geldbeutel in der Hand gewartet und gewartet und gewartet… ⏱️ Wer sich in dem Moment wie so ein kleiner Schulbub gefühlt hat, der nicht weiß was er tun soll, könnt ihr euch wahrscheinlich alle denken. 🥴 Irgendwann hab ich dann meinen Geldbeutel bedröppelt weggesteckt und bin weitergezogen. So funktioniert also dieser Wechselfallenbetrug. 😂 Sehen wir es positiv, es war ja für Kinder. 😇

Bezüglich der Wegführung müssen wir aber noch „das große Ganze“ ansprechen. Heute wollte ich eigentlich „nur“ 37 Kilometer zu einer Herberge gehen. Untertags hab ich dann festgestellt, dass ich es so am nächsten Tag nicht über den Pass „Alto de la Cruz de Peon“ schaff. 😕 Also wurden die Pläne dahingehend geändert, dass ich heute eine eher grobe Tour von 49 Kilometer gegangen bin und morgen nochmal über 43 Kilometer und über 1.000 Höhenmeter vor mir hab. 😱 Wäre es nicht Urlaub, würde ich sagen, dass sich das alles nicht vergnügungssteuerpflichtig anhört. 😅

Aktueller Stand: 430,2 Kilometer

#Goonemore

Tag 12 (16.07.2026):

Den Gefühlszustand des heutigen Tages würd ich als glücklich und erleichtert beschreiben, also zumindest seit ich in der Herberge eines Campingplatzes angekommen bin. 😇

Von gestern auf heute hab ich in einem Hotel geschlafen, da ich meinen Rucksack mal wieder komplett ausräumen wollte und für die kommenden Tage packen wollte. In Herbergen muss nämlich aufgrund des Platzmangels alles griffbereit sein. 😅 Und dann ging es heute Morgen um 7 Uhr auf zu großen oder kleinen Freuden. 🥳 Naja bis ich auf den Wetterbericht geschaut hab, der ab 15 Uhr Regen und Gewitter angesagt hat. ⛈️ Gute Voraussetzungen um auf einem Pass eine Bergkette zu überqueren. 🙈 Naja ich geh erstmal die ersten 21 Kilometer nach Villaviciosa zum Ausgangspunkt des Passes und kann dann ja immernoch entscheiden, ob die 22 Kilometer über den Pass „sinnvoll“, „dumm“ oder gar „gefährlich“ sind. 😇 Das Problem nur, während dem Laufen hat man ja Zeit, viiiiiiel Zeit! ⏱️ Gedanklich bin ich daher den Pass in den ersten vier Stunden schon hundert Mal gelaufen und hab mich hunderteinmal in Villaviciosa in ein Restaurant gesetzt und den Lauftag um 11 Uhr wieder beendet. 😅

Doch dann kam mir die zündende Idee, ich frag einfach mal in der Touristeninformation nach, was sie davon halten. 💡 Dass sie in der Touristeninfo kein englisch sprechen ist ungewöhnlich aber ok, dass sie aber keine Ahnung von der einzigen „internationalen“ Attraktion des 15.000 Einwohner-Städtchens haben, verwundert dann doch. 🙈 Insbesondere, weil hier ums Eck auch ein weiterer Jakobsweg abzweigt, nämlich der Camino Primitivo. 🐚 Was die Aufgabe dieser Touristeninformation dann tatsächlich war, weiß ich nicht genau. Vermutlich Infos über die Kirche, den Spielplatz, die drei Hotels oder die fünf Restaurants geben. Mehr gab’s da nämlich nicht zu sehen. 😅 Also war ich in der Entscheidungsfindung komplett auf mich alleingestellt. Regen -> kein Problem, Gewitter -> großes Problem! 🤷‍♂️

„Dann lauf ich einfach schneller und mach keine Pausen“ war dann so meine Herangehensweise für den gesamten Tag. Die erste Hälfte war dementsprechend geprägt von zügigem Stechschritt bis nach Villaviciosa, da wurden dann ein Bocadillo und zwei Getränke „to go“, äh „para llevar“ (essentiell wichtige Formulierungen hab ich inzwischen parat 😉) mitgenommen. Aufgrund der erfolglosen Kontaktaufnahme mit der Touristeninformation habe ich mich dann von halb zwölf bis halb vier über den Pass geprügelt (innerlich versteht sich, wobei der Zustand wohl innerlich wie auch äußerlich ganz treffend ist 😵‍💫) und etwa ein Kilometer vor dem Campingplatz hat das Gewitter eingesetzt. ⛈️ Just-in-time ist ja schließlich in Wirtschaft und Gesellschaft ein immer wichtigerer Begriff. 😉

Blasen und ein, zwei aufgescheuerte Stellen hab ich von den letzten beiden Tagen davon getragen, keine Frage, aber dennoch bin ich über den Pass und dementsprechend glücklich und erleichtert. 😊

Aktueller Stand: 473,7 Kilometer

#Goonemore

Tag 13 (17.07.2026):

Heiligsblechle jetzt missa mer au mal über die Sproach schwätza. 😇 Denn i han’s Gfühl, dass dahanna so viele Sproacha unterwegs sand, aber doch irgendwie a jeder an andra verstad. 😉

Aber erstmal erzähl i eich no wo i heid langglaufa bi. I bi erst durch die scheene Vororte von Gijon komma, da isch d’Welt hald no in Ordnung. 😇 Dann bin i an dr scheena Strandpromenad von Gijon 🏖 entlang glaufa und han mir a Bocadillo und an Tostada neigschobbt. 🤤 Allerdings ging’s dann au no durch a Industriestadt, Aviles hoißt di. Des war wirklich ed schee, mehrere Kilometer an dr Hauptstraß und bloß 40-Tonner, die an oim vorbeirauschad. Also ganz ehrlich, da stimmts doch bei de Routa-Planer dahoim ned. Des gad mir manchmal ned ins Hira! 😤 Dafür gab’s als Belohnung erstmal an saubera Schleck! 🍦 Helado nennad die des dahanna.

Wenn i unterdags so vor mi na daggle, dann grias i d’Leid immer ganz freindlich. So han i’s halt glernt dahoim. 🤷‍♂️ „Buenos dias“ oder „Buenas tardes“ hoißt „Guda Morga“ oder „Guda Nammidag“. Grad ältre Leid steigad dann au a Moal ins Gspräch ei, weil se vielleicht hoffad, dass eber spanisch ka. Iwo, i ka doch bloß meine Standardfloskla und trotzdem ka ma mit Händ und Fiaß überd „sol“ schwätza, oder dr Camino nadierlich! 🐚 Wenn manche dann no englisch schwätzad, dann ka i nadierlich au glänza: „Please make a tenner into two fiver.“ 😜 Mei Nagugger bislang war a spanischer Stadtmitarbeider, der mi während meiner Brodzeid in Gernika abpasst hoad. Der had mir wirklich a Vierdelstoand mid außerordentlichem Oisatz von Gestik und Mimik ebbes über dia Stoadt erzählt. Heilandzack, da hätt i mid de Ohra gschlaggrat, aber ich han en manchmal eibremsa missa, no ed hudla war da die Devise! 🙏 Trotzdem han i bloß oinzelne Word verstanda. Pablo Picasso, Guernica, pintura, muy muy muy bien und Museo de la Paz. 🕊

Oin Vorteil had dui schwäbischa Sproach auf jedan Fall. Wenn i mi mal wieder übr an Buggl ploaga muss und schier nemme naufkomm, ka i mi über des hura klomb zackzefix nommal aufrega und koi Mensch verstad mi! 💁‍♂️

Doa bin i grad: 513,0 Kilomedr

#Gangnoweider

Tag 14 (18.07.2026):

Nachdem gestern bei mir ein wenig Honig im Kopf angesagt war, wird es heute mal wieder Zeit für einen ernsteren Blogeintrag. 😱 Und das in zweierlei Hinsicht. 🙈

Eigentlich sollte heute ein unspektakulärer Tag werden. Es gab nur zwei Optionen, entweder etwa 34 oder 49 Kilometer zur nächsten Herberge. 😊 Da ich heute bei zwei Pärchen „hängen geblieben“ bin und mich länger unterhalten hatte, war klar, 49 Kilometer werden das heute nicht mehr. 😅 Aber ist ja voll in Ordnung, da ja auch Zeit für Unterhaltungen während der ganzen Wanderei sein soll. 👌

Das erste Pärchen, bestehend aus einer Ukrainerin und einem Deutschen kannte ich bereits von der Herberge letzte Nacht. Kennengelernt haben sich die beiden hier auf dem Jakobsweg bei Bilbao. Eine der Liebesgeschichten, die fernab der Heimat der oder des ein oder anderen immer wieder beobachtet werden können. 🫶 Buen Camino y te quiero! 💕 Bei Themen für eine Unterhaltung wird klischeemäßig behauptet, dass man auf dem Jakobsweg über seine innersten Gefühle, Ängste und Probleme sprechen kann, denn man trifft vermutlich die allermeisten Menschen nie wieder. 😉 Es stimmt auf jeden Fall, dass man sich im Leben vermutlich nie wieder sieht und dadurch sehr ehrliche und authentische Gespräche entstehen. Es gibt kaum einen Anreiz etwas zu verheimlichen oder zu lügen. 😇 Da die Probleme hier für die meisten Menschen oftmals sehr banal sind (Essen, Trinken, Unterkunft, Füße) und ich, gerade bei diesen Touren, nennen wir es emotionsarm bin und versuche, Emotionen so gut wie möglich zu ignorieren (andernfalls würden Tagesetappen vs. Blasen/Füße zu sehr in Konkurrenz stehen), braucht es also andere Gesprächsthemen. 🗣

Naja wie oben bereits geschrieben, sind die Probleme/Sorgen der meisten Menschen sehr banal. Für das Gespräch mit der Ukrainerin braucht man nicht viel Fantasie um auf Themen bzw. ein zentrales Thema zu kommen. 😉 Sie ist vor vier Jahren aus bekannten Gründen von Kiew nach Spanien geflohen, hat in Marbella ihre eigene Beratungsfirma gegründet und lebt und arbeitet seither dort. Wir haben sehr offen über Probleme der Länder der EU, wie auch der Ukraine gesprochen, aber auch über Populismus, Desinformationen und Drohnenangriffe. Ihre Großeltern hat sie vor kurzem aus Kiew nach Marbella geholt, da diese nachts nicht mehr schnell genug in Schutzräume fliehen können und dementsprechend schutzlos ausgeliefert wären. Zu weiteren Verwandten in der Ukraine nimmt sie meistens morgens Kontakt auf, denn tagsüber sei das Leben den Umständen entsprechend normal und nachts kommen die „silent killers“. Wenn sie morgens ihre Liebsten noch erreichen kann, sei das ein guter Start in den Tag! 🙏 Verrückt wie unterschiedlich Menschen in den Tag starten, die einen mit Kaffee, die anderen mit Todesnachrichten. Auf die Frage wie sie glaubt, dass es irgendwann endet sagte sie sinngemäß: „Ich weiß es nicht genau, aber solange der Brandstifter weiterhin Applaus bekommt, zündet er auch das Haus meiner Eltern und Großeltern an, egal ob sie drin sind oder nicht. Am liebsten natürlich, genau dann wenn sie drin sind!“ 😳 Als Verabschiedung blieb uns beiden nur ein „Buen Camino and Slava Ukraini“! 🇺🇦

Damit könnte meiner Meinung nach der Tagesblog enden. Doch leider war mir das Glück heute kurzzeitig so gar nicht wohlgesonnen. Ich kam an meiner geplanten Herberge an und dann hieß es: „Completo full“ -> Kein Bett mehr frei. 🥲 Ich war durchaus unzufrieden mit der Gesamtsituation und bat an, sowohl im Flur, Garten oder sonst wo zu schlafen. So etwas ginge jedoch nicht, anstelle dessen wurde mir dann der Zug zur nächsten Stadt ans Herz gelegt. 🤦‍♂️ Ja genau, ich lauf über 500 Kilometer zu Fuß um dann schwach zu werden und in den Zug einzusteigen. 🤯 Ich glaube mein Standpunkt war in diesem Moment jedem im Raum klar, egal ob er englisch, spanisch oder gar keine Sprache spricht. 😅 Gleichwohl war mir auch bewusst, dass 15 Kilometer zur nächsten Herberge um halb fünf ziemlich, nennen wir es ärgerlich, gewesen wären. Zum Glück hat mir die Verantwortliche der Herberge noch ein Zimmer etwa vier Kilometer weiter organisieren können. 😇 Dieses Spiel mit den Herbergen oder Unterkünften treibt mich noch in den Wahnsinn und bekommt vermutlich irgendwann einen eigenen Blogeintrag gewidmet! 🤯

Aktueller Stand: 551,7 Kilometer

#Goonemore

Tag 15 (19.07.2026):

Wie gestern bereits geschrieben, bin ich abends noch spontan in einer anderen Unterkunft untergekommen. Hier übernachteten sowohl Bauarbeiter auf Montage wie auch vereinzelte andere Pilgerer. Mit mir war ein Pilgerer aus Cadiz im Zimmer und ich würde mal sagen wir hatten wenig Gemeinsamkeiten. 😅 Zu Cadiz wusste ich bislang nur dass es eine der ältesten Städte Europas ist und leider weiß ich nun auch nicht mehr. 🤷‍♂️ Er war eher damit beschäftigt, während des Duschens die ganze Unterkunft mit einer Art gregorianischer Choräle zu beschallen und abends noch eine Stunde Flöte zu spielen. Jedoch ganz tiefe, traurige Flötenklänge. Mich hat es ein wenig an traditionelle japanische Flöten-/Trauermusik erinnert. 🎵🎶 Vielleicht könnten mich Experten auf diesem Gebiet mal aufklären. 😉 Ich bin selber musikalisch aufgewachsen und auch sehr offen für Musik, jedoch hab ich die große Befürchtung, dass mein kleiner Freund aus Cadiz mit seiner Musik nicht überall, gerade bei Herbergen von 20 bis 40 Personen, auf Gegenliebe stößt. Hoffen wir inständig, dass er und seine Flöte heil in Santiago de Compostela ankommen. 🙏 Ich war schon sehr verwundert, dass die Arbeiter des doch als eher groben Business bekannten Baugewerbes alles über sich haben ergehen lassen. 😇

Heute war ja bekanntlich wieder Sonntag, schlecht für die Verpflegung, aber gut für die Ruhe, auch wegen des deutlich geringeren Verkehrs auf den Straßen. 😊 Des mit der Ruhe han i mir so denkt, bis ich mittags um halb eins durch eine Ortschaft komm und irgend so an Grasdaggl mitm Aufsitzrasenmäher durch dr Garten fährt! 😱 Ich bin gleichmal hin zu ihm: „Kerle, hasch du eigentlich schonmal auf’d Uhr kuckt? I glaub bei dir hackt’s! Des sind ja über 40 Dezibel. Aber jetzt wird sofort aufghört mit dem Lärm! I glaub’s ja no und des am Sonntagmiddag!“ 🤯 Ich hab das Gefühl, dass sich hier wenigstens einer noch um Recht und Ordnung kümmern muss. 😜

Bei allem Witz und Spaß, den ich da untertags so hatte, muss ich auch ehrlich sagen, dass die Tage aktuell lang und anstrengend sind. Nicht nur wegen den heutigen 45 Kilometern, sondern auch weil ich mental in einem gewissen „Niemandsland“ unterwegs bin… Schon 15 Tage in den Beinen und trotzdem noch einige vor mir, an denen es wieder heißt: 6 Uhr aufstehen, 7 bis 17 Uhr mit Pausen wandern und sich neuerliche 40 Kilometer auf die Füße knallen. 🥵 Außerdem hab ich meine Füße leider etwa ab Tag 10 verloren. 🙈 Bis dahin quasi keine nennenswerten Beschwerden und seither kommen täglich neue Druckstellen/Blasen hinzu. Aktuell kämpf ich mit einer unter der linken Fußsohle. 🤯 Es ist nicht soooo schmerzhaft wie es sich anhört, bei 60.000 bis 70.000 Schritten jeden Tag dann aber doch irgendwie nervenaufreibend. 😤 Aber bevor es jetzt zu einem Mimimi-Tagesblog wird, sollten wir uns nochmal den wichtigen Dingen widmen. Schließlich wurden schon knapp 600 Kilometer für den guten Zweck gesammelt! 🥳

Unter anderem bietet das CCCU auch Psychoonkologie an. Das heißt jedes Stadium, in welchem sich eine Patientin oder ein Patient und ihre/seine Angehörigen befinden, wird psychosomatisch betreut. Somit steht die psycho-soziale Komponente nicht losgelöst von ärztlichen Befunden, sondern unterstützt vielmehr die diagnostischen Fakten mit psychologischer Betreuung. Hierdurch ist gewährleistet, dass auch die mentale Gesundheit, sowohl der Patienten, wie auch der Angehörigen gefördert und bestmöglich erhalten bleibt. 😇

https://www.uniklinik-ulm.de/comprehensive-cancer-center-ulm-cccu/spenden.html

Verwendungszweck für die Überweisung: D.8000 – CCCU Spenden Forschung & Lehre

Und jetzt schauen wir mal, wer ab morgen neuer Fußball-Weltmeister ist. 😇

Aktueller Stand: 597,4 Kilometer

#Goonemore

Tag 16 (20.07.2026):

Viva Espana! 🇪🇸

Nach dem gestrigen WM-Finale samt Verlängerung stand Schlaf jetzt nicht ganz oben auf der Prioritäten-Liste. 💁‍♂️ Naja wenigstens ging’s heute Morgen ganz gemütlich durch einzelne kleinere Siedlungen und Höfe. Gestern und auch heute war dies das vorherrschende Landschaftsbild. 🏡🏠🏡 Bis ich dann in Ribadeo das letzte Mal das Meer zu sehen bekam und quasi in den Süden abgebogen bin. Jetzt geht es straight forward Richtung Santiago de Compostela. ⛪️

Außerdem hat sich damit auch der offizielle Name des Jakobswegs geändert. Aus dem Camino de la Costa (Küstenweg) wurde nun der Camino del Norte (Nordweg). Grundsätzlich ist aber der gesamte Weg eher als Camino del Norte bekannt, da der Camino Portugues auch als Küstenweg bezeichnet werden kann, da dieser an der portugiesischen Küste von Porto bis nach Santiago de Compostela verläuft. 😉 Ein bisschen Jakobsweg-Kunde für zwischendurch. 🐚

Außerdem hab ich mit überqueren des Rio Eo die letzte Provinz erreicht. Ich bin nun in Galicien angekommen (mit c und nicht zu verwechseln mit der polnischen Provinz Galizien). Hierin liegt dann auch dessen Hauptstadt Santiago de Compostela. Klimatisch ist Galicien für Wind und Regen bekannt. Und der soll auch gegen Ende der Woche hier wieder einsetzen. 🌧

Galicien ist eine der ärmeren Provinzen Spaniens und gerade außerhalb der Städte Santiago de Compostela und A Coruna geprägt von Fischfang und Landwirtschaft. Diese starke Ausprägung im primären Sektor und die ertragsarmen Böden und Kleinstbetriebe in der Landwirtschaft sorgen gerade auf dem Land sichtbar für Armut und verlassene, ruinenartige Gebäude. Leider merkt man diese Aussichtslosigkeit auch den Leuten an, mit denen ich auf meiner Tour zu tun hab (Bar-, Herbergsbetreiber und sonstige Einrichtungen des täglichen Bedarfs). Entweder es wird von älteren Leuten im Seniorenalter geführt oder ist sehr chaotisch, ähnlich eines Wühltischs aufgebaut. 😅 Heute war ich beispielsweise in einer (ehemaligen) Apotheke, die nun aber weiterhin Apothekenprodukte, wie auch ähnlich einem Ein-Euro-Laden alles irgendwie Verkäufliche anbietet. Nach einer gemeinsamen Suchaktion der netten Dame, die auch ein wenig deutsch konnte, und mir, sind wir dann aber fündig geworden. Compeed-Blasenpflaster, das Gold des kleinen Wandersmanns. 🚶‍♂️🎒

Aktueller Stand: 638,6 Kilometer

#Goonemore

Tag 17 (21.07.2026):

Von gestern auf heute waren wir in einer Herberge, ausgelegt für mindestens 30 Leute, genau zu zweit. 😅 Ein Amerikaner aus Seattle und ich. 😉 Traute Zweisamkeit ist mir im Vergleich zu ausufernder Dreißigsamkeit dann doch auch mal ganz Recht. Wir beide waren im angrenzenden Restaurant noch gemeinsam Abendessen und haben uns wirklich nett unterhalten. 😊 Er war mal für ein Auslandssemester in Köln und so konnten wir uns über die sprachlichen und gesellschaftlichen Eigenheiten von Rheinländern und Schwaben austauschen. Außerdem kam er mit Google/Youtube beruflich so ziemlich durch ganz Südamerika, was sehr spannend war. 😇 Inzwischen hatte ich echt schon die Möglichkeit mich mit verschiedensten Menschen der Erde auszutauschen (u.a. Mauritius, USA, Kanada, Großbritannien, Dänemark, Spanien, Ukraine). Ein Fest für alle die über den Tellerrand hinausblicken wollen. 🥳 Gleichzeitig muss man aber auch festhalten, dass die Sichtweisen aller verständlicherweise sehr ähnlich, nämlich weltoffen und tolerant sind. 😇 Gerade an diesem Punkt wäre es sicher interessant auch mal konträrere Einstellungen zu hören, jedoch sind diese Menschen vermutlich in ihrer eigenen kleinen Welt so gefangen, dass der Austausch mit anderen Nationalitäten darin nicht vorkommt. 🤷‍♂️

Doch nach einem unterhaltsamen Abend kommt immer auch ein neuer Morgen. Und der hat mir heute nochmals 46 Kilometer und über 1.000 Höhenmeter angeboten. 🥵 Leider kann ich sooooo schlecht nein sagen, weswegen ich dann zugestimmt hab. 😉 Hupsi! 🤭 Das war jedoch vermutlich die letzte sehr harte Tour bis Santiago, jetzt folgen, zumindest in der Theorie, nurnoch dreimal 40 Kilometer-Touren und zum Abschluss eine 20 Kilometer-Tour bis zur Kathedrale von Santiago de Compostela. 🥳 Man merkt, dass ich im Vergleich zu Tag 15, als ich mich mental im „Niemandsland“ gesehen hab, doch wieder deutlich zuversichtlicher gestimmt bin. 😇 Aber geschafft ist es noch lange nicht! 🙄

Nachdem es die letzten Tage immer irgendwelche Bilder von Aussichtspunkten in den Bergen gab, soll heute mal die ganze Aufmerksamkeit auf Paula und Adriana gerichtet sein. 🧐 Wer die Beiden sind? Das weiß ich nicht. Aber Namen sind doch auch Schall und Rauch, solange sie was positives vermitteln. Und ich seh auf dem Bild ganz viel Liebe! ❤️

Aktueller Stand: 685,2 Kilometer

#Goonemore

Tag 18 (22.07.2026):

Wie man auf dem Bild des Tages erkennen kann, sind es nurnoch 100 Kilometer bis nach Santiago de Compostela! 🥳 Somit geht es nun in die heiße Phase. 🔥 Denn laut den „Pilgerregeln“ des Jakobswegs müssen Fußgänger mindestens die letzten 100 und Radfahrer mindestens die letzten 200 Kilometer pilgern, damit die Reise auch als Pilgerreise durchgeht. 😉 Das heißt nun kommen die „Massen“ an Menschen, die aus zeitlichen oder welchen Gründen auch immer nur die letzten 100 Kilometer nach Santiago pilgern. Und dass es mit der Ruhe vorbei ist, merk ich in der heutigen Herberge, da ist nämlich eine Jugendgruppe aus 20 Spaniern. Freude -> ja, Schlaf -> nein. 🙈

Dies bietet doch eine gute Gelegenheit das Thema „Herbergen/Unterkünfte“ näher zu beleuchten. Ob ich nicht zu alt bin für Jugendherberge und Gemeinschaftsduschen? Ja, definitiv! 😅 Aber wat willste machen, ne? 💁‍♂️ In größeren Städten (Bilbao, San Sebastian, Santander) oder in Urlaubsorten mit Strand gibt’s eigentlich immer genug Auswahl an Hotelzimmern und Herbergen. 😉 In manchen anderen Orten, in denen eben nur der Camino del Norte durchführt, gibt es meistens nur eine Herberge. Heißt teilweise innerhalb von 15 oder 20 Kilometern nur eine Schlafmöglichkeit. 😱

Ursprünglich waren Herbergen nach dem „First come, first serve“-Prinzip ausgelegt. Das heißt sie machen zwischen 14 und 15 Uhr auf und füllen dann die Betten. Der standardmäßige Pilgerer steht also um 5 Uhr auf, geht um 6 Uhr los und kommt dann nach 20 Kilometern um 13 Uhr im Zielort an, wartet mit seinem Rucksack schon vor der Herberge und sichert sich dann direkt ein Bett. 🛌 Der Pilgerer ist in diesem Spiel teilweise noch penetranter als der Urlauber mit seinem Handtuch bei den Poolliegen. 🤦‍♂️

Für mich ist dieses Spiel durchaus unverständlich. Erstens geht erst um 6:30 Uhr die Sonne auf 🌄 und um mit Handytaschenlampe durch Spanien zu stolpern ist mir meine Zeit doch ein wenig zu schade. Zweitens fällt es mir bei 40 bis 45 Kilometern natürlich sehr schwer um 14 Uhr zur Herbergsöffnung am Zielort zu sein. Und drittens warten leider genau die Leute sehnsüchtig auf die Herbergsöffnung, die nicht zum wandern sondern für kluge Kommentare auf dem Jakobsweg unterwegs sind. 🤦‍♂️ Der Schwätzer, der im Facebook-Forum genau gelesen hat, wie viel Kilogramm der Rucksack haben darf, welche Stöcke und welche Schuhe man unbedingt haben muss. Wenn er aber zwei Kilo weniger Souvenirs und dafür drei frische T-Shirts mehr mitgenommen hätte, wäre jedem geholfen. 🙏 Leider sind es getreu dem Klischee oftmals wir Deutschen, die sich da nicht mit Ruhm bekleckern (Oje, der Rucksack ist ja viel zu schwer, 8 bis 10 Kilo hab ich im Forum gelesen; Wer Blasen hat, hat die falschen Schuhe; Also in der Mittagshitze kann man nicht weiterwandern;…). 🤭 Wenn die Leute auch nur halb soviel Laufen würden, wie sie schwätzen, wäre ich ein glücklicherer Mensch, andernfalls muss ich mich wohl weiterhin in Contenance üben. 😇

Zum Glück kann man inzwischen in manchen Herbergen reservieren oder zumindest anrufen und die grundsätzliche Lage abchecken. Bislang konnt ich ja dann doch immer irgendwo schlafen! 😴

Aktueller Stand: 724,5 Kilometer

#Goonemore

Tag 19 (23.07.2026):

Nurnoch 60 Kilometer bis Santiago de Compostela. Nurnoch 60 Kilometer bis der Camino del Norte bezwungen ist. 💪

Heute war nurnoch die Frage, ob ich alleine oder mit tierischer Begleitung in der nächsten Herberge ankomm. 🐕🐄 Grundsätzlich bin ich heute über die galicische Hochebene Terra Cha gelaufen und hab noch den höchsten Punkt des gesamten Camino del Norte passiert. Kaum zu glauben bei den ganzen Pässen die ich schon hoch und wieder runterlaufen musste, aber der Anstieg von Tag 17 hat sich gelohnt, denn diesmal bin ich einfach auf der Höhe geblieben und kann somit meinen Höhenflug direkt fortsetzen. 🕊 Bei 714 Metern über NN besteht jedoch noch keine Gefahr einer Höhenkrankheit, weswegen auch noch keine Rechtfertigung für den Konsum von Cocablättern vorliegt. 🤷‍♂️ Eigentlich Schade! 😜 Landschaftlich ist das Bild immernoch geprägt von kleinen verlassenen Weilern oder einzelnen augenscheinlich verarmten Bergbauern. Ein wirklich aufstrebenden Eindruck hat nämlich keiner der noch betriebenen Höfe gemacht. Was auf der einen Seite landschaftlich wunderschön ist, kann auf der anderen Seite anscheinend kaum rentabel bewirtschaftet werden. 🙄

Jedoch springen in den Örtchen mehr Hunde als Menschen umher, die nahezu alle einen sehr hohen Beschützerinstinkt haben. Das heißt Bellen und Springen gegen das Hoftor sind an der Tagesordnung. Zum Glück haben bislang alle Zäune, Ketten und Tore gehalten! 🙏 Und dann kamen heute auf einmal noch ganz andere Tiere ums Eck. Mehrere Bauern haben hier heute ihre Kühe von der Weide geholt oder zu anderen Weiden gebracht, weswegen erstmal „Stop and Go“ angesagt war. 😅 Erst kamen mir Kühe entgegen, weshalb Stillstehen und freundlich Grüßen die Devise war. Nachmittags war dann eine Kuhherde vor mir und die begleitenden Hunde haben mich angeknurrt und angebellt, sodass auch mir klar war: Auf Sicht Abstand halten und abwarten. 💁‍♂️ Kampf oder Wegrennen waren aufgrund meines körperlichen Zustands keine Optionen. 🤷‍♂️

Aber neben all diesen doch eher pilgerfeindlich eingestellten Hunden kam dann doch noch einer ums Eck, der mich echt überrascht hat. 😇 Im Wald nach einem der kleineren Weiler ist er plötzlich hinter mir aufgetaucht. Er hatte ein Halsband und eigentlich hab ich damit gerechnet, dass sein Herrchen oder Frauchen auch gleich ums Eck kommen, aber da war niemand. 😅 Etwa ein Kilometer ist er hinter mir hergelaufen und hat quasi meinen Windschatten genutzt. Einmal ist er auch bis zu mir rangekommen, hat sich neben mich gesetzt und mich mit großen Augen angeschaut. 👀 Danach hat er mich überholt und ist nochmal gute drei Kilometer vor mir hergelaufen. Auch nach Kurven hat er auf mich gewartet und erst als ich da war ist er weitergelaufen. Super süß, gleichzeitig hab ich mir nach mehreren Kilometern dann wirklich gedacht, ob der noch weiß wie er wieder heimkommt? Oder was mach ich wenn der in zehn Kilometern immernoch neben mir herläuft. 🤔 Leider leider haben sich unsere Wege jedoch dann an einem Waldweg getrennt, vielleicht hat er einfach die Wegweiser falsch interpretiert? Ist schließlich schon jedem Pilgerer mal passiert. 😉

Wie man am Bild des Tages erkennen kann ist meine Unterkunft heute eher klein und dezent. Ein bisschen Bescheidenheit schadet sicher auch mal nicht. 😜

Aktueller Stand: 765,0 Kilometer

#Goonemore

Tag 20 (24.07.2026):

Nun steh ich vor den Toren von Santiago de Compostela und werde morgen die letzten rund 20 Kilometer in Angriff nehmen. 💪 Heute hab ich auch noch erfahren, dass morgen der Jakobstag in Santiago ist und damit der höchste Feiertag. 🥳 Als hätte ich meinen Kalender genau danach gerichtet. 😅 Dementsprechend ist hier auf den letzten Kilometern, wie sicherlich auch morgen in ganz Santiago noch mehr los. 😱 Uiuiui hoffentlich verlier ich mich in diesem bunten Treiben nicht. 😂

So langsam trifft hier nun alles wieder zusammen. Gestern sind bereits die Pilgerinnen und Pilgerer des Camino Primitivo auf unsere Route getroffen und heute sind wir in Arzua vom Camino del Norte auf den bekanntesten Jakobsweg, den Camino Frances, eingebogen. Somit laufen nun alle die letzten knapp 40 Kilometer gemeinsam nach Santiago de Compostela. Und das merkt man auch an der Menge und Art der Leute. 😉 Heute hat’s mal nochmal geregnet und da hat einer vor mir den „Regentanz“ vorgeführt. Er hat verzweifelt versucht seinen Rucksack und sich unter den Müllsack zu packen. 🕺 Wenn ich ihn mir so angeschaut hab, dann kann ich mir bildlich vorstellen wie er in der vorherigen Ortschaft im Souvenirshop einmal alles zum mitnehmen und einen Müllsack falls es regnet bestellt hat. 😜 Vielleicht hätten da die Prioritäten anders gesetzt werden sollen? 🤷‍♂️ Ich weiß, dass ich mich hier schonmal ein wenig über den „typischen Touri“ lustig gemacht hab. Der hier und da mehr Souvenirs einkauft und mitschleppt, der deutlich mehr Fotos macht als ich und der einfach mal kuckt was so passiert. 💁‍♂️ Und es soll von meiner Seite ganz und gar nicht abwertend sein, denn schlussendlich glaub ich, dass die Leute mindestens genauso viel, wenn nicht sogar mehr Spaß haben als ich, indem sie vielleicht nicht alles strukturiert, sachlich und perfektionistisch durchgeplant haben. 😇 Gleichwohl weiß ich, dass es für mich zu einem viel zu großen innerlichen Unmut führen würde. 🤯😂

Nachdem nun schon über 800 Kilometer für den guten Zweck gesammelt wurden, sollten wir uns mal noch genauer anschauen, was in den letzten mehr als 100 Jahren in der Krebsforschung schon so alles erreicht wurde. 😉 Ende des 19. Jahrhunderts war die einzig denkbare Behandlung die operative Entfernung der mit den Krebszellen befallenen Organe. Jedoch konnten bereits um die Jahrhundertwende erste Krebszellen mittels Strahlentherapie bekämpft und durch Röntgenbilder sichtbar gemacht werden. Für die Entdeckung der sogenannten Röntgen-Strahlen hat Conrad Röntgen sogar 1901 den ersten Physik-Nobelpreis bekommen. 😉 In den 50er Jahren konnte dann die erste erfolgreiche Knochenmarktransplantation durchgeführt werden. Die Forscher Köhler und Milstein haben dann in den 80er Jahren ein Prinzip zur Herstellung von Antikörpern gefunden, die sich an die Krebszellen binden und diese vernichten. Dafür erhielten sie 1984 den Nobelpreis für Medizin. Seit 2006 findet jährlich am 4. Februar der Weltkrebstag statt und inzwischen haben etwa die Hälfte der von Krebs betroffenen Patienten die Chance auf Heilung. 🙏 Man sieht, dass die Investitionen in die Forschung von Krebserkrankungen absolut lohnenswert sind!

https://www.uniklinik-ulm.de/comprehensive-cancer-center-ulm-cccu/spenden.html

Verwendungszweck für die Überweisung: D.8000 – CCCU Spenden Forschung & Lehre

Aktueller Stand: 805,3 Kilometer

#Goonemore

Tag 21 (25.07.2026):

Hoojeah! 💪

Da steh ich nun wieder hier am Praza do Obradoiro vor der Kathedrale von Santiago de Compostela. 21 aufregende Tage, 825 teils nervenaufreibende Kilometer und alles für mich und die Sache. 😇 Für mich hab ich den Camino del Norte bezwungen 💪 und für die Krebsforschung und Lehre wurden aufgrund der 825,8 zurückgelegten Kilometer schon 825 Euro gesammelt. 🤩 Außerdem schon jetzt von ganzem Herzen „Danke!“ an all die wunderbaren Menschen, die sich mit einer Spende in welcher Höhe auch immer beteiligt haben. 🙏 Ich weiß, dass manchmal ein „Danke!“ so dahin gesagt ist, und man sich im ersten Moment „nichts davon kaufen kann“. Das stimmt, von meinem „Danke!“ kann sich wahrlich keiner was kaufen, daher ist es auch nur stellvertretend für all die Patientinnen und Patienten die jetzt und auch zukünftig von Krebsforschung profitieren. Weil sie dadurch größere Chancen auf Heilung, ein längeres Leben oder mehr Lebensqualität haben. Das kann sowohl unsere Liebsten, wie auch dich oder mich treffen. 😇 Eine gute Anlage von ein paar Euro heute in eine lebenswertere Welt morgen. 🌍

Normalerweise zieh ich am Ende einer Tour meinen Hut vor euch allen da draußen für all die wunderbaren und motivierenden Nachrichten/Anrufe, die ich in den letzten drei Wochen erhalten habe. Aber die Betonung liegt auf AM ENDE EINER TOUR! 😉 Denn ich hab die letzten Tage nochmals schwer mit mir gerungen und zähe Verhandlungen geführt. Erst in einer Woche geht mein Flieger in die Heimat und mein Kopf hat noch Lust die inoffiziellen Ziele aller Jakobswege, Muxia und Finisterra, anzusteuern. Jedoch sind die mehr als 800 Kilometer an meinem Körper verständlicherweise nicht ganz spurlos vorüber gegangen. 🤷‍♂️ Aber gut, das gehört dazu und zumindest einigermaßen hab ich meine linke Fußsohle auch wieder eingefangen, sodass mehr Kilometer für den guten Zweck gesammelt werden können. 💪 Das Motto der diesjährigen Tour ist schließlich „Go one more“. Daher lediglich zwischendurch aber nicht minder gewichtig von tiefstem Herzen „Danke!“ für Nachrichten jedweder Art in den letzten drei Wochen! 🫶❤️

Aktueller Stand: 825,8 Kilometer

#Goonemore

Tag 22 (26.07.2026):

Gar nicht so einfach bei den heutigen Geschehnissen in der Heimat auf ein stimmungsvollen Tagesblog umzuschwenken. 😔 An dem sowieso schon zu verachtenden und aufs härteste zu bestrafenden Gewaltakt beim CSD laben sich nun auch noch diejenigen, die solche Veranstaltungen für Toleranz, persönliche Freiheit und sexuelle Selbstbestimmung als „Ausgeburt einer ideologischen Frühsexualisierung“ und „wider der natürlichen Ordnung“ bezeichnen. 🤮 Wie ich jetzt von einer homophoben Partei auf die katholische Kirche komme, weiß ich auch nicht so genau. 😉

Die katholische Kirche hat gestern, wie schon ausgeführt, den höchsten Feiertag Santiago de Compostela’s gefeiert, den Dia de Santiago (Jakobstag). 🥳 Deswegen war die ganze Stadt geflutet von hohen kirchlichen und weltlichen Vertretern, teilweise hat die Polizei Plätze, insbesondere den Platz vor der Kathedrale, abgesperrt oder nur für Leute ohne Rucksack geöffnet. Gestern kamen also den ganzen Tag Pilger, verständlicherweise mit Rucksack, an und durften nicht zum Ziel. 🤦‍♂️ Jetzt bin ich also mehr als 800 Kilometer gelaufen um dann von der Polizei auf den letzten fünf Metern aufgehalten zu werden. 🙄 Kurzerhand hat sich eine wahre Rucksack-Deponie vor der Absperrung entwickelt. Ob die Polizei dadurch handlungsfähiger und der Platz entsprechend „sicherer“ wurde wage ich zu bezweifeln. 😅 Aber in Sicherheitsfragen kenn ich mich nicht aus. 😜

Ich konnte die Stadt heute zum Glück unbeschadet verlassen und bin nun auf dem Weg zu einem der beiden inoffiziellen Enden der Jakobswege, nämlich Muxia. 😉 Jetzt heißt es also wieder vom Vorfreude- und Ekstase-Modus, den ich die letzten beiden Tage vor Santiago innehatte, in den Modus zu wechseln, bei dem von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde, von Cola zu Cola gedacht wird. 🥃 Ja der Konsum von Süßgetränken ist in den letzten drei Wochen schon grenzwertig, aber der ist halt nicht nur für den Körper aufgrund der raschen Energiezufuhr, sondern vorallem für den Kopf wichtig. 😇 Schließlich sind die Blasen an den Füßen, aber die Schmerzen sollen den Zug der guten Laune, der da durch meinen Kopf rast, nicht aufhalten. 🚂 Ich weiß gar nicht, welcher Mediziner die meisten Schreikrämpfe von meinen Touren bekommt? 🤔 Der Zahnarzt aufgrund der Zuckerzufuhr, der Orthopäde aufgrund der Belastung für Knie und Gelenke, oder doch der Podologe, der mit einer Nagelfeile wohl nicht weit kommt. Generalsanierung ist hier das Stichwort! 😂

Aktueller Stand: 868,7 Kilometer

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Tag 23 (27.07.2026):

Camino nach Muxia ✅️

Durch die beiden letzten längeren Touren wurden die etwa 87 Kilometer von Santiago de Compostela nach Muxia zu einem der beiden inoffiziellen Ziele der Jakobswege bewältigt. 💪

Die Legende besagt, dass am Steinriff in Muxia, wo sich heute die Kirche aus dem 18. Jahrhundert befindet, die Jungfrau Maria in einem Steinschiff einst dem missionseifrigen Jakobus begegnete, ihm bei seiner Missionarsarbeit Mut zusprach und ihn dabei unterstützte. 😉 Außerdem hab ich für meine Pilgerei die sogenannte Muxiana bekommen, die mir Vergebung von all meinen Sünden gewährt. 🙏 Auch wenn meine persönliche Einstellung, wie schon die Seite besagt, einen unbändigen Glauben an sich selbst vermitteln soll, fehlt es mir doch ab und an ein wenig am religiösen Glauben an all die wundersamen Geschichten und Vergebungen. 💁‍♂️

Nun steht nurnoch eine letzte Tour zum anderen der beiden inoffiziellen Ziele, nämlich Finisterra, an. 😉 Finisterra, übersetzt das Ende der Erde. Ist hier wirklich das Ende der Welt? Nein, denn selbst die Kirche hat nach jahrelangen Zweifeln eingesehen, dass die Erde rund ist. 🙈 Also dann aber zumindest das Ende der damals bekannten Welt? Nein, denn der westlichste Punkt des europäischen Festlands liegt südlicher in Portugal. 🙈🙈 Aber ist es wenigstens das Ende des spanischen Festlands? Nein, denn der westlichste Punkt des spanischen Festlands liegt nördlicher in Tourinan. 🙈🙈🙈 Fazit: Bei der Namensgebung wurden Fehler gemacht. 😂

Etwa 31 Kilometer kommen morgen nochmals oben drauf, und dann wird es bei ein bisschen mehr als 940 Kilometern heißen: „Ya esta!“ 🥳 Oh mein Gott, was für ein f*** geiler Sch***. Um hier auch mal ein bisschen Trash-Talk unterzubringen. 😉 Denn machen wir uns nichts vor, der hat mich schließlich die letzten Tage und Wochen auch das ein oder andere Mal begleitet. 🤷‍♂️ Soooo viele Kilometer für den guten Zweck und natürlich auch für die eigene Glückseligkeit. 😇 Aber bevor es jetzt schon vor dem Ziel zu sentimental wird, heißt es noch einmal 5:30 Uhr aufstehen und dann zwischen 6:30 Uhr und 7 Uhr loswandern. Denn auch morgen gilt wieder: Noch einmal stürmt, noch einmal, liebe Freunde! 🚶‍♂️🎒

Aktueller Stand: 913,2 Kilometer

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Tag 24 (28.07.2026):

Finisterra, nicht das Ende der Welt, aber das Ende der Tour. 😇

„Oh mein Gott!“ Wie oft benutzt man diesen Ausruf im Alltag und gerade zu einem Pilgerweg kann doch kaum etwas besser passen. 😉

Oh mein Gott, was für eine Reise. 😊 Mit ganz offensichtlichen Höhen und Tiefen, wenn ich an all die Berge, Pässe und Hügel denke, die ich die letzten 3,5 Wochen hoch- und runtergelaufen bin. Aber klar zu Pilgerwegen gehören nunmal Kirchen und die stehen bekanntlich oftmals am höchsten Punkt eines Dorfes oder einer Stadt. 💁‍♂️ Mit wilden Hohlwegen, die mich schier in den Wahnsinn getrieben haben und natürlich mit Wegmarkierungen die teilweise bei sehr optimistischer Interpretationsweise bis heute keinen klaren Schluss zulassen, wo der Weg eigentlich genau langläuft. 🤯

Doch darauf folgt ein gewaltiges „ABER“! Oh mein Gott, ich durfte die letzten 24 Tage bei durchschnittlich etwa neun bis zehn Stunden Laufzeit knapp 240 Stunden lang das manchmal schöne oder auch manchmal vielleicht nicht so schöne Nordspanien entdecken. 🤩 Schönheit liegt ja im Auge des Betrachters, daher ist viel wichtiger, dass ich ein authentisches und ehrliches Nordspanien erleben durfte. Oh mein Gott, was hab ich alles für Menschen getroffen. Neben dem klischeehaften Pilger, der ab und an ein wenig Unverständnis in mir auslöst, denk ich da sofort an das dänische Pärchen, dass mich am zweiten Tag eingesammelt hat, nachdem ich fluchend und wegesuchend mit zerkratzten Beinen aus dem Gestrüpp kam, oder den spanischen Stadtmitarbeiter, der mir trotz offensichtlichen Sprachbarrieren mit außerordentlicher Leidenschaft und ungebremstem Enthusiasmus seine Stadt Gernika näher gebracht hat. 😍 Und oh mein Gott, was für ein Glück hab ich, dass mein Körper das alles immernoch so gut mitmacht und die naive Einstellung des Kopfes: „Ich hab zehn Stunden Zeit und lauf fünf Kilometer pro Stunde, also kann ich schon so mit 40 bis 45 Kilometer pro Tag rechnen“ stumpf und ohne größere Einschränkungen umsetzt. 😇 Gerade bei all den Bergabtouren durch „steinige Hohlwege“, wie es mein kleiner Printreiseführer oftmals beschrieben hat, hatte ich teilweise das Gefühl mir schepperts die Kniescheiben raus. 🤯

Oh mein Gott es ist geschafft! 💪 Nach sovielen Beschwörungen auf Überirdisches und Gott, dass hier in den letzten Zeilen zu lesen war, aber nicht überraschend auch auf und entlang des ganzen Camino del Norte oder in Muxia und Finisterra zu sehen und erleben war, glaube (nächster religiöser Bezug 😱) ich, dass vielmehr als die Hoffnung auf Gott, Gebete, Wunderheilungen und spirituelle Legenden, das Vertrauen in und der Dialog mit sich selbst entscheidend ist. 😇 Ja, Blasen tun vielleicht grad morgens in den Schuhen weh, aber die Füße laufen sich ein und ich komm Stunde um Stunde meinem Ziel näher. Ja, ich hab den Weg verloren, aber irgendwo in der nächsten Ortschaft find ich wieder eine Markierung. Ja, ich möchte diesen gottverdammten Berg nicht mehr hochlaufen, aber da oben gibt’s ne Bar und die haben Bocadillos und Cola. 🤤 Ja, 940 Kilometer zu Fuß sind verdammt weit, aber nach 150 Kilometern kommt schon Bilbao und da ists auch ganz schön. 🤩 Und wenn all diese Argumente nicht ausgereicht haben, dann war da immernoch der Antrieb für die Sache. Für dich, für mich, für jede und jeden Betroffene(n). 944 Kilometer und damit 944 Euro für die Forschung und Lehre im Zusammenhang mit Krebserkrankungen. 😇

https://www.uniklinik-ulm.de/comprehensive-cancer-center-ulm-cccu/spenden.html

Verwendungszweck für die Überweisung: D.8000 – CCCU Spenden Forschung & Lehre

Die letzte Etappe ist geschafft, der letzte Kilometer ist gelaufen und damit wäre der Blog zum Camino del Norte beendet. HALT STOP! 👆 Gerade das Wichtigste wurde noch überhaupt nicht erwähnt. All die wunderbaren Menschen und stillen Helden, der letzten 24 Tage. Natürlich die Leserinnen und Leser des Blogs, die vielleicht manchmal mit ein wenig Stirnrunzeln, aber hoffentlich auch ab und an mit einem kleinen Lächeln über die Zeilen geflogen sind. 😁 Die Spenderinnen und Spender, die eine kleine oder größere Spende an das Comprehensive Cancer Center Ulm geleistet haben, damit dieses auch zukünftig wertvolle und effektive Arbeit im Bereich der Krebsbekämpfung leisten kann. 😇 Die Menschen, die es mir ermöglichen vier Wochen durch die spanische Hitze zu laufen, um meine persönlichen Ziele zu erfüllen und natürlich all die lieben, netten und vorallem motivierenden Nachrichten während der ganzen Tour. Von ganzem Herzen danke! 🫶 Genau deswegen gibt es am heutigen letzten Tagesblog auch zwei Bilder des Tages. Das erste Bild ist das Siegerbild vom Kap Finisterra und steht für die persönliche Freude. Das eigentliche Bild des Tages ist jedoch das zweite und ist all den wundervollen Menschen da draußen gewidmet. Ich ziehe meinen Hut und verneige mich in allerhöchster Hochachtung vor euch! 🎩😍

Finaler Stand: 944,5 Kilometer

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