Camino Frances 2018
Vorbereitung (04.08.2018):
Ich wär soweit, aber ich muss mich noch ein bisschen gedulden, bis ich dann mal weg bin… 
Mein Rucksack fühlt sich noch ziemlich schwer an, aber wir zwei haben ja noch 7 Tage um uns aneinander zu gewöhnen. 


Anreise (11.08.2018):
Leider erst am nächsten Tag, aber ich bin gestern ein wenig spät am Startpunkt angekommen… 
Ich hab gestern noch meinen Pilgerausweis bekommen, für den ich nochmal quer durch die Stadt geschickt wurde. Ebenso wurde mir gesagt, dass es auch nicht schlimm ist, wenn einen die Gefühle übermannen und man anfängt zu weinen. Hoffen wir mal, dass es nicht soweit kommt. 
Das Bild des Tages kommt, wie nicht anders zu erwarten, aus dem schönen und einfach auszusprechenden Startort: Saint-Jean-Pied-de-Port.
Tag 1 (12.08.2018):
Bei der ersten Etappe über die Pyrenäen wusst ich von Anfang an, dass es hart wird, aber irgendwie ist man doch immer wieder überrascht. 
Der Anfang war verdammt steil, somit absolute Schweiß-Gefahr, der Mittelteil über den Gipfeln und an der Grenze zu Spanien war dermaßen windig, dass ich froh bin kein Gepäck oder gar mich verloren zu haben und der Schluss war wieder steil, aber diesmal nach unten, sodass auch die Knie noch ihr Verwöhnprogramm abbekamen. 
Als ich in Roncesvalles, einem grandiosen Klostergelände, angekommen bin, waren dermaßen viele Touris unterwegs, dass ich mich entschloß hier nicht den geplanten Rast bis Morgen Früh zu machen, sondern ich bin 3 Kilometer weiter in die nächste Ortschaft um mir noch ein wenig Proviant aus nem Supermarkt zu besorgen, an einem Sonntag!!! 
Naja in nem kleinen Hostel mit Restaurant hab ich mein Lager aufgeschlagen und doch noch was zu essen bekommen. Morgen werd ich nen großen Muskelkater in Rücken und Schultern haben. Naja 15 Kilo sind und bleiben halt 15 Kilo. 
Das Bild des Tages ist sehr schön, zeigt aber in keiner Weise die widrigen Windverhältnisse auf, die gegen mich und mein Handy kämpften. 
#Glaubandichdennichtuesauch
Tag 2 (13.08.2018):
Die Reise geht weiter, immer weiter. 
Heute bin ich bis zu den Toren von Pamplona vorgedrungen, hab mir in einem Vorort eine schöne Bleibe gesucht und werde hier, bis der Hahn zur Morgenstunde kräht, nächtigen.
Heute war ich etwa 38 Kilometer unterwegs, ich komm also deutlich schneller voran als geplant, wobei die Beine langsam echt schwer werden. Der Rücken und die Schultern haben sich an das Gewicht gewöhnt, sodass ich eigentlich rundum zufrieden sein kann. 
Morgen werd ich ein wenig in Pamplona verweilen, Sightseeing ist manchmal doch wichtiger als Kilometer gehen
, insoweit mich kein Matador oder wildgewordener Stier erwischt. 
Wie dem auch sei, heute hab ich eigentlich nur Berge vor die Linse bekommen, somit gibt’s als Bild des Tages das bekannte Zitat: „Sei immer fröhlich, immer froh, wie ein Mops im Haferstroh“ in Bildform.
#Glaubandichdennichtuesauch
Tag 3 (14.08.2018):
Am heutigen Tag lief auf den ersten Blick einiges schief, aber wie so oft im Leben muss man manchmal genauer hinschauen: „Mit dem zweiten sieht man besser!“ 
Angefangen hat alles in Pamplona, in dem ziemlich links-gerichteten Pamplona. Deshalb hatte ich die ganze Stadttour Melodien wie: „A…A…Antifaschista oder A…A…A.C.A.B“ im Ohr.
Sonst leider nicht so toll die Stadt… Aber die Menschen waren hilfsbereit und haben mich auf spanisch, englisch oder auch franspanengdeutschisch durch die Stadt begleitet, wobei es da dann auch schon zum ersten Tiefpunkt kam. Ich bin falsch abgebogen und dann mal ne gute halbe Stunde suchend und irrend umhergeschwirrt. 
Nach weiteren Stunden bin ich dann in meinem eigentlichen Zielort für heute angekommen, und was muss ich da lesen: „Completo full“ 
Die einzige Herberge in der Ortschaft ist voll, gut ich hätte auch mal reservieren können… Aber es ging doch bislang immer gut, also zweimal. 
Naja hab dann doch noch ne kleine Herberge gefunden, die aber weder WLAN noch Steckdosen noch Seife hat, ok wenn man sucht findet man eine Steckdose, aber für unsere Verhältnisse eher menschenunwürdig ausgestattet… Der Preis von 8 Euro ist aber ähnlich menschenunwürdig, daher passt das schon wieder. 
Somit schreib ich hier vom ungesperrten Bibliotheks-WiFi, dass bleibt aber unter uns. 
Naja zu guter Letzt, als wär das Übel nicht genug, zieh ich meine Jeans von gestern raus und find nen Schlüssel mit der Nummer 17… Ja gut das war wohl mein Zimmerschlüssel von vor 30 Kilometern, den ich vielleicht heute Morgen hätte abgeben müssen, vielleicht… 
Vielleicht haben die heute schon den ganzen Laden auf den Kopf gestellt, und vielleicht war der Servicemitarbeiter am Telefon ziemlich aufgelöst, vielleicht… 
Die spanische Post wird es lösen. 
Das Bild des Tages kommt heute von einem Aussichtspunkt mit gigantischer Sicht.
#Glaubandichdennichtuesauch
Tag 4 (15.08.2018):
Gestern war ich in Pamplona und heute werd ich von nem Stier verfolgt, die spinnen doch die Römer oder waren es Spanier??? 
Naja Mailand oder Madrid, Hauptsache Spanien. 
Aber alles der Reihe nach. 
Heute saß ich beim Frühstück neben zwei Deutschen und da ich auch meinen kleinen Spaß wollte, antwortete ich auf ihre Frage: „Kaffee?“ und der mir entgegen gehaltenen Kaffeekanne mit: „Thank you, I don’t drink coffee.“, dann meinte sie zu ihrem Partner nur ganz verdutzt: „Ich dachte der junge Mann ist Deutscher, naja so kann man sich irren.“ und lachte dabei verlegen. Sie werden es wohl nie erfahren. 
Meine Reise ging über Stock und Stein durch verschiedene Ortschaften und endete in Estella. Ich hab somit nun eine Tagestour reingelaufen und bin gut im Zeitplan. 
Eine Ortschaft vor meinem Ziel passierte es dann die Menschen, auch Kinder, waren mit weißen Hemden und roten Schals herausgeputzt und dann kam ein Stoffstier, geschoben von einem Dorfbewohner, um die Ecke und hat die Kinder und mich, also wirklich alle Kinder
, mit Wasser nassgespritzt….
Sozusagen der Stierlauf von Pamplona in light-Version, ohne Blut und ohne Tote. Aber immerhin n gutes Training für alle Kinder die später auch mal um ihr Leben rennen wollen. 
Ach ja hab ich eig schon gesagt, dass ich Feiertage hasse….
Für Leute, die an einem Tag mehr Blasenpflaster als Helmut Schmidt Zigaretten verbrauchen, ist so ein Feiertag ein gefährliches Unterfangen. 
Gut, dass es auch in Spanien Notfallapotheken gibt. 
Das Bild des Tages kommt heute von echten Tieren, flauschigen
, aber warum liegt hier eigentlich Stroh rum, und warum hast du ein Schaf dabei? 
#Glaubandichdennichtuesauch
Tag 5 (16.08.2018):
Man könnte ihn mit „Stierkampf die dritte“ überschreiben. 
Heute begann der Tag eigentlich ganz gut, da ich in der Nacht in nem 5 Bett-Zimmer der einzige war und somit fernab von Schnarchgeräuschen und sonstigen menschlichen Ergüssen meine Nacht vollumfänglich genießen konnte. 

Heute Morgen merkte ich aber sofort, dass es heut nicht schnell und weit voran geht…. Blasen und linkes Knie halten mich in Schach, aber Mithilfe der hier vorhandenen Pharmacias, in denen ich bereits bekannt bin wie ein bunter Hund, werd ich den Kampf nicht verlieren.
Aufgeben kommt schließlich nicht in Frage! 
Nichts desto trotz bin ich anscheinend rumgelaufen wie ein angeschossenes Reh, da mich gefühlt jeder gefragt hat ob ich Probleme an den Füßen hab. 
Bin also nur 22 Kilometer unterwegs gewesen, und hab bereits um 13:30 Uhr wieder schlussgemacht für heute. 
Ich machte mich nach Los Archos auf, mit meinem vertrauten Weibe, die ward schwanger. Und legte mich in eine Krippe, denn ich fand sonst keinen Raum in einer Herberge.
Andere Geschichte, andere Jahreszeit, aber so oder so ähnlich…
Und da kams dann wie es kommen musste, das Elend nahm seinen Lauf, mehrere Kühe wurden ab 18 Uhr erst durch die Stadt und dann durch die errichtete Stierkampfarena am Dorfplatz getrieben. Wie also im bekannten Schauspiel in Pamplona nur eben mit gehörnten Kühen anstelle von Stieren. 
Ein Festtag für Jung und Alt und ich mittendrin!
Ich hab’s mir zwei Stunden angeschaut und mir wurden eigentlich nur zwei Sachen klar: Einstein hatte vollkommen Recht, dass menschliche Dummheit unendlich ist und Gott kann uns nicht geschaffen haben, wir müssen definitiv vom Affen abstammen. 
Das heutige Bild des Tages ist das erste und hoffentlich einzige Bild der Reise in schwarz-weiß. Farbe hat es bei Gott nicht verdient. 
#Glaubandichdennichtuesauch
Tag 6 (17.08.2018):
Ein weiterer Tag ist geschafft, und nun sind’s nurnoch 605 Kilometer zum Ziel, wuuuuuhuuuuu!!! 
Der Tag startete jedoch erstmal mit einer Pause, denn ich sah den Weg vor lauter Schafen nicht mehr!
Ob es sich dabei wohl um meine Freunde von vor wenigen Tagen handelte?
Ich weiß es nicht, genau deshalb blieb es zwischen uns auch bei einem seriösen und auf Abstand bedachten „Guten Morgen“, kann ja nicht gleich jedem den ich auf meiner Reise treffe das „Du“ anbieten. 
Heute Mittag traf ich dann auf zwei nette Polinnen, aus Datenschutzgründen werden ihre Namen hier nicht genannt, muss ja wenigstens ich noch ihre Privatsphäre schützen, wenn es ihr Staat schon nicht tut.
Sie haben mich auf den letzten 5 Kilometern begleitet und waren ein ganz guter Ansporn das Tempo hochzuhalten, besonders nach dem sie meinen Beruf erfragt haben, wollt ich mir die Blöße nicht geben und mich abhängen lassen. 
Als ich aber erzählte, dass es für mich ne persönliche Herausforderung ist und ich nicht besonders religiös bin und daraufhin eine der beiden einen Rosenkranz rausholte, um ihre Hand wickelte und ganz still wurde, versetzte ich mich gedanklich in erhöhte Alarmbereitschaft: „Will sie mir gleich den Teufel austreiben? Entzieht sie mir gerade mein schlechtes Karma und gedenkt meiner oder gar ihrer schandhaften Taten?“ Mal wieder eine Frage die sich in meinen Kopf brennt… 
Heute Abend bin ich jedenfalls in einer sicheren Herberge und was schallts aus der Dusche? Oper- und Musical-Musik, naja was soll ich sagen, die Dusche war also heute Abend meine private Bühne und ich fand ich hab im Rahmen meiner Möglichkeiten mehr als gut performt. 
Das Bild des Tages ist ein kleines Rätsel: Welches Schaf hatte heute Kakao zum Frühstück? #Schokoschaf
#Glaubandichdennichtuesauch
Tag 7 (18.08.2018):
„Hola, buen camino!“ Schallt es weiterhin in meinen Ohren. Eine Grußform die von jedem genutzt und vorallem von jedem verstanden wird. 
Heute war ich bereits direkt nach dem Verlassen meiner Herberge geschockt.
Hat es heute Nacht etwa geregnet? Oder regnet es gerade immer noch und ich müsste mich nochmal komplett entschnüren und mein gesamtes Gepäck abstellen, um meine Regenjacke rauszuholen? 
Nein alles halb so wild, es hat nicht geregnet, es ist immernoch verdammt heiß, die spanischen Stadtbeamten verstehen nur unter Straßenreinigung was anderes als wir. 
Was bei uns die Kehrmaschine ist in Spanien der Gartenschlauch.
Einmal die komplette Fußgängerzone rausgespritzt, ist die wenigstens wieder sauber, dass die Brühe aus Plastikflaschen, Zigarettenstummeln und Kaugummiresten allerdings die nächste kreuzende Hauptstraße runtergelaufen ist. 
Naja in der nächsten Ortschaft in der ich meine Frühstückspause eingelegt hab, war dieses WE anscheinend ein riesiges Fest, die Musi hat sogar schon früh morgens aufgespielt und anscheinend ist die Feierei nicht an allen spurlos vorübergegangen.
Die Situation stellte sich wie folgt dar: Ich betrat einen kleinen Lebensmittelladen, der Verkäufer begrüßte mich mit geschätzten 2 mg/l Atemalkohol, also etwa 4 Promille, und bediente mich unter höchster körperlicher Anstrengung, nach handgestoppten 5 Minuten stürmte eine junge aufgebrachte Dame, wie sich später rausstellen sollte, seine Freundin, den Laden, übernahm für ihren heillos überforderten Freund das Abkassieren meines zu entrichtenden Geldbetrages und entschuldigte sich tausendfach. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass er mich zweimal begrüßt hat, da er innerhalb von etwa einer Minute vergaß, wer ich eigentlich war und zudem sämtliches Ladeninventar abgeräumt hatte, um mir mein gefordertes überbackenes Baguette zu reichen… aber dass kann ja mal vorkommen. 
So amüsant die Situation auch für mich war, ahnte ich böses und wollte den Laden am liebsten nicht mehr verlassen, denn hierdurch wurde mein kleiner Freund hinter dem Tresen vogelfrei, es wurde der Startschuss für einen unfairen Kampf gegeben, der Löwe hat sich quasi über die am Boden liegende, wehrlose Antilope hergemacht. 
Aufgrund meiner nicht vorhandenen Spanisch-Kenntnisse kann ich die, nach meinerseitigem Schließen der Ladentüre, mit etwas erhöhter Lautstärke wiedergegebenen Wortfetzen der jungen Dame nicht zweifelsfrei wiedergeben, möglicherweise ist dies jedoch einer Kriegserklärung sehr nahe gekommen und es deuten sich nach ersten Einschätzungen von Experten zähe Friedensverhandlungen an. 
Außerdem hab ich heute auch wieder Eine der polnischen Bekanntschaften getroffen, sehr sympathisch sich mit ihr zu unterhalten, aber ihr wisst schon es war die mit dem Rosenkranz. 
Allgemein trifft man hier immer wieder Gesichter, die einem so verdammt bekannt vorkommen, wenn ich die nur immer zu den jeweiligen Punkten zuordnen könnte, an denen ich sie getroffen hab.
Aber naja jeden Tag neue Menschen, jeden Tag ne neue Stadt, hab heute meine Herberge auch zweimal umkreisen müssen bis ich den Eingang wieder gefunden hab. 
Das Bild des Tages zeigt den für mich schönsten Moment des Tages auf. 
#Glaubandichdennichtuesauch
Tag 8 (19.08.2018):
Hat irgendjemand den Schalter für diese Sonne gesehen? 
30 Grad fühlen sich am Strand mit Cocktail irgendwie angenehmer an, vielleicht sollt ich das mit diesem Cocktail mal ausprobieren und einen to-go einpacken. 
Azur-blauer Himmel und Bergkulisse im Hintergrund entschädigen aber für den ein oder anderen Sonnenbrand, den ich trotz Lichtschutzfaktor 50 noch abbekomm. Dabei bin ich doch eigentlich echt n dunkler Hauttyp, so im Vergleich zu Engländern. 
Ich hab heute außerdem noch ne wahre Rarität gesichtet, selbstgemachtes Eis, nicht das abgepackte, sondern das „echte“ in der Waffel.
Hab mir direkt 2 boleros gegönnt. 
Heute Abend hab ich anscheinend mal wieder ein Einzelzimmer, nur eins der 6 Betten hier im Raum ist belegt, nämlich durch mich. 
Aber wo sind die ganzen Leute?
Hab ich mich geduscht?
Schnarch ich?
Hab ich soviel Gepäck, dass ich das ganze Zimmer beleg?
Ja ok vielleicht traut sich keiner mehr hier rein?
Ich werd mir darüber Gedanken machen. 
Das Bild des Tages entstand in der prallen Hitze um die Mittagszeit. Dank an die zwei Spanier, die es ein bisschen authentischer machen. 
#Glaubandichdennichtuesauch
Tag 9 (20.08.2018):
„Es lebe der Sport!“
Heute Morgen hab ich’s nicht so früh aus dem Bett geschafft.
Das verleitet einfach viel zu sehr, wenn man alleine im Zimmer ist und man den Wecker immer wieder weg drücken kann, zur Not alle 5 Minuten. 
Ich bin durch einige Ortschaften gekommen, bei der Hitze eine wahre Erholung
, aber anscheinend hats hier nicht jeder mit Kundenfreundlichkeit… In einem Supermarkt, in dem ich mir was zu trinken kaufen wollte, wurd ich erstmal böse angekuckt, dann aufgefordert alle Sachen abzulegen, um mir eine Flasche Wasser zu kaufen, wurde an der Kasse von ner alten Oma und der Kassiererin freundlich bei Seite gebittet, dass sie wie selbstverständlich erstmal ihren Wochen-Einkauf tätigen kann, wurde dann griesgrämig abkassiert und hab mich dann wieder aufgesattelt. So kann man mal ne halbe Stunde für ne Flasche Wasser verschwenden, dabei kam 200 Meter weiter ein Brunnen zum selber auffüllen, jaja die Pest! 
Aber mal ernsthaft, hat die Kassiererin geglaubt ich klau ihr was und stecks unbemerkt in meinen Rucksack?
Naja groß genug is er sicherlich, aber ich bekomm doch morgens meine eigenen Sachen kaum noch rein. 
Wenn die wüsste, wie gewaltvoll ich jeden Morgen meinen Rucksack packe, dann hätte sie mir vertraut, ganz bestimmt. 
Aber man trifft auf dem Weg auch immer wieder Kinder, die ein Glas Orangen- und Zitronenlimo für nen Euro verkaufen, da hab ich heut auch wieder eine kleine Gruppe am Straßenrand getroffen und die hatten so nen süßen, knuffigen Hund, da konnt ich nicht nein sagen. Die Kids wissen wie Kundenfreundlichkeit geht, nett sein und ein Hund, dass ist der Schlüssel zum Erfolg.
Und sie waren Gott sei Dank noch zu jung um das eingenommene Geld sinnlos zu versaufen. 
Heute Nacht schlaf ich in ner Herberge die nur 5 Euro kostet, hier in Kastilien, wo ich seid heute bin, ist das vorgeschrieben von der Bezirksregierung, ziemlich menschenunwürdig, dass man für n Dach über dem Kopf, ein warmes Bett und ne warme Dusche weniger zahlt als für nen Männerhaarschnitt. 
Ich zahl grundsätzlich mindestens 10 Euro, alles andere kann ich mit meiner inneren Einstellung nicht vertreten. 
Achja was hat es eigentlich mit dieser Überschrift auf sich? 
Hab heute meine Mittagspause auf nem Sportplatz im Park gemacht, herrlich. 
Das Bild des Tages kommt aus dem Park, in dem mein Trainingspartner im Hintergrund noch Überstunden schiebt. 
#Glaubandichdennichtuesauch
Tag 10 (21.08.2018):
So viele Menschen und so viele Sorgen, besonders Magdalena. 
Ich bin heute Morgen neben Kathrin aus’m „Östen“ aufgewacht, in zwei verschiedenen Betten versteht sich.
Sie war die bislang erste Deutsche, die ich getroffen hab und sie „had ga nüchts mit de Kirche zü tün“ sie wandert einfach gern, wir „häm ja sönst nüchts im Östen“, ok das letzte hat sie wohl eher nicht mehr gesagt. 
Und dann hab ich auf meinem Weg Magdalena getroffen. Magdalena ist etwa zwei Jahre alt, sitzt im Kinderwagen, kommt aus Deutschland und ist mit ihrer Mutter und Oma unterwegs. Soweit so gut, Magdalena hat nur eine Sorge, sie hat Hunger.
Naja das ist ja eigentlich nur ein kleines Problem, das große Problem hat Mama und Oma, denn Magdalena kann schreien, laut schreien. Und wenn Magdalena Hunger hat, schreit sie sehr laut!
Aber Magdalena hat kluge Eltern, die denken, das Problem sei gelöst, wenn sie ihr sagen, dass sie im nächsten Dorf was zu essen bekommt… Christian wusste in dem Moment, dass das nächste Dorf noch 12 Kilometer entfernt war, und somit die Zeit war zu gehen, schnell zu gehen! Ab etwa 5 Kilometer Entfernung hatte ich dann nurnoch ein dumpfes Rauschen im Ohr, dass war also die richtige Entfernung zu Magdalena. 
Irgendwann kam ich dann nach Atapuerca, seit 2000 UNESCO Weltkulturerbe, da hier 800.000 Jahre alte menschliche Überreste gefunden wurden. Aber dementsprechend blieb mein hier getätigter Zwischenstopp nur von kurzer Dauer, Menschen um Menschen wurden mit Bussen hier her gekarrt um sich in der Bar zu stärken bevor es zu den archäologischen Höhlen weiter ging. Ein krudes Spektakel von Zombies in Menschenkörpern, die gierig nach Essen und Trinken sämtliche menschliche Verhaltensweisen über Bord werfen. 

Aktueller Zwischenstand: Die Heimat in Form von 273 Kilometern liegt nun hinter mir, vor mir die Welt in Form von 496 Kilometern. 
Das Bild des Tages kommt heute aus meiner aktuellen Herberge: Und lässt die Situation wahrscheinlich am besten mit einem zweiten Zitat beschreiben. Wie sagte Goethes Faust schon: „Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor.“
Die Dusche ist das Bad oder das Bad ist die Dusche. 
Aber warum eigentlich zweites Zitat? 

#Glaubandichdennichtuesauch
Tag 11 (22.08.2018):
Den heutigen Tag kann man gut und gerne als „Wow-Tag“ einordnen! 
Heute gings, nach Pamplona, in die zweite Großstadt meines Trips. Und wie erzählt hab ich mich in Pamplona bekanntlich verlaufen, was soll ich sagen… „Ups, I did it again“ 
Sind die Städte zu groß, bin ich zu klein? 
Burgos war aber echt auch schlecht ausgeschildert, ja und dementsprechend war ich mal kurz angefressen. 

Naja aber dafür wurd ich redlich entschädigt und hatte definitiv meinen ersten „Wow-Moment“ des Tages. 
Nach Burgos gings dann weiter durch kleinere Örtchen und da kam dann der zweite „Wow-Moment“: Ein Spielplatz mit Rasensprenger, eigentlich wohl eher für den Rasen, zweckentfremdet durch mich!
Bei 30 Grad war ich wahrscheinlich der glücklichste Junge auf dem Spielplatz!
Geschaukelt bin ich auch noch, aber es kann jeden Tag nur ein Bild des Tages geben. 
Sprachlich bin ich jetzt immerhin auch schon soweit, dass ich mein Zimmer auf spanisch reservieren kann, hier auch zwingend erforderlich, da die Leute weder Englisch noch Französisch sprechen. 
Ein, zwei Wörter konnt ich ja davor schon, in diesem Sinne:
Adios Ede! 
Das Bild des Tages kommt von der umwerfenden Kathedrale aus Burgos, wenn man live davor steht, unstrittig ein echter „Wow-Moment“!
#Glaubandichdennichtuesauch
Tag 12 (23.08.2018):
Ein guter Tag setzt vor allem einen guten Schlaf voraus, daher vorweg erstmal ein herzliches Dankeschön an meinen Bruder für das Bereitstellen seines Schlafsacks.
(Auch wenn er es gerade zum ersten Mal hört, da ich ihn weder gefragt hab, noch er ihn auch je vermissen würde.) 
Was bekam ich aber dann heute Morgen direkt zu sehen, ne Pilgerin vor mir hatte nen Teddy hinten im Rucksack. 

Der war zwar ganz schön eingeschnürt, aber dabei ist alles.
Wahrscheinlich für sie der letzte Rettungsanker, wenn gar nichts mehr hilft, Teddy drücken und dann wird’s gleich viiiel besser! 
Sonst bin ich heute insgesamt 40 Kilometer unterwegs gewesen und in der prallen Mittagssonne von 13 bis 15 Uhr nen Berg hochgestapft. 
Sind wir nicht alle ein bisschen verrückt?
Zu meiner Verteidigung kann ich nur sagen, dass der Weg da nunmal lang geführt hat. 
Wenn’s nach mir ging, hätt ich auch schon 5 Kilometer früher Schluss gemacht. Aber in der einzigen da vorgefundenen Herberge wurde gebetet, Füße gewaschen, gebetet, gemeinsam gekocht, gebetet, Pilger gesegnet und nochmal gebetet, naja nicht so meins…
Alleine schon jemandem wie mir meine verblasten, versifften, 40 Kilometer verwanderten Füße zu waschen erinnert mich eher an die Kolonialzeit als weiße Gutsbesitzer dunkelhäutige Sklaven hatten, die von ihnen erniedrigt wurden. Vor mir muss niemand niederknien und meine Füße waschen, so alt bin ich ja jetzt noch nicht, dass ich das nicht selber könnte. 
Das Bild des Tages kommt von dem obengenannten Berg, die Aussicht war im Vergleich zur Temperatur echt nice! 

#Glaubandichdennichtuesauch
Tag 13 (24.08.2018):
Kurz und schmerzlos, da mein ganzes Zimmer schon schläft und ich ja noch mit allen Zähnen heimkommen will. 
Heute hab ich in der ersten Ortschaft gleich mal die wichtigste „Sehenswürdigkeit“ verpasst… Den verzierten Pranger aus dem Mittelalter.
Naja kann ja eigentlich auch nicht schaden, wenn man dem Pranger entkommt. 
Dann aber bin ich einer ehemaligen Wasserstraße gefolgt, sehr sehenswert! 
Und ich bin heute auf der Pilgerautobahn unterwegs gewesen, aber natürlich nie schneller als 130 km/h gelaufen, sind ja in Spanien. 
Aber als Bild des Tages gibt’s heute, dass was man immer wieder auf den Wegen sieht, mit Steinen gelegte Zeichen. 
#Glaubandichdennichtuesauch
Tag 14 (25.08.2018):
Juhu, mehr als die Hälfte der Tage ist geschafft und noch viel wichtiger, mehr als die Hälfte der Kilometer liegen nun hinter mir! 
Los ging die heutige Reise mal wieder in einer super geräumigen und leeren Herberge, zwar hatte ich den Schlafraum nicht ganz für mich alleine, aber fast. 
Dann gings fast zwanzig Kilometer durch die spanische Prärie, ohne Dörfer, ohne Häuser und ziemlich weiter Sicht! 

Als Kind dachte ich immer, wenn man was mit dem bloßen Auge sehen kann ist es nicht so weit weg, da wurden meine Kindheitsphantasien heute aber auf ne gewaltige Probe gestellt. 
Naja irgendwann dann in einem Dorf angekommen, stärkte ich mich und vernahm bald darauf mir wohl bekannte Klänge: Brigitte und eine Gruppe Pilger, hierunter auch Hermann, kamen zu dem Lokal, bei dem ich auf der Terrasse saß. Brigitte ging Richtung Eingang und fragte die Gruppe: „Was wellad’r?“, ich übersetze für meine nicht-schwäbischen Freunde: „Was wollt ihr trinken, ich würde euch etwas mitbringen.“ Die Gruppe rief ihr nach: „Bringsch uns a Radler mit!“, zu deutsch: „Wir würden Radler nehmen, kannst du uns bitte welche mitbringen!“ Brigitte ging zur Theke und orderte: „Quattro Radler.“ Als der Ladeninhaber hinter dem Haus verschwand um Bier bzw. Radler zu organisieren, sagte Brigitte zu ihrer Gruppe: „I glaub, dene ischs Bier ausganga, der muss erschd a neis Fäßle astecha.“, zu deutsch: „Ich glaube, dem Wirt ist das Bier ausgegangen und er muss erst ein neues Fass Bier anstechen um uns unsere Radler zu servieren.“ Hermann kommentierte daraufhin zum Rest der Gruppe: „Des keht länger braucha, der muss erscht no a neies Fäßle azapfa, da missad’r no wenga Geduld hau.“, zu deutsch: „Das könnte noch ein paar Minuten länger dauern, der Wirt muss erst noch ein neues Fass Bier anzapfen, ihr müsst euch noch etwas gedulden, bis ihr euer kühles Getränk genießen könnt.“ 
Tiefstes schwäbisch im schönen Kastilien. 
Da Hermann dazu noch ein Einstein-Marathon T-Shirt trug, war meine Neugierde geweckt und ich wollte mit diesen Menschen in Kontakt treten! Auf meine Frage, wo sie herkommen, kam ein: „Aus dr nähara Umgebung Ulm.“ Sie kamen aus „Laupa“, zu deutsch: Laupheim, bei Ulm. 
Heute hab ich ein wenig Pech mit meiner Herberge, viel zu viele Menschen auf engstem Raum… Aber wenn I dahana sag, dass der Scheiß Lärm a male aufhära soll und jetzt Schluss isch mit dem rumgebubale, dann verstad mi ja eh koiner. 
Das Bild des Tages ist ein mit kleinen Kieselsteinen gelegtes Bild, dass man von einer Brücke aus betrachten konnte. 
#Glaubandichdennichtuesauch
Tag 15 (26.08.2018):
Heute war irgendwie tote Hose! 
Heute Morgen ist das ganze Hostel schon um 05 Uhr aufgestanden und dann etwa um 06 Uhr losgelaufen, fragt mich nicht nach dem Sinn, es wird erst um 07 Uhr hell und ist morgens auch noch arschkalt, aber gut jeder wie er will. 
Ich konnte mich dann also um halb 7 ganz in Ruhe fertig machen und bin auch so um halb 8 losgedackelt…
Ohne tolle Aussichten einfach an der Straße entlang, nichtmal für viele oder tolle Fotos hats heute gereicht. 
Ich muss auch ehrlich sagen, heute hatt ich gar keinen Bock. Es fehlt echt mal ein Tag, an dem ich nicht laufen muss, so zur Abwechslung. Aber naja der ist ja vielleicht in 11-12 Tagen. 
Allerdings bin ich heute durch Sahagun gekommen, der angebliche „Centro del Camino“, also die Mitte des Jakobswegs. Wohl eher ein Werbefact für die Stadt anstelle der Wahrheit. Hab nämlich schon 429 Kilometer hinter mir und nurnoch 340 Kilometer vor mir… 
Als Bild des Tages gibt’s heute den Sonnenaufgang, den ich, trotz meiner normalen Schlafaktivität im Vergleich zu den Verrückten hier
, auch noch genießen konnte. 
#Glaubandichdennichtuesauch
Tag 16 (27.08.2018):
„Ich suche einen Schlafplatz für heute Nacht, haben Sie da was?“ –
„Nur für Sie?“ –
„Und für mein Haustier da draußen.“ –
„Wir nehmen keine Hunde auf… Was zum Teufel macht der Esel da draußen???“ 
So oder so ähnlich könnte das Gespräch abgelaufen sein, aber alles ganz langsam und von vorne. 
Der erste Wecker ging heute tatsächlich erst um 05:30 Uhr, ich war ein wenig überrascht aber naja, ist für mich jetzt immernoch keine Uhrzeit um aufzustehen. Ich bin gemütlich um 06:30 Uhr aufgestanden und um 07:30 Uhr losgedackelt. 
Heute war ich wieder ordentlich motiviert, so dass ich zügig zur nächsten Ortschaft und zum geplanten Frühstück kam, Bocadillos und Orangensaft, herrlich! 

Leider waren die letzten Touren, von Ort zu Ort, ziemlich pragmatisch an der Straße entlang… 
Und heute Abend saß ich dann vor meiner Herberge und da kam tatsächlich einer mit bepacktem Esel an. 
Bekanntermaßen kann man den Jakobsweg zu Fuß, per Fahrrad oder per Pferd bewältigen, aber ich hab die ganzen Tage die ich unterwegs bin keinen einzigen Reiter
gesehen, geschweige denn jemanden mit einem Esel…
Naja der Esel steht jetzt gegenüber auf ner Wiese und der gute Herr schläft hier. 
Wünschen wir dem Mann mal einen guten Schlaf, wer weiß wie viele Nerven so ein Esel kostet. 
Als Bild des Tages, leider sehr schlecht eingefangen, gibt es den Esel, der absolute Star des Tages! 
#Glaubandichdennichtuesauch
Tag 17 (28.08.2018):
Wo steh ich denn nun eigentlich? 
Ja gut ich bin in Villadangos del Paramo, aber damit kann ich genauso wenig anfangen, wie die wahrscheinlich überwiegend große Mehrheit meiner Leser… OK, ok, natürlich kennt ihr Villadangos del Paramo, aber ich halt eben nicht.
Aber das blieb nicht das Einzige, das ich heute dazu lernen sollte. 
Laut Wikipedia bin ich bislang 491,5 von 769 Kilometern gelaufen.
Laut meinem Reiseführer bin ich bislang 504,9 von 784,6 Kilometern gelaufen.
Laut Google-Maps, könnte man die Strecke so laufen, dass man an meinem Standort bei 455 von 728 Kilometern ist.
Ganz schöne Gehirn-Überlastung! 

Vielleicht ist der kleine Wicht, der die Strecken jeweils vermessen hat, halt doch nur mit seinem 2 Meter-Zollstock ab und zu mal verrutscht.
Gutes und qualifiziertes Personal ist eben teuer und schwer zu finden! 
Außerdem hab ich heute dazu gelernt, dass dieses rote Licht auf einer Fußgängerampel mehr so ein Angebot ist zu warten, es sollte auf jeden Fall nicht so eng gesehen werden und man outet sich definitiv als Tourist, wenn man ihm Folge leistet. Eine Frau ist heute bei Rot mitten auf die Straße gerannt und wurde zum Glück noch umkurvt, anstatt dass Sie umgenietet wurde.
In manchen Momenten kann ich sie ja verstehen, mir tun die Füße auch weh vom Laufen, aber so innig ist meine Bindung zum Leben dann doch allemal noch, dass ich solche geisteskranken Dinge nicht mach. Naja ist ja zum Glück nochmal gut gegangen. 
Das Dritte was ich heute lernen durfte, hat mir mein Reiseführer schriftlich vor Augen geführt. Der Weg ging heute fast ausschließlich durch die pralle Sonne an der Straße entlang und es hätte einen Alternativweg durch Wiesen und Felder gegeben. Da es aber halt nicht der originale Camino Frances gewesen wäre, hab ich ihn nicht gewählt. Mein Reiseführer schreibt aber explizit, dass der Originalweg nur für ausgesprochene Masochisten und Leute die große Sünden abzubüßen haben, ein wirklicher Genuss ist. Ich hab mir schon immer gedacht, dass mit mir was nicht stimmt, insbesondere da ich seit 17 Tagen mit Blasen an den Füßen durch 30-35 Grad pralle Sonne lauf, aber ja sind wir nicht alle ein bisschen krank im Kopf. 

Auf dem Bild des Tages sind zwei Reisende zu sehen, die sich Mitten in die Sonne gestellt haben. 
#Glaubandichdennichtuesauch
Tag 18 (29.08.2018):
So viele geile Aussichten, die man mit Bildern gar nicht immer so toll darstellen kann. 
Heut gings, für meine Verhältnisse, schon etwas früher los, nämlich um 7. 
Und die erste Etappe ging gleich durch den Wald, durch den unheimlichen, dunklen und gruseligen Wald. Ein bisschen hab ich mich wie damals die Römer im Teutoburger Wald gefühlt. Gleich springt Arminius der Cherusker aus dem Wald und überfällt mich und meine Gefolgsleute, also mich, hinterhältig.
Naja gut ich schweife ab, wobei wir bei Römern auch schon bei meinem nächsten Stichwort sind. Als ich den düsteren Wald nämlich hinter mir ließ, folgte eine gigantische Brücke, eben gebaut von diesen Römern. Unten folgend bringt das Bild des Tages nur einen Bruchteil von der Schönheit rüber, die man in echt bestaunen konnte. 
Danach ging es mehr oder weniger steil einen Berg zum Aussichtspunkt auf Astorga. Eher eine Kleinstadt, aber die Kathedrale die man da zu sehen bekommt, wow! Google Bilder kann euch sicher einen guten Anhalt für das liefern, das ich da zu sehen bekam. Von der Ferne und dann später natürlich auch aus der Nähe.
Und ich hatte das Glück dieses Gefühl nicht nur einmal zu erleben, nein nein, sondern gleich zweimal, weil ich einfach ein Teil meiner eingekauften Sachen in einem Laden vergessen hab, dann zurück musste, und beim zweiten Mal gleich nochmal überrascht war, wer dieses Ding da hingestellt hat!!! 
Das Bild des Tages, kommt heute von einem gigantischen Bauwerk aus Römerzeiten.
#Glaubandichdennichtuesauch
Tag 19 (30.08.2018):
Heute hab ich für mich beschlossen: „Berge sind schöne Dinge des Lebens… aber nur wenn man auf dem Gipfel steht!“ 
Meine gestrige Herberge hatte was cooles, nämlich Tiere, zwei riesige aber super brave Hunde und eine niedliche aber seeeeehr anhängliche Katze
, die mir heute Morgen während des ganzen Frühstücks auf dem Schoß saß, und sich mehr oder weniger nur gewaltvoll lösen ließ, damit ich los wandern konnte! Hätte sie ja gerne mitgenommen, aber das ging nunmal nicht.
Nachdem wir zwei ein paar Tränen vergossen hatten gings aber wirklich los. 
Über die Berge von Leon, die natürlich eine erstklassige Aussicht bieten, lief ich durch mehrere Bergdörfer zum heutigen Ziel. Naja unter Bergdörfern versteht man in Spanien keine frisch rausgeputzten Touri-Orte, sondern eher eingefallene Häuser, nicht-asphaltierte Straßen, die dir angestaubte Getränke aus Schränken anbieten. 
Genau der Gegensatz zu meiner aktuellen Herberge, ein Hotel mit angegliederten Herbergszimmern, mit Pool, Restaurant und Massagezentrum.
Entspannung pur, nur muss ich leider morgen früh weiter. 
Wahrscheinlich eine ähnlich harte Verabschiedung wie die von meinem knuddeligen Freund heute morgen. 
Das Bild des Tages ist am höchsten Punkt der heutigen Tagesetappe entstanden. 
#Glaubandichdennichtuesauch
Tag 20 (31.08.2018):
Wohoo, endlich steht ne 2 vorne dran und ich kann Santiago schon mit dem Fernglas sehen. 
Heute Morgen hab ich in dem Berghotel noch ein Frühstück genossen, und was gab’s: Ein belegtes Brot mit Schinken, Schinken, ein belegtes Brot mit Ei, Ei. Dass macht zwei belegte Brote, eins mit Schinken, eins mit Ei und dazu heißgekochten Colacao… 



Nach gut zwei Stunden Wanderung hat dann der erste meiner Ausrüstungsgegenstände seinen Geist aufgegeben, mein Schlafsackbeutel, fein säuberlich an den Rucksack hinten hin gebunden, hat auf einmal gefehlt, 10 m zurück und da lag er dann, die Schnur war gerissen…
Naja neue Konstruktion und dann wird der auch noch die letzten 7, vielleicht sogar nur 6 Tage, aushalten. 
Was hab ich gerade gelesen: „Wie sich von hier oben alle Menschen gleichen, dann gibt es auf einmal keine Unterscheidung in die Armen und die Reichen!“ 
So ging’s mir heute auch, gigantische Aussichten aber ich musste die Berge erstmal erklimmen und dann später auch wieder runter. 
Da kann man sich nur an ein Motto halten: „Sie haben zwei Möglichkeiten den Tag zu verbringen, A: Sie können es durch Rumliegen auf dem Bett, oder…“ – „B, B, B!“ 
Das Bild des Tages erleuchtet nicht nur die Berge. 
#Glaubandichdennichtuesauch
Tag 21 (01.09.2018):
Nennen wir den Tag: Kampf gegen die Mücken oder vielleicht doch Kampf gegen den Alkohol. 
Ich bin heute Morgen Richtung Galicien, der letzten Provinz meiner Reise, aufgebrochen. 
Ja und neben der Sonne haben mich eben diese Mücken die ganze Zeit angegriffen…
Trotz Mückenspray, dass anscheinend nur gegen deutsche Mücken ausreichend Schutz bietet. 
Und dann hab ich Leda aus Italien getroffen, ein fairer Tausch, Italienerin gegen Mücken! 
Aber da gab (gibt) es ein Problem, Leda wollte mit mir in eine Bar um was zu essen und zu trinken. 

Die Kanne Sangria, die Karaffe Wein, das Bier, vielleicht zu viel für unsere italienischen Freunde, vielleicht. 
Naja Leda liegt nun im Bett, mehr oder weniger aus eigener Kraft und ich hab’s auch irgendwie geschafft, nach mehr als einem Monat Abstinenz ein durchaus hartes Unterfangen. 
Hab nicht gedacht, dass die Tour auf die letzten Tage hin noch so schwer wird. 
Als Bild des Tages gibt’s heute meine Mittagspause, denn das muss auch mal sein. 
#Glaubandichdennichtuesauch
Tag 22 (02.09.2018):
Ga, Ga, Gallicier! 
Ich bin in der letzten Provinz meines Trips angekommen, in Galicien. 
Der Tag begann schleppend auf Grund des gestrigen, ausgiebigen Alkoholkonsums. 


Aber wie hat Mama schon immer gesagt, wer saufen kann, kann auch laufen! Also war Abmarsch heute Morgen um 7 Uhr. 
Ich bin die ersten 10 Kilometer noch mit Leda von gestern gelaufen, dann haben sich unsere Wege getrennt und mein Tempo schlagartig verdoppelt. 
Ich muss sagen, mein Reiseführer hat mich schon vorgewarnt, dass die galicischen Dörfer sehr verarmt sind, dennoch bin ich schockiert, welche elendig zusammengeflickten Gebäude durchaus bewohnbar sind für manche Menschen. 
Gleichwohl hab ich heute die geilste Aussicht meiner ganzen Reise genossen…
Ich weiß, dass hab ich schonmal behauptet, aber heute war echt geil! 
Und heute war auch der Tag, da bin ich einfach mal 40 Kilometer gelaufen und dann hab ich mir gedacht, Santiago zu erreichen ist das große Ziel, aber ich kann mir ja noch ein kleines Ziel stecken, Finisterra, das inoffizielle Ende des Jakobswegs, nochmal knapp 90 Kilometer von Santiago entfernt…
Klar ist es unmöglich, das noch zu Fuß zu erreichen, dafür hab ich zu wenig Zeit. Aber wenn ich noch eine Tagestour reinlauf, könnt ich den freien Tag nutzen um mit dem Bus dorthin zu fahren. 
Ich glaub diese spanische Sonne hier tut mir nicht gut… Ich komm nurnoch auf verrückte Ideen. 
Als Bild des Tages gibt’s heute den Grenzstein der Provinz Galicien. 
#Glaubandichdennichtuesauch
Tag 23 (03.09.2018):
„Ok, that escalated quickly here“ 
Ich bin heute schon um 7 Uhr los, daher bin ich die erste halbe Stunde in Dunkelheit mit Handy-Taschenlampe umhergeirrt. 
Und in der nächstgrößeren Stadt, in Sarria, sind sie dann über mich hergefallen wie Tiere, es waren aber Menschen, wie du und ich… 
An einer Kreuzung hat sogar ein Polizeistreifenwagen die Straße gesperrt. 
In Massen in Bussen angekarrt, marschieren auf dem Abschnitt anscheinend mehrere 100 Menschen täglich um auch sagen zu können, ich war auf dem Jakobsweg unterwegs, unvorstellbar! 
Und in Portomarin haben sie heute 15 Minuten lang Böllerschüsse losgelassen. 
Ohne Feuerwerk, ohne irgendwelche Schönheit, ohne bunte Farben. 

Aber, auf meine Nachfrage bei der einheimischen Bevölkerung, wird so in Spanien gefeiert, bei uns werden in der Lautstärke Brücken oder andere Gebäude gesprengt, aber gut, jeder wie er will. 
Morgen komm ich in Porthos vorbei, mal schauen, ob da dann die tapferen Athos und Aramis auf mich warten, uns sich der tollkühne D’Artagnan anschließen möchte und wir gemeinsam gen Santiago stürmen.
Kardinal Richelieu wird mich jedenfalls nicht aufhalten! 
Das folgende Bild des Tages, hab ich in meinem aktuellen kleinen Dorf geschossen, vielleicht ein kleines, flauschiges Musketier. 
#Glaubandichdennichtuesauch
Tag 24 (04.09.2018):
Heute Morgen hat mir, beim Zusammenpacken, gleich mal noch meine Schlafsackhülle den Geist aufgegeben, daher wird dieser jetzt mit ner Plastiktüte hinterher geschleppt. 
Aber es waren nurnoch 80 Kilometer bis Santiago.
Dann um 10 Uhr kam es zum schier unmöglichen, dieser Regen, der mir bislang völlig unbekannt war, holte mich ein… Und das den halben Tag lang. 
Und noch 65 Kilometer bis Santiago.
Ich hab dann einfach mein Ankommensmahl auf Mittags verschoben, Chickenburger mit Pommes. 

Und noch 60 Kilometer bis Santiago.
Heute Abend hab ich dann nurnoch meine Herberge gesucht, eine Stunde lang
, und zack nurnoch 37 Kilometer bis Santiago.
So Gott will, werd ich morgen also dem Stern am Himmel folgen und sehen, was dort in Santiago geschehen. 
Die Frage ist nurnoch, bring ich Gold, Weihrauch oder Myrrhe mit? 
Als Bild des Tages gibt’s heute das kreative, aber wohl eher unkreativ fotografierte Ortswappen von Palas de Rei. 
#Glaubandichdennichtuesauch
Tag 25 (05.09.2018):
„I’ve paid my dues
Time after time
I’ve done my sentence
But committed no crime
And bad mistakes
I’ve made a few
I’ve had my share of sand kicked in my face
But I’ve come through
We are the champions, my friends…“ 
Nach 25 Tagen, knapp 800 Kilometern und mehr als 1,2 Millionen Schritten steh ich nun hier in Santiago de Compostela! 
Das erste Bild ist das Siegerbild, es ist jedoch keinesfalls das Bild des Tages. 
Mein erster Dank geht natürlich an meinen Körper und meine Ausrüstung, dass die das umgesetzt haben, was sich mein Kopf vorgestellt hat! 
Der zweite Dank geht aber an euch da draußen, alle die an mich gedacht haben, mir nette Nachrichten über alle möglichen Wege haben zukommen lassen oder einfach Tag für Tag meinen Blog verfolgt haben und so in meinen Gedanken mitgelaufen sind. 
Genau deshalb ist das eigentliche Bild des Tages, das zweite! Ich ziehe hochachtungsvoll meinen Hut vor euch, auch wenn darunter zerzauste Haare zum Vorschein kommen, es muss nicht immer alles perfekt sein im Leben. 
Ich schließe den Blog mit einem Zitat von Nelson Mandela: „It always seems impossible until it’s done!“
#Glaubandichdennichtuesauch