Vom nördlichsten zum südlichsten Punkt Deutschlands 2024
Anreise (13.07.2024):
„Da steh ich nun ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor.“
Seit 2022 ist es ruhiger geworden, sowohl auf dieser Seite, wie aber auch im Wander- und Challenge-Business. Also zumindest in meinem. 😅 Im Jahr 2022 bin ich noch wie wild von See zu See gereist um diese zu Fuß zu umrunden, von A wie Ammersee, über B wie Bodensee bis hin zu Z wie Zellsee. Nachdem ich dann noch vom Isarursprung in einem Stück nach Hause gelaufen bin, war die Nord-Süd-Challenge gedanklich eigentlich auch nur noch Formsache. Nach Sylt gereist, 7 Tage bis kurz vor Hamburg unterwegs gewesen und dann schon wieder unter Schmerzen abgebrochen. Alles verkackt?!? 💩 Für’s erste schon!
2023 ging lediglich die Weihnachtsaktion auf dieser Homepage in ihre vierte Runde. 🎄🎅🤶 Es wurde die Geschichte eines Mannes erzählt und wie verrückt gerätselt.
2024 wird’s Zeit wieder eine eigene Geschichte zu erzählen. Die Geschichte von einem Traum der noch nicht ausgeträumt ist und daher steh ich wohl nun wieder hier in Sylt mit einem großen Rucksack und bin doch so klug wie vor zwei Jahren. 🤷♂️
Was ich weiß: 1 Monat, 4 Wochen, 28 Tage, 1.050 bis 1.100 Kilometer, 1 Rucksack, 14 Kilo Gepäck. A Marathon a day keeps the doctor away. 😉 Oder ums in meinem schwäbischen Heimatdialekt zu sagen: Laufa, laufa, laufa, bloß ned standa bleiba! 🚶♂️🎒
Was ich nicht weiß: Wieso treffen sich zum Teufel nochmal gerade hier in Sylt die Reichen und Schönen? Wo sind diese Jugendlichen, die anscheinend zu viel Geld und zu wenig Gehirnzellen haben (München ist ein schöner Ort, da muss man sich benehmen, drum fahren wir nach Sylt und benehmen uns daneben! 🎵🎶)? Wieso reißt meine Zeltpaket-Halterung heute schon bei der Anreise?!? 🤯
Die letzte Frage die sich für heute noch stellt: Unter welchem Motto läuft die diesjährige Challenge vom nördlichsten zum südlichsten Punkt Deutschlands, also von Sylt bis ans Haldenwanger Eck in Oberstdorf? 🤔
Alles begann mit dem Jakobsweg 2018 und dem Leitspruch „Glaub an dich denn ich tu es auch“. 2021 bin ich mit einem inbrünstigen „Hoojeah“ vom westlichsten zum östlichsten Punkt Deutschlands gestürmt und 2022 unter dem Motto „Never ever give up“ kurz aber knackig um den Bodensee gelaufen. Beim ersten Versuch der jetzige Nord-Süd-Tour hatte ich schon leichte Bedenken, dass es vielleicht nicht klappt, „What if – Was wenn ich’s doch schaff“ wurde dann wohl eher zu einem „What the f***“ ich bin noch soweit davon entfernt. 🙈
Dieses Jahr bin ich sicherlich weit weg von einem austrainierten und physisch perfekten Zustand, daher muss der Fokus noch mehr auf der Disziplin, den fortwährenden positiven Gedanken und einem unbändigen Willen liegen. Die nächsten vier Wochen werden wohl eine Frage der Leidenschaft.
P. S.: Wenn ihr enttäuscht über die Grafik, die Formatierung und die fehlenden Eye-Catcher seid, dann liegt das am low-budget-, low-cost- und low-time-Ansatz. Das Leben reduziert sich in den nächsten vier Wochen also in der Hinsicht auch für euch auf ein absolutes Minimum ohne überflüssigen Schnick-Schnack. 😜
#EineFragederLeidenschaft
Tag 1 (14.07.2024):
Am ersten Tag hat sich im Vergleich zu vor zwei Jahren überhaupt nichts geändert. Wirklich nichts? Ok, ok die ein oder anderen Sachen sind mir da schon aufgefallen. Und nein, es lag nicht am Alkohol, am Sonntag trink ich nämlich für gewöhnlich nichts vor 15 Uhr. 😜
Zumindest der Start war der Gleiche wie vor zwei Jahren, wieder bei den fröhlichsten und bestgelauntesten Gastgebern, die man sich wünschen kann. Kein Wunder, dass dort im Frühstücksraum der Slogan „Wer den Tag mit einem Lächeln beginnt, hat ihn bereits gewonnen.“ an der Wand prangt. Danach ging’s 18 Kilometer hoch an den Strand nach List, der nördlichsten Gemeinde Deutschlands und was seh ich da?!? Äh, was seh ich da nicht? 🤯 Das Schild vom nördlichsten Punkt Deutschlands. 🙈 Nach kurzer Suche hab ich’s dann gefunden und ich war mir ganz sicher, dass das vor zwei Jahren noch wo anders stand. 😇 Die Bilder lügen nicht! Liebe Gemeinde List, damit hättet ihr wohl nicht gerechnet, dass ich euch auf die Schliche komme, aber meine Spürnase hat mich nicht getäuscht. 🐽 😉
Danach ging’s wieder 26 Kilometer runter zum Bahnhof Morsum, bei dem muss man zwangsläufig einsteigen um über den Hindenburgdamm ans Festland zu kommen. Wandern auf dem Damm ist strengstens verboten und von Verbotenem wurde auf dieser Seite ja wahrlich noch nie berichtet. 🤭 Mit dem Zug bin ich dann in Klanxbüll rausgekommen und hab da auch meine nächste Unterkunft bezogen. Nüchtern, sachlich, emotionslos war damit der erste Tag erledigt und ein erster Marathon „in the box“ wie der neudeutsche Schwabe zu sagen pflegt.
Über was wir hier oben aber noch sprechen müssen, dass ist das Wetter. 🤯 Regen 🌧, Wind 🌪 und Kälte 🥶. Für einen Februar-März, oder einen Oktober-November ein typisches Wetter. Aber soweit ich mich erinnern kann, hab ich die vier Wochen Urlaub extra auf Juli-August gelegt, damit gutes Wetter herrscht und man nicht so viele Klamotten mitnehmen muss. 🤦♂️ Aber naja, dann läuft man halt im Juli bis auf die Unterhose durchnässt bei gefühlt 10 Grad über Sylt. 🙈 Morgen soll es trocken bleiben, zwar stürmisch und nicht warm, aber trocken. Dass es je mal was unseriöseres als Vorwerk-Verkäufer gibt, hätte ich mir auch nicht träumen lassen, aber der Sommer macht es mir echt nicht leicht, ihm zu vertrauen. 😕
Mit einem Extrempunkt Deutschlands im Gepäck und der Leidenschaft für die Challenge im Kopf wird heute Abend mal ganz entspannt das EM-Finale geschaut. ⚽️
#EineFragederLeidenschaft
Tag 2 (15.07.2024):
Viva Espana! 🥳 Soooo meine lieben Freunde, die Leidenschaft ist weiterhin ungebrochen. 💪 Und deshalb habe ich heute gleich den nächsten Extrempunkt Deutschlands aufgesucht und bin am Historischen Grenzpfad zwischen Dänemark und Deutschland fündig geworden. 🥳 Nachdem ich in Sylt ja bereits erst in den Norden zum nördlichsten Punkt Deutschlands und dann wieder in den Süden gelaufen bin, hab ich das gleiche Spiel heute nochmal wiederholt. 😉 Der ein oder andere von euch sagt sich natürlich berechtigterweise: „Kein Wunder, dass er jeden Tag 40 Kilometer laufen muss, wenn er jede zweite Strecke doppelt läuft!?!“ 😅 Berechtigter Einwand, aber leider haben sie halt an die Extrempunkte noch keine Unterkünfte gebaut und irgendwo muss ich ja auch irgendwann mal schlafen. 😴
Am Historischen Grenzpfad in der Gemeinde Rodenäs liegt der nördlichste Punkt des deutschen Festlands, deswegen bin ich da heute nochmal neun Kilometer hoch. Ab jetzt geht’s nur noch in den Süden, versprochen. 😇
Heute übernachte ich in Dagebüll, einem kleinen Küstenörtchen an der Nordsee. 😊 Wohl eher unbekannt, außer ihr seid kleine Föhr- und Amrum-Liebhaber, dann könntet ihr hier schonmal vorbei gekommen sein. 😉 Von hier aus starten nämlich entsprechende Überfahrten zu den beiden nordfriesischen Inseln. 🏝
#EineFragederLeidenschaft
Tag 3 (16.07.2024):
Der dritte Tag startete anders als die beiden vorherigen. Was, etwa ohne Regen? 🌧 Nein nein, das wäre töricht, sowas auch nur ansatzweise zu denken. 😅 Natürlich hat es auch heute den ganzen Vormittag durchgeregnet. 😤 In Kombination mit ordentlich Wind ist das wahrscheinlich die „steife Brise“ von der die Norddeutschen für gewöhnlich sprechen? 🤔
Heute Morgen gab’s kein Frühstück, da ich nur in einem Zimmer in einem Gästehaus Unterschlupf gefunden hab. Aber das Gute ist, dass ich nach fünf Kilometern schon am Örtchen „Blocksberg“ vorbei komme und ich bin mir sicher, dass „Bibi“ mir was Leckeres zaubert. 😇 Ehrlich gesagt würde es mir sogar reichen, wenn sie einfach nur diese verdammten Regenwolken verhext. Wenn das nicht klappt werd ich mir wohl ihr Pferd „Sabrina“ ausleihen und so dem Regen davonreiten. 🏇 Ich sollte wohl das Träumen aufhören, denn außer dem einen unumgänglichen Zug von Sylt ans Festland sind keine Hilfsmittel erlaubt! 👆
Mein Zielort für heute ist Husum. Dort hab ich mich neben Essen, Trinken und Schlafen noch dem Viertwichtigsten (eigentlich dem Wichtigsten!) auf meiner Reise gewidmet, Blasenpflastern! 🩹 Ich hab zwar noch ein paar, aber haben ist besser als brauchen. 😉 Die jüngere Dame in der Apotheke war so süß, sie hat mich gefragt, warum ich denn eine große Packung brauche? Da wären mir vor Schreck fast die aufgequollenen Blasen an den Fersen geplatzt. 😂 Sie hat dann erfragt, ob es an neuen Schuhe liegt, denn man soll die ja immer gut einlaufen und Vorbeugung ist immer besser als nachträgliche Behandlung (agieren ist besser als reagieren). Auch auf diesem Weg möchte ich nochmal von ganzem Herzen für diese gewinnbringenden Tipps danken. 🙏 Sie kommen direkt nach: „40 Kilometer am Tag sind halt eigentlich auch zu viel, da würd ich ihnen empfehlen n bisschen weniger zu laufen.“ oder „Vielleicht sollten sie mal ein, zwei Tage Pause machen, damit sich die Füße wieder ein wenig erholen können.“ 🤦♂️
Mir ist noch aufgefallen, dass ich dieses Mal deutlich weniger Bilder mache. Bei dem düsteren, regnerischen Wetter gibt es aber aktuell auch wenig Schönes zu fotografieren. 🫣 Wenigstens von meiner heutigen Unterkunft, dem Husumer Schloss, hab ich ein Foto gemacht. 📸😜
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Tag 4 (17.07.2024):
Gestern Abend war ich noch in einem Schnitzelhaus beim Abendessen. 🥩 Nicht weil ich jetzt besonders Lust auf Schnitzel hatte, meine Prioritäten sind eher: Nah an der Unterkunft und nicht zu gehoben, damit ich mit Sporthose und Flip Flops nicht auffalle. 😅 Aber das gestrige Lokal hat aus einem ganz anderen Grund meine Aufmerksamkeit geweckt. Es hieß Restaurant „Einstein“. Und nachdem Albert Einstein 1879 im wunderschönen Ulm, also quasi meiner Heimatregion, geboren wurde löste der Restaurantbesuch wenigstens ein bisschen Heimatgefühle aus. 🤩
Danach ging’s wieder in einen neuerlichen Kampf mit Wind und Wetter, vorbei an der schönen Gemeinde „Witzwort“. 🤭 Ob die überhaupt so schön ist weiß ich gar nicht 🤷♂️, ich bin ja nur dran vorbei und nicht durchgelaufen. 😉 Sämtliche Wortwitze überlass ich aber euch und leite sie selbstverständlich gewissenhaft an die Einwohner weiter. 😇 Und nein, ich glaube auch Witzighausen ist NICHT Partnergemeinde. 😉
Neben all den ganzen Witzen müssen wir auch mal ein ernsteres Thema ansprechen. Das Wetter! ✅️🌧⛈️✅️ 🚫☀️🚫 Ich hab schon mitbekommen, dass ihr im Süden Sonnenschein und 25 – 30 Grad habt. In meinen letzten vier Tagen gab es zweimal starken stürmischen Regen und zweimal sehr unbeständiges Wetter zwischen Regen zu trocken und wieder zurück… Temperaturen um die 15 Grad, im Wind und Regen gefühlt eher 10 Grad, weswegen man Sonnencreme und Sonnenbrille gerne gegen Handschuhe und Mütze tauschen würde. 😅 Und das alles nicht im März oder Oktober sondern Mitte Juli. 🙈 Unabhängig von verschiedenen Klimaschutzmaßnahmen und deren Ausgestaltung sitzen da draußen ja immer noch Leute, die sagen, den Klimawandel gibt es gar nicht, alles nur Fake News, von „denen da oben“, die dem kleinen Mann hier unten seinen vom Munde abgesparten SUV madig reden möchten. 😱 Nach dem Motto: „Was ich nicht seh gibt es nicht“. So hab ich im Kindergarten auch meine Probleme gelöst. Ich weiß nur nicht, ob die Leute immer noch denken sie sitzen im Sandkasten und können so die Probleme lösen. Was ich aber weiß, dass diejenigen sich immer ins rechte Eck des Sandkastens setzen würden, denn auf der anderen Seite ist ja schon alles „links-grün-versifft“. 🤦♂️ Fragen über Fragen, denen ich mich vielleicht in den nächsten Tagen und Wochen in einer ruhigen Minute widmen werde. 😅
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Tag 5 (18.07.2024):
Heute Nacht war ich tatsächlich in der gleichen Unterkunft wie vor zwei Jahren, ob das allerdings ein gutes Omen ist? 🤔 Damals war kurze Zeit später Schluss. 😬 Eigentlich wollte ich in einem zwei Kilometer südlicheren Hotel der gleichen Kette unterkommen, aufgrund eines „Upgrades“ wurde ich aber in dieses verfrachtet. Heißt für gestern weniger Kilometer, aber für heute 50 statt 48 Kilometer! 🥵 „Danke“ für das Upgrade. 😜 Da bleibt wohl nichts anderes übrig, als um 05:45 Uhr raus und um 06:30 Uhr Wanderschuhe schnüren und ab auf die Piste! 💪 Wobei, drei Sachen sind vor dem Abmarsch unabdingbar, ja ich würde fast schon sagen überlebensnotwendig, also zumindest ein bisschen! 😉 Füße / Blasen abkleben, wund geriebene Stellen mit Bepanthen-Wundsalbe eincremen und Sonnencreme auftragen. Meinen ersten Sonnenbrand hab ich trotz norddeutschem „Schietwedder“ schon hinter mir. 🤦♂️
Zu Beginn der heutigen Tour bin ich beim Schusterjungen in Heide vorbeigekommen. Ich hab ihn beauftragt mir meine Schuhe neu zu besohlen, damit ich nun doppelt so schnell unterwegs bin. 🚀
Danach gings Richtung Nord-Ostsee-Kanal, die ein oder anderen Tanker beobachten. ⛴️ Bei schönem Wetter ist so ein Uferweg echt super entspannt. Und heute hatte es endlich mal schönes Wetter. ☀️ Nur ein Problem hat sich rausgestellt und das sind Hunde. 🐕 Insbesondere Abseits von Straßen werden die oftmals ohne Leine geführt. Was mich an sich nicht stört, nur die Hunde stören sich anscheinend manchmal an meinem Anblick. 😱 Ich weiß nicht, ob’s an mir liegt oder an dem großen Rucksack oder doch an beidem, aber wirklich vertrauenswürdig schein ich nicht rüberzukommen, also zumindest nicht für Hunde. 😅
Zum Abschluss des heutigen Tages und somit etwa bei Kilometer 45 konnt ich dann nochmal ein Zwischenziel abschließen. 🥳 Ich bin am tiefsten Punkt Deutschlands nordwestlich von Wilster vorbeigekommen. 😊 Somit hab ich sechs der sieben Extrempunkte Deutschlands erreicht. Vor vielen Jahren schon den höchsten Punkt auf der Zugspitze mit meinem Bruder erklommen ⛰️, vor drei Jahren den westlichsten Punkt am Haus Groevenkamp und den östlichsten in der Neißeaue erreicht und bei dieser Tour noch den nördlichsten Punkt am Lister Ellenbogen auf Sylt, den nördlichsten Punkt des Festlands am Historischen Grenzpfad an der Grenze zu Dänemark und den tiefsten Punkt nordwestlich von Wilster. Es fehlt also einzig und allein noch der südlichste Punkt am Haldenwanger Eck. 😇 Der kann sich aber schonmal warm anziehen, denn ich komm mit großen Schritten näher! 💪
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Tag 6 (19.07.2024):
Gestern bin ich nach dem Besuch der tiefsten Landstelle Deutschlands noch nach Wilster gegangen und habe dort mein Hotel bezogen, wobei die Bezeichnung „Hotel“ eine Frechheit gegenüber allen anderen Hotels ist. Mein „Hotel“ kann wohl eher als sich selbst überlassenes „Etwas“ bezeichnet werden. Für mich lag’s pragmatisch auf der Route, weswegen mir alles andere egal war, aber eine 2,6 Sterne-Bewertung für ein Hotel / Restaurant hab ich wahrscheinlich noch nie gesehen und die war schon hochgegriffen. 😅 Versteht mich nicht falsch, für mich waren die Lage und Verfügbarkeit die einzigen Kriterien und die wurden erfüllt. Aber jeder der eine Dienstleistung „Hotel“ in Anspruch nimmt, geht ja mit gewissen Erwartungen da rein. 😉 Das Hotel war aber wohl eher ein Wohnprojekt von Einzelpersonen, die das Gebäude übernommen haben und es sich alles mehr oder weniger selbst verwaltet. 😂 Gemäß den Worten an den Wänden gab es dort früher mal ein Restaurant. Geschirr ist noch vorhanden und liegt einfach nur noch in der einsehbaren Küche umher. Jeder bedient sich daran, wenn er Besteck braucht. Im Essensraum / Frühstücksraum lagen unsortiert Stapel an Briefen / Rechnungen. ✉️🧾 Ich habe online ein Einzelzimmer gebucht, für das mir einfach irgend ein Schlüssel vom Schlüsselbrett zu einem freien Zimmer mitgegeben wurde. 🔑 Hinter der Rezeption waren so viele Personen verschiedenen Alters und niemand hatte wirklich Ahnung. 😂 „G’schichtn aus’m Paulanergarten“ eben. 🤷♂️
Dabei stand heute eigentlich etwas ganz anderes im Mittelpunkt. 😇 Etwas, das fast jeder hat, jeder anders definiert und bei fast jedem funkelnde Augen und Freude auslöst. 🤩 Nämlich Heimat. 🏠 Dabei bin ich doch noch ganz weit weg von zuhause?! 😱 Wenn das so ist, dann muss zuhause einfach hier hoch kommen. Nach dem interessanten Start in interessanten Beherbergungsörtlichkeiten sollte es heute bis nach Tornesch, einem Vorort von Hamburg, gehen. Vor zwei Jahren bin ich hier ausgestiegen, mit der S-Bahn an den Hamburger Hauptbahnhof gefahren und von dort aus nach Hause. 😕 Dieses Mal fühl ich mich stark 💪 und freue mich darauf, dass die Heimat in Form meines Bruders gerade sowieso in Hamburg unterwegs ist und daher zu mir kommt. 🤗🥳 Er ist nachmittags für die letzten rund 15 Kilometer dazugestoßen und hat mich quasi im „Himmel“ empfangen. 🌠🚏 Wohl dem, der solche wunderbaren Menschen um sich hat, die einen mal für ein paar Stunden ablenken. 😇 Nach dem Abschiedsselfie geht wieder jeder seinen eigenen Weg und für mich führt dieser morgen nach Hamburg! 🥳
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Tag 7 (20.07.2024):
Liebe Freundinnen und Freunde, heute ist es endlich soweit. Ein Moment auf den ich mich vor zwei Jahren schon sooooo sehr gefreut hatte, der aber dann einfach nicht eingetreten ist. 😕 Dafür konnte heute all die Freude, die sich seither angestaut hat endlich raus. 🥳 Von Tornesch gings heute über Pinneberg in die Freie und Hansestadt Hamburg! Auf den Ohren natürlich standesgemäß „Hamburg, meine Perle“ und dann nichts wie zum Hamburger Fischmarkt in Altona um ein leckeres Fischbrötchen abzustauben. Ganz ehrlich und unter uns, als Schwabe würde ich natürlich lieber einen ganzen LKW (Leberkäswecka) 😜 bevorzugen, aber ich bin ja hier um mich auch kulinarisch quer durch Deutschland anzupassen und zu verändern. Nur all der nackten Theorie folgt blanke Enttäuschung, denn der Fischmarkt hat bereits um 09:30 Uhr wieder seine Pforten geschlossen und ich steh hier nunmal erst um 14:00 Uhr. 🙈 Kann ich nur hoffen, dass über die Landungsbrücken in St. Pauli bald eine neue Lebensmittellieferung eintrifft. 😉 Vorbei an den Landungsbrücken geht es nun wahrlich zum Highlight in Hamburg, der Elbphilharmonie. Der Anblick des Gebäudes ist wie eine Symphonie für die Augen, da will ich gar nicht wissen wie schön die Akustik drinnen sein muss. 🎵🎶 Oder um es mit der Beschreibung des Intendanten zu sagen: „Die Elbphilharmonie ist das schönste Schiff, das nie in See stechen wird.“ 🤩
Nachdem ich nun bei diesem wunderbaren Sommerwetter schon so viel gutes für meine Augen getan hab, wird es nun allerhöchste Zeit etwas für den Magen zu tun. Auf gut deutsch: „Ich hab HUNGER!“ 🤤 Außerdem brauch ich noch Postkarten zum verschicken und das Allerwichtigste: Einen Magneten als Erinnerung für die Kühlschranktüre. Wo findet man all diese Sachen auf einmal und hat im Anschluss auch noch ein „Dinner with a view“? Natürlich auf dem Rathausplatz. 😉 Und außerdem kann man im Zuge dessen gleich noch für eine gute, ja ich würde fast schon sagen wunderbare Sache werben. Eine Sache die wir manchmal als lästig empfinden, für die aber so viele Menschen auf dieser Welt alles geben würden, wenn sie einmal nur, ein einziges Mal nur an so etwas teilnehmen dürften und damit eine Stimme hätten. Nämlich Wahlen! Im Jahr 2025 findet sowohl die Bundestags- wie auch die Hamburger Bürgerschaftswahl statt. Und mit solch wunderbaren Gedanken im Hinterkopf schmeckt doch auch das belegte Sandwich mit Pommes aus dem Kiosk gleich ein bisschen besser. 🤩
Danach geht’s in großen Schritten zur heutigen Unterkunft am südlichen Stadtrand und für euch gibt’s zum Abschluss noch ein bisschen was fürs Fernweh, nämlich Bilder aus Hamburg. 😍
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Tag 8 (21.07.2024):
Nach den gestrigen Glücksgefühlen in Hamburg geht’s heute bereits weiter. Oberstdorf erreicht sich ja schließlich nicht durch Sightseeing und Pausemachen. 😉 Aber erstmal wird gefrühstückt, denn: Ohne Mampf kein Kampf! 🤤 Je nachdem, ob die Unterkunft ein Frühstück anbietet und wenn ja, ab wann, ist das für mich der erste Tagesordnungspunkt. Also nach sämtlichen ärztlichen Versorgungen und Prophylaxemaßnahmen versteht sich. 😂 5:30 Uhr aufstehen, 7:00 Uhr Frühstück, naja oder wenn man halt ein pedantischer Deutscher ist, dann steht man auch schon um 6:50 Uhr da und erntet böse Blicke 🤷♂️, 7:45 Uhr Abmarsch. Einfacher, disziplinierter Zeitplan ist das Gebot der Stunde.
Heute warten einige Veränderungen auf mich, geografisch bin ich gestern in das zweitkleinste Bundesland eingereist und heute hab ich es schon wieder in Richtung des zweitgrößten verlassen, landschaftlich geht’s nun von der zweitgrößten Stadt Deutschlands in Richtung Lüneburger Heide, baulich geht’s von Großstadt-Bauten hin zu ländlichen Höfen, gesellschaftlich geht’s von Menschenmassen zu einer teilweise stundenlangen Stille ohne Menschen. Wunderbarer Kontrast zum Innenstadt-Trubel in Hamburg. 🤩 Bevor die ländliche Umgebung aber Einzug hält, muss noch einmal die Elbe überquert werden und das untenstehende Bild zeigt, dass sich wenigstens eines nicht geändert hat: Das gute Wetter! ☀️
Ich hoffe nur, dass die Menschenmassen durch „Schnuckenmassen“ ersetzt werden. Heidschnucken sind die vorherrschende Tierart der Lüneburger Heide und die sind einfach soooooo süß. 😍 Außerdem bin ich hier immer mal wieder ganz zufällig auf dem sogenannten Heidschnuckenweg unterwegs, der 223 Kilometer lang von Hamburg bis nach Celle führt. Das wird doch alles wohl ein gutes Omen für einen erfolgreichen Tag sein. 💪
Der Nachmittag ist geprägt von gefühlt unendlich großen und nicht enden wollenden Feldern mit Gemüse, Kartoffeln und Zuckerrüben. Nur ein Fuchs ist mir heute nicht über den Weg gelaufen, entweder der ist gerade noch beschäftigt die Gans zu stehlen, oder der muss sich um sein Hotel kümmern, damit ich hier heute eine geruhsame Nacht habe und morgen wieder zu neuen Taten schreiten kann. 😜
#EineFragederLeidenschaft
Tag 9 (22.07.2024):
Mehr als eine Woche, also auch mehr als ein Viertel ist inzwischen schon geschafft und an sich läuft’s echt richtig gut! 🤩 Nach der ersten Woche haben sich meine Bein- und Rückenmuskulatur inzwischen ziemlich gut an die Kombination aus Marathon und 14 kg-Rucksack gewöhnt und die Striemen an den Schultern und am Hüftgurt sind inzwischen abgeheilt. Außerdem sind die ersten Blasen die sich zwangsläufig durch das nasskalte Wetter im Norden gebildet haben wieder aufgeplatzt oder ganz verheilt. 💪 Auch das unbeständige, regnerische und windige Wetter hat sich mehr und mehr stabilisiert und macht der Jahreszeit „Sommer“ nun endlich wieder alle Ehre. 😇 Heute soll’s auf jeden Fall trocken und sonnig bleiben, das heißt ich sollte so langsam mal wieder Sonnencreme nachkaufen. Die Sonnencreme meines Bruders, die er mir dankenswerterweise mitgebracht hat, ist nämlich leeeeeer! 😕
Der ein oder andere Leser, aber natürlich auch die ein oder andere Leserin, fragt sich bestimmt gerade: „Was für eine nüchterne, vielleicht gar langweilige und ungeschönte Beschreibung?!?“ und denkt sich dabei: „Ich will aufregende Geschichten, fesselnde Erlebnisse und wunderschön gezeichnete Bilder!“ So kennen wir es ja aus alltäglichen WhatsApp-Storys oder aus den unzähligen Instagram-Posts. Dort zählen vor allem kurze aufregende und schön anzusehende Beiträge. 📸 Warum auch die andere Seite preisgeben, die macht ja gar keinen Spaß. 😉 Aber wie ich es bislang bei all meinen Challenges und Blogs gehandhabt habe, soll auch diese Reise im Zeichen einer authentischen, ungeschönten und vor allem ehrlichen Erzählweise stehen. Wie bereits zu Beginn dargestellt, reduziert sich das Leben in diesen vier Wochen nicht nur für mich, sondern auch für jeden Leser auf ein absolutes Minimum ohne überflüssigen Schnick-Schnack. 🤷♂️ Denn sind wir mal ganz ehrlich, ich könnte hier getrost erzählen, dass alles richtig supi ist, ich durch das Wandern in den wunderbaren Weiten zur großen Erleuchtung gekommen und nun ein ganz neuer Mensch bin. Außerdem bin ich so toll und stark, dass ich jeden Morgen gut gelaunt aufsteh, alle menschlichen Bedürfnisse und Sorgen wie weggeweht sind, Milch und Honig in Bächen fließt und aus Felsen der Wein quillt. 😂 Spätestens, wenn ich mich dann abends im Spiegel anschau muss ich aber ganz ehrlich und objektiv zugeben: „Vergnügungssteuerpflichtig ist vor allem der Moment wenn es geschafft ist.“ 😉
Um daher noch ein wenig auf elementare „Herausforderungen“ einzugehen: Sonntage! 🙈 Sonntags haben Bäckereien meistens nur bis Mittag geöffnet, Supermärkte und Apotheken ganz geschlossen und teilweise auch Tankstellen und Kioske nicht oder nur verkürzt geöffnet. Da heißt es also mit ausreichend Blasenpflaster und Sonnencreme gewappnet zu sein, denn 11 Stunden mit einer offenen Blase oder bei prallem Sonnenschein ohne Sonnencreme ist eher so semi-cool. 😅 Die fehlende Versorgung mit Getränken hab ich oftmals mit Friedhöfen ausgeglichen. So makaber wie es jetzt klingt, aber ich war in meinem Leben noch nie so oft auf Friedhöfen wie bei den Wanderungen durch Deutschland. 🫣
Zu meinem heutigen Zielort nördlich von Bad Fallingbostel bin ich unter anderem beim Heide-Park in Soltau vorbeigekommen, da hätt ich schon gern noch einen kleinen Zwischenstopp eingelegt, aber: „Koi Zeit, wandra!“ 😂 Außerdem bin ich an einer Abzweigung mit zwei verschiedenen Ortsschildern für ein und den selben Weg vorbeigekommen. Die spinnen doch, die Römer äh Ahlftener und Wolterdinger. 🤭 Und ganz Deutschland hat die Bauernproteste hinter sich gelassen, ganz Deutschland? Nein! Ein von unbeugsamen Niedersachsen bevölkertes Dorf hört nicht auf, denen da oben Widerstand zu leisten. 😜
#EineFragederLeidenschaft
Tag 10 (23.07.2024):
Es gibt keine Worte und erst recht keine jugendfreien Worte die auch nur ansatzweise beschreiben könnten was heute passiert ist. 🤯😤🤯 Inzwischen sitz ich gerade einfach nur regungslos auf der Couch eines eher noblen Hotels und bin mental gar nicht mehr bereit zu fluchen, sondern versuch dankbar darüber zu sein, dass ich angekommen bin. 😇
Aber alles von vorne und ganz langsam! 😉 Erstmal muss ich vielleicht den Eindruck, der gestern vermittelt wurde, ein wenig gerade rücken. Trotz mancher Herausforderungen wie Sonntage, Blasen oder Wetter lief bis gestern alles sehr sehr gut! Und daher sind nicht nur die Momente des jeweiligen Ankommens am Abend wunderschön, sondern auch viele viele Eindrücke zwischendrin. 😍 Ich hab noch keine Probleme mit Knien und Rücken und konnte bislang quasi jede Tour genau so gehen, wie ich sie mir am Abend zuvor vorgestellt habe. Im Zeitplan bin ich auch noch und heute stehen etwa 40 Kilometer von der Metropole Dorfmark nach Lindwedel an. Unspektakulär wie eh und je. 😅 Das einzige, was ich zumindest im Hinterkopf behalten sollte, ist eine Gewitterwarnung ab 14 Uhr. ⛈️⛈️
Was mir aber allein schon an der Karte hätte auffallen müssen ist die Bezeichnung einer Straße: „Panzerringstraße“. Auf die bin ich nach etwa fünf Kilometern gelaufen und dachte eigentlich, dass ich sie erst wieder in 20 Kilometern verlassen werde. 🤷♂️ Außerdem stand da noch ein Schild mit der Aufschrift: „Privatstraße des Bundes – Betreten auf eigene Gefahr“. Alles soweit so gut, ich nehm die Gefahr auf mich und lauf hier Richtung Süden. Hab ich mir natürlich in meinem kleinen naiven Köpfchen so gedacht. 😂 Das Problem war der Sicherheitsdienst der Bundeswehr, denn ich bin hier zwischen den Truppenübungsplätzen Munster Nord und Munster Süd sowie einem der größten NATO-Übungsplätzen Europas in Bergen. Als mir das dann so langsam alles klar wurde und überall nur noch die unten dargestellten Schilder zu sehen waren lief es mir eiskalt den Rücken runter und hat düstere Erinnerungen geweckt. 🥶 Auf meiner Tour vom westlichsten zum östlichsten Punkt Deutschlands bin ich zwei Tage vor Schluss schon einmal an einem ehemaligen Militärgelände bei Röhrsdorf gestrandet, welches lediglich durch eine Straße erreicht und auch wieder verlassen werden kann, also ein „Enddorf“. Damals hab ich mir geschworen, dass mir sowas nie wieder passiert. 🫣
Und jetzt standen zwei Security-Mitarbeiter mit ihrem Jeep vor mir und haben mich entgeistert angeschaut, was zur Hölle ich hier zu Fuß auf der Panzerringstraße mache. 😂 Meine Einwände, dass nirgends stand, dass man die nicht betreten darf und sogar der Fahrradweg so ausgeschildert war hielten leider nicht Stand. Mit dem Fahrrad und mit dem Auto darf die Straße befahren werden, zu Fuß nicht. Sei viel zu gefährlich, falls da doch einmal im Jahr Panzer von A nach B fahren. 🤷♂️ Immerhin konnten sie mir folgende kompetente Antwort geben, wie ich denn dann ganz „legal“ zu Fuß Richtung Süden komme: „Ich kann Ihnen nur sagen, dass Sie hier runter müssen. Die Straße ist nur für Fahrradfahrer und Autofahrer erlaubt. Außerdem geben wir das hier über Funk auch unseren Kollegen weiter, wenn wir Sie hier noch einmal sehen, bekommen Sie eine Anzeige!“ 😅 Dann weiß ich ja jetzt Bescheid. 🙈 Die einzige Straße, die durch das Gebiet führt ist für mich gesperrt und links und rechts stehen Schilder mit der Aufschrift: „Militärischer Sicherheitsbereich, Lebensgefahr, Betreten verboten.“ Daher ergeben sich zwei Optionen, entweder ich bekomm hier ganz schnell ein Fahrrad oder Auto her, was aber gegen die Challenge-Regeln spricht, oder ich lauf zurück in den Norden zu meinem Ausgangspunkt und war die ersten zwei Stunden des Tages umsonst unterwegs. 😉 Ich würd sagen, das ist: „SPITZE!“ Was mich auch noch wundert, dass an dieser Panzerringstraße auch kleinere Ortschaften bzw. Siedlungen liegen, die ja gemäß der Schlussfolgerung des Sicherheitsdienstes nur und zwar ausschließlich mit Fahrrad und Auto erreicht werden können. Da muss jedes Kind hoffen, dass es schnell ein Fahrrad geschenkt bekommt, sonst kann man einfach sein Haus nicht mehr verlassen. 😂 Und liebe Bundeswehr, allein aufgrund meines familiären Hintergrunds find ich euch super, spitze, toll, aber bitte, bitte, bitte schreibt doch dann wenigstens auf die Schilder auch drauf, dass das Betreten für Fußgänger nicht auf eigene Gefahr, sondern verboten ist. Von ganzem Herzen: „DANKE!“ 🤩
Naja dann bin ich wohl erstmal wieder zurück in den Norden nach Bad Fallingbostel gelaufen, fluchend, schimpfend und mit unkontrollierbaren Hasstiraden auf Alles und Jeden. 🤷♂️ Aufgrund der verlorenen Zeit und des nahenden Gewitters dachte ich mir auch, dass Joggen jetzt das Einzige ist, was mir noch helfen kann. Getreu dem Motto: „Jetzt gewinn ich alles zurück!“ 🫣 1. Mit riesigem 14 kg-Rucksack und drangebundenem Zelt muss das für einen Außenstehenden super bescheuert aussehen. 2. Aufgrund des Gepäcks bewegt sich die rausgelaufene Zeit im Sekunden- maximal Minutenbereich. 3. Durch das hektische und unkontrollierte Laufen hab ich mir neue Blasen gelaufen. -> Frustrierte und irrationale Dinge kann ich! 😂 Naja nach weiteren Schildern mit „Lebensgefahr“ und „Militärischer Sicherheitsbereich“ und erneutem Vorschlag von Google-Maps, doch einfach über die Panzerringstraße zu laufen hab ich dann wenigstens den Weg Richtung Hodenhagen gefunden. Bekannt vor allem durch den Serengeti-Park, aber wahrscheinlich noch viel mehr dadurch, dass es auf jeder Liste der lustigsten deutschen Ortsnamen auftaucht. 😜 Direkt an den riesigen Außengehegen vorbei, quasi auf Tuchfühlung mit dem König des Dschungels, lief auf der anderen Seite des Zaunes ein gebrochener Wandersmann. Noch 20 Kilometer vor mir und nur noch eine Stunde bis zum Gewitter. ⛈️⛈️ Nachdem ich dann die Aller überquert hatte ist es über uns hereingebrochen. Starkregen, aber zum Glück kein Donner und kein Blitz. Meine Beine und Füße haben heute allein durch die unkontrollierten Jogging-Einheiten schon genug durchgemacht und dann auch noch Regen. 🌧 Jetzt hieß es also nochmal, die intensivsten und eindringlichsten Kraftausdrücke auszupacken um irgendwann gegen Abend diese gottverlassene Gegend und diesen verfluchten Tag zu beenden. Gerade in diesen Momenten bin ich froh, dass ich alleine unterwegs bin, denn der heutige Tag war geprägt von Hass und Gedanken die meinen grundlegendsten inneren Werten und Überzeugungen zutiefst widerstreben.
Und so sitz ich gerade einfach nur regungslos auf der Couch und bin dankbar, dass ich angekommen bin. 😇
#EineFragederLeidenschaft
Tag 11 (24.07.2024):
Heute Morgen hab ich direkt nach dem Aufstehen nochmal kurz den gestrigen Tag gedanklich Revue passieren lassen und mir einen Vorsatz gesetzt: „Weniger Hass, mehr Freude!“ Dann kam mir wieder in den Sinn, dass ich ja als friedlicher und jedem Auto ausweichender Wanderer auf der Panzerringstraße unterwegs war und die „böse“, „hasserfüllte“ Bundeswehr mich nicht haben wollte. 😜 Also wer hatte hier gestern zu viel Hass?!? 😅 HALT STOP!!! Genug dieser Gedanken! Es wird Zeit sich auf das grundsätzliche Motto dieser Seite und das Motto dieser Tour zurückzubesinnen. Mal wieder an sich selber glauben und die Freude und Leidenschaft für diese Wanderung wiederfinden. Schließlich mach ich das hier ja freiwillig und freu mich unbändig über jeden Tag, den ich schaffe. Abends den Rucksack abnehmen, Schuhe ausziehen, alle Strecken ohne Hilfsmittel und nur zu Fuß zu absolvieren. Und irgendwann, ja hoffentlich in 17 Tagen, steh ich dann am Haldenwanger Eck und bin der glücklichste Junge der Welt! 🌍 Hoojeah! 💪
Mit diesem Vorsatz ging’s nun ab ans Frühstücksbuffet und dann wird heute schon durch Hannover gestürmt. 🥳 Der Vorteil eines Hotelfrühstücks liegt auf der Hand, mit vollem Magen startet es sich leichter, jedoch bin ich dann auch eine halbe Stunde lang Blicken ausgesetzt, die mehr als tausend Worte sagen. Morgens ist’s nicht die Muskulatur die zwickt, sondern da sind es eher die Blasen die sehr unangenehm sind, wenn man nach zwölf Stunden Pause wieder frisch in die Schuhe schlüpft. Aber naja ich seh all diese Menschen vermutlich kein zweites Mal und ich will gar nicht wissen, wie oft es denn nicht auch im Alltag vorkommt, dass sich mein Gegenüber denkt: „Was für ein komischer Vogel.“ 🤷♂️
Die heutige Tour hat etwa 43 Kilometer, geht von Lindwedel bis südlich von Hannover und führt mich fast ausschließlich über einen Radweg „straight forward“ durch Hannover. Wenn nicht wider Erwarten plötzlich eine Straße gesperrt ist, oder eine Brücke einstürzt, dann besteht heut keine Gefahr für größere Umwege. Dementsprechend gut gelaunt hab ich, wie ihr unten seht, erst den Kühen einen „Guda Morga“ gewünscht und mir anschließend von der multikulturellen Frauengruppe ein paar Tipps zu meinem Outfit geholt. Leider hatte ich nach beiden Begegnungen mehr Ahnung von den Fressaktivitäten der Kühe als von Outfittipps. 😂 Am Nachmittag wars dann aber soweit: HANNOVER calling! Darauf erstmal eine meiner Lieblingssüßigkeit während der Tour: Eis. 🍨 Das kann man ziemlich unkompliziert während dem Laufen schlecken und schmeckt einfach immer gut. Gegen diese Eis-Sucht hilft nach der Tour wohl nur ein kalter Entzug! 🥶 Jetzt noch schnell ein Foto von dem Neuen Rathaus in Hannover, denn ohne Foto ist’s ja bekanntlich nicht passiert 😉 und dann nichts wie in die heutige Unterkunft. Diese hat sogar wieder ein angegliedertes Restaurant, was bedeutet, dass ich direkt in Flip-Flops und ohne auch nur einen Meter zu viel laufen zu müssen zum Essen gehen kann. 🤤 Im Restaurant werd ich von mehreren Leuten auf ganz herzliche und angenehme Weise angesprochen, da die Flip-Flops natürlich den Zustand meiner Füße unmissverständlich offenbaren. Ich bin zwar zehn bis zwölf Stunden am Tag quasi auf mich alleine gestellt, aber so viele Apothekerinnen und Apotheker, Bäckerinnen und Bäcker oder andere interessierte Leute kommen auf mich zu oder äußern sich in Form eines freundlichen Wortes oder netten Lächelns. Daher endet der heutige Blog-Eintrag gemäß meinem Vorsatz: „Weniger Hass, mehr Freude!“ mit ganz viel Liebe und Dankbarkeit für diese ganzen wunderbaren Menschen da draußen. ♥️
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Tag 12 (25.07.2024):
Nachdem ich gestern durch Hannover gekommen bin war’s das jetzt erstmal für die voraussichtlich nächsten acht Tage mit größeren Städten oder Spots die ich mir selber als Zwischenziel gesetzt habe. Der nördlichste Punkt Deutschlands auf Sylt, der nördlichste Punkt auf dem deutschen Festland an der dänischen Grenze, der tiefste Punkt Deutschlands nördlich von Wilster, Hamburg, Hannover und dann als nächstes kommt am besten an Tag 19 Würzburg. So zumindest der theoretische Plan der „Checkpoints“, die ich abhaken will. 😉 Als aufmerksamer Leser fragt man sich da natürlich schon, was denn dann die nächsten acht Tage so passiert. Pause? ⏸️ Füße hochlegen? 🦶 Einfach mal die Seele baumeln lassen? 💆♂️ Keine Termine und leicht einen sitzen? 🍻 Nein, nein, schließlich sind das oben ja nur die nackten Zahlen, Fakten und Daten. Darüber hinausgehend gibt es ja noch viel mehr: Gefühle, Menschen, Emotionen, Freude und vielleicht auch ein paar Berge. ⛰️😅 Heute war ich beispielsweise in den Ausläufern des Weserberglands unterwegs, was sich aber nur in den letzten ein bis zwei Stunden wirklich bemerkbar gemacht hat. Gerade dieses letzte Stück, der Duinger Wald, war jedoch nicht wegen den Höhenmetern „speziell“, sondern eher wegen der dort vorhandenen Stimmung. Ich würde ihn eher als Düsterwald beschreiben, denn der Wald 🌲🌳 hatte definitiv etwas Trauriges an sich. Dazu mal wieder ein Warnschild, dass irgendetwas von Lebensgefahr schreibt. Für die Tatsache, dass ich nur durch Deutschland wander, kommt mir das Wort „Lebensgefahr“ doch ein wenig zu häufig vor. 😂
Bis zum Duinger Wald ging es jeweils auf einem Radweg an der B3 und an der B240 stumpf und unspektakulär entlang. Kein Wunder, dass all die untenstehenden Bilder erst in der letzten Stunde entstanden sind. 😅 Gerade im Hinblick auf das „Elend“ an Tag 10, als aus 40 Kilometern plötzlich knapp 50 wurden, nehm ich solche Etappen auf Radwegen liebend gerne mit. 35 der heutigen 41 Kilometer musste ich einfach nur emotionslos abarbeiten und konnte mir nahezu sicher sein, dass es zu keinen größeren Komplikationen kommt. 💪 Am Rande des „Düsterwalds“ habe ich dann kurz Rast gemacht, all meinen Mut zusammengenommen und gebetet, dass mich keine Horde Orks oder wildgewordener Goblins 🧌 überfällt. Man hat dem Wald auf jeden Fall angesehen, dass er krank ist. Wo ist in diesen Momenten nur Gandalf oder wenigstens ein Schwert, das blau leuchtet, wenn sich Orks oder Bilwisse nähern? 🤔 Genug der Fantasy-Welt des Hobbits! Wobei meine Größe und meine Liebe zu langen Wanderungen ja eigentlich schon ganz gut zu den Hobbits passen würde. 😉 Ob allerdings meine Füße ähnlich behaart sind? 🤷♂️
Im Duinger Wald hab ich ganz passend noch ein paar „Gefährten“ getroffen, die jedoch mit diesem neumodischen, doppelseitig tretkurbelartig fortzubewegenden Stahlrahmen unterwegs waren. Ich glaube sie haben es Fahrrad genannt. 🚲 Ich bin ja der Meinung, dass solche Teufelsfuhrwerke bei den Menschen nur ein „Delirium furiosum“ hervorrufen und auch durch keinen Herrgott mehr zum Stehen gebracht werden können. 🤯😜 Dankenswerterweise haben sie von mir noch ein Bild gemacht. 📸 Aber keine Angst, so nah wie auf diesem Bild bin ich sonst kein einziges Mal einem Fahrrad gekommen. 😂 Was bei diesem Bild vermutlich deutlich mehr erschreckt, ist der dicke Bauch, den der kleine Wandersmann da vor sich herträgt. 😱 Definitiv kein Bild, welches in die schöne und ästhetische Welt von Social Media passt. Klar könnte man es noch mit „Ausreden“, wie: „Das liegt nur daran, weil der Hüftgurt so eng und straff zugezogen ist, damit der Rucksack stabil auf der Hüfte liegt“ probieren. Aber warum sollte ich mich denn selbst belügen, wenn jede Unterkunft im Bad einen Spiegel hat. 😉 Das Wichtigste in diesen Momenten, in denen der Fotograf sicherlich optisch das Bestmögliche rausgeholt hat, ist, dass man trotzdem lacht. Denn mit Tränen in den Augen sieht man auch nicht besser aus. 🤷♂️
Zu guter Letzt bin ich kurz vor meinem Ziel noch an Helmut’s Rastplatz vorbeigekommen. Wer auch immer Helmut war oder ist, für eine kleine Pause ist er anscheinend immer zu haben. Um auch die jüngere Generation anzusprechen: Diggah, was eine Aura, mies korrekte Aktion von dem Ehrenmann! 🙏
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Tag 13 (26.07.2024):
Neuer Tag, neues Glück! 😉 Wobei all die Zweifler, Pessimisten und Verschwörungstheoretiker da draußen wohl eher weniger Glück an einem Freitag, den 13. erwarten würden. 😂 „Dabei ist doch heute gar nicht Freitag der 13., sondern Freitag der 26.?!?“ Ok, ok, heute ist nur Freitag und Tag Nr. 13 und daher bin ich auch gefeit vor all dem schicksalshaften Unglück, dass sonst über mich hereinbrechen würde. 😇 Ein „Unglück“, dass für heute vorausgesagt war, ist dieser Regen. Nach den letzten beiden wunderbar sonnigen Tagen, sollte es heute mal wieder so weit sein. Wie man unten sieht hab ich deswegen meine bessere Hälfte, den Rucksack, und mich so gut es geht in wasserdichte Verpackungen gehüllt. 🌧 Beim Rucksack klappt das echt hervorragend und zum Glück ist bislang eigentlich noch nichts vom Inhalt nass geworden. Bei mir selber ist das eher so semi-erfolgreich. 😅 Ne Regenjacke ist ja schön und gut, aber Schuhe und Hände sind dann einfach nass. Und wer schonmal versucht hat mit nassen Händen sein Handy zu bedienen, dass auch sofort nass wird wenn man es rausholt, der wird meine Wut über eine zum Scheitern verurteilte Navigation verstehen. 🫣
Weitere Wahrheiten, die sich an Tag 13 offenbaren: Es ist schon das sechste Bild von mir (viiiiel zu viiiiel), ich führe in den Blogeinträgen Selbstgespräche (ich mag mich und mich selbst?!?), ich rede vom Rucksack als meine bessere Hälfte (einfach ein guter Freund von mir) und meine Selfie-Qualitäten, wenn sie denn jemals vorhanden waren, werden immer schlechter. 🤷♂️
Lassen wir das Thema und widmen uns lieber einer Sache, die ich kann seit ich ein kleines Kind bin, die ich liebend gerne mache und die absolut kein Talent erfordert, nämlich Essen! 😂 Gerade an solchen regnerischen Tagen ohne besondere Sehenswürdigkeit muss man an der Endorphin-Front schon auch mal ein bisschen nachhelfen. 😉 Grundsätzlich kommt mir bei solchen Touren sehr entgegen, dass ich zwar durchaus viel Ärger (Tag 10) oder auch Freude (Tag 6) gegenüber einzelnen Situationen oder Tagen empfinde, dies aber als „Auf und Ab“ ansehe und versuche niemals auf die Tour an sich zu replizieren. Blasen und Schmerzen kommen und gehen, Regen kommt und geht, aber auch schöne Aussichten, nette Gespräche und wunderbare Eindrücke kommen und gehen. Und das alles nicht nur innerhalb der voraussichtlich 28 Tage, sondern auch innerhalb eines jeden einzelnen Tags. Oder wer von euch da draußen hat schon während einer elfstündigen Tagesetappe durchgehend schlechte oder gute Laune. 🤷♂️ Das klingt jetzt nicht besonders emotions- oder gefühlsgetrieben, sorgt aber dafür, dass es in gewisser Weise irgendwann zu einem „daily-business“ oder zu einer Routine wird, die nicht von schlechtem Wetter oder Blasen getrieben wird, sondern von dem unbändigen Willen irgendwann in Oberstdorf zu stehen. 💪 Und wenn dann doch mal zusätzliche gute Laune notwendig ist, dann liefern süße Teilchen in jedweder Form aus der Bäckerei 🧁 oder Eis 🍨 super viel gute Laune. Irgendwie müssen die ganzen Kohlenhydrate ja nachgeführt werden, so red ich mir diese Zucker-Eskalation zumindest seit zwei Wochen schön. 😜
Ein Vorteil des Regens ist definitiv diese in saftigem grün blühende Landschaft. Auch wenn es hier so langsam deutlich bergiger wird, kann man diese Weite der niedersächsischen Natur noch in vollen Zügen genießen. Und für diese Mengen an Acker- und Wiesenflächen braucht man zweifelsohne Traktoren und Maschinen. 👨🌾🚜 Ein Glück, dass ich da in Moringen noch bei einem großen Landmaschinen-Händler vorbeigekommen bin. Wahrlich eine Freude für alle großen und kleinen oder einfach junggebliebenen Kinder. Da kommt dann doch wieder der kleine Junge vom Dorf in mir durch, der sich am liebsten direkt reinsetzen und alles ausprobieren würde. 🥳
In Hardegsen angekommen, ist mir aufgefallen, dass meine heutige Unterkunft eine ganze Wohnung ist und es zudem noch All-you-can-eat-Buffet gibt. 🤤 Ob da allerdings die Menge für den Kalorienverbrauch von etwa 70.000 Schritten eingerechnet ist wage ich zu bezweifeln. Für jemanden, der vier Wochen all sein Hab und Gut in einem Rucksack trägt, geht der Tag so ein wenig dekadent zu Ende. 😅
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Tag 14 (27.07.2024):
„Noch einmal stürmt, noch einmal liebe Freunde!“
Dieses Zitat von William Shakespeare spiegelt wohl die Stimmung des heutigen Tages ganz gut wieder. Nachdem ich heute den 14. Tag abgeschlossen hab, bin ich zumindest diesbezüglich bei der Hälfte angekommen. 💪 Da lohnt es sich doch mal eine Halbzeit-Bilanz zu ziehen und zu schauen, ob das auch für die voraussichtlichen Kilometer gilt, die ich zurücklegen muss bzw. will. Eins ist auf jeden Fall klar, für die zweite Hälfte heißt es dann jeden Morgen aufs Neue: „Noch einmal stürmt, noch einmal liebe Freunde!“
Aktuell steh ich bei etwa 580 Kilometern zurückgelegter Strecke, was bei den ursprünglich geplanten 1.100 Kilometern bedeuten würden, dass ich sehr gut in der Zeit bin. Aber so wie es mir scheint, werden die 1.100 Kilometer nicht ganz ausreichen, sondern ich geh davon aus, dass ich auch jetzt in der zweiten Hälfte noch knapp 600 Kilometer laufen muss. 🥵 Wobei das „muss“ da wohl falsch platziert ist, denn ich hab nochmal 600 Kilometer in denen ich wunderschöne Dinge sehen und erleben kann. 😍 Außerdem komm ich irgendwann nach Würzburg und in meiner Heimat vorbei. Auf diesen Moment, wenn ich zu Fuß von Sylt in meinen Heimatort einlauf, freu ich mich jetzt schon sooooo unbändig! 🤩 Aber bis dahin heißt es erst noch ein paar Mal: „Noch einmal stürmt, noch einmal liebe Freunde!“
Heute bin ich ohne Frühstück in Hardegsen gestartet, denn das wäre erst ab 07:30 Uhr angeboten worden und dann komm ich erst nach 8 Uhr los. Insbesondere, da es heute Nachmittag / Abend regnen soll kann es nicht schaden pünktlich um 7 Uhr zu starten und dann irgendwo auf dem Weg einen kleinen Snack-Stop zu machen. 😉 Dem Namen nach würde man nicht meinen, dass ich in Gladebeck bei der „Alten Molkerei“ fündig geworden bin, aber weit gefehlt. Ein frisch gemachter belegter Semmel und eine Nussschnecke (ja ich bleib der ungesunden zuckerlastigen Ernährung treu). 🤷♂️ Aber wer bei solchen Touren die Priorität auf „Gesundheit“ legen will, der sollte mal meine Knie und Füße fragen, ob die Nussschnecke wirklich das Ungesündeste ist. 🙈 Verpflegung ✅️, dann nichts wie nach Göttingen. Oder zumindest dran vorbei, denn wirklich durch komm ich nicht, sondern streife es eher am Rand. Es reicht auf jeden Fall um mich bei einer Tankstelle nochmal mit Getränken und Eis zu verpflegen. Ein Wasser, eine Cola und ein Eis auf die Hand, so lässt es sich doch gut gelaunt weiterlaufen. 😇 Auch wenn es heute eher bewölkt als sonnig ist, zum Laufen super angenehm, ist für mich trotzdem Eis-Zeit. 🍨 In meinem Herzen strahlt schließlich immer die Sonne und meine Füße glühen auch tagtäglich, daher wüsste ich nicht, warum ich kein Eis essen sollte. 😜 Gegen Mittag bin ich dann in Obernjesa vorbeigekommen und schaut euch unten einfach mal an, was sich da jemand an die Hauswand gezaubert hat. Geiler Typ, geile Typin, wie auch immer das geschehen ist, ich lieb’s! 😍 Und so hab ich direkt am Ortseingang einen Überblick bekommen und konnte das Handy für die Navigation getrost stecken lassen. Über Friedland und Eichenberg ging’s dann in meinen heutigen Zielort. Witzenhausen! 😂 Ja, nach der Gemeinde Witzwort im hohen Norden, wortwörtlich der nächste Witz. Was aber kein Witz war, ist die Tatsache, dass mich der Regen 15 Minuten vor Ankunft noch eingefangen hat. Ich war in Witzenhausen noch in einem Supermarkt und als ich rauskam hat der Himmel nochmal seine Schleusen geöffnet. An sich unproblematisch, weil ich ja eine Viertelstunde später im Trockenen war, aber es hat unweigerlich dazu geführt, dass ich nach über 40 Kilometern nochmal den Stechschritt ausgepackt hab. Was soll man sagen: „Noch einmal stürmt, noch einmal liebe Freunde!“ 🤷♂️
Gestern Mittag hat mir ein Anruf einer unbekannten Nummer noch einen kleinen Schrecken eingejagt. 😱 Meine Unterkunft von heute hat sich gemeldet, denn ich hab mich für heute Nacht in ein Fortbildungszentrum eingebucht. 😂 Wie schon öfter betont, hab ich meine Unterkünfte einzig und allein anhand der Lage und der Verfügbarkeit ausgewählt und wenn ein Zimmer gebucht werden konnte, hab ich es gebucht, unabhängig von Schönheit, Bewertung oder sonstigen Rezensionen. 😉 Super einfach, super pragmatisch und dadurch kommen eben erst solche Geschichten zustande. Auf jeden Fall bietet das Fortbildungszentrum ihre Räumlichkeiten eben auch für externe Gäste an. Allerdings eigentlich nur Montag bis Freitag, verständlicherweise. Heute ist aber Samstag!!! 😱 Ich hatte schon die Befürchtung, dass sie mir kurzfristig wieder die Unterkunft streichen, aber die Dame am Telefon war super nett und hat es möglich gemacht, dass ich heute auch von Samstag auf Sonntag übernachten kann. Schon ein bisschen spucki, als ich da abends angekommen bin und jetzt ganz alleine in diesem Schul- und Jugendherbergs-Flair übernachten werde. Andererseits vielleicht auch ganz gut, dass ich nicht unter der Woche da war, denn dann hätte ich wohl in einige fragende Gesichter geschaut. 😂 Von meiner Seite geht auf jeden Fall ganz viel Dankbarkeit an das Bildungszentrum Witzenhausen raus. ♥️ Morgen werd ich dann diese Räumlichkeiten wieder heimlich still und leise verlassen, den Schlüssel in den Briefkasten werfen und mich wieder auf die Reise Richtung Süden machen, denn „Noch einmal stürmt, noch einmal liebe Freunde!“ 💪
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Tag 15 (28.07.2024):
Lachen oder nicht lachen, dass ist hier die Frage. 😉
Auf jeden Fall hat der Tag mit einem großen Lachen gestartet, ich bin ja schließlich heute Morgen in Witzenhausen losgelaufen. 😜 Ja ok, Witze könnte ich mir auch mal bessere einfallen lassen, Zeit genug hätt ich ja eigentlich. 🤷♂️ Vielleicht liegt die gute Laune auch einfach daran, dass am Freitag eine der schönsten Zeiten angefangen hat, die man sich als bisschen sportverrückte Person nur vorstellen kann. 🤩 Nämlich Olympia! 🏅 So viele verschiedene Sportarten, von morgens bis abends Unterhaltung, wenn man nicht gerade durch Deutschland laufen würde, Menschen aus allen Ländern, die alle unabhängig von ethnischer Herkunft, Hautfarbe, wirtschaftlichem Status, religiöser oder sexueller Einstellung an ein und derselben Startlinie stehen. Ein Marathon ist und bleibt einfach eine 42,195 Kilometer lange psychische und physische Herausforderung, bei der bei jeder und jedem der Mann mit dem Hammer vorbei schaut. Ganz gewiss. 😂 Leider werden einem aber auch bei Olympia die Gegensätze schonungslos aufgezeigt. Neben Athletinnen und Athleten aus 204 Nationen gibt es noch zwei weitere Mannschaften mit Sportlern. Ein Team der sogenannten „Individuellen Neutralen Athleten“ mit Sportlern aus Russland und Belarus, die aus Ländern kommen, die gerne die ganze Welt für sich hätten. Und ein Flüchtlingsteam, das „Refugee Olympic Team“, mit Sportlern die gemäß der aktuellen Stimmung der Welt niemand haben will. 😕 Angriffskrieg und Überlebenskampf treffen sich dann wohl wieder an ein und derselben Startlinie. Welches der Teams Vorteile bei den Schießwettkämpfen und welches bei den Schwimmwettbewerben hat, kann sich da wohl jeder selber denken. 🫣 Dadurch, dass ich am liebsten so viel wie möglich sehen würde und die Olympia-Übertragung abends dann doch ein wenig länger geht, würde sich mein Schlaf auf 23:30 Uhr bis morgens um 05 Uhr reduzieren. Zum Glück, zumindest für meinen Körper, schlaf ich oft genug schon viel früher ein und frag mich warum nachts um drei noch Licht brennt und der Fernseher läuft. Schlaf: 1, Olympia: 0. 🙈
Nach so wunderbaren Dingen wie Olympia kommen wir zur nicht ganz so tollen Routenführung von heute. 😤 Die Mittelgebirge machen sich nun mehr und mehr bemerkbar. Zu den „nur“ 39 Kilometern kamen heute 500 Höhenmeter hinzu. Für euch kleinen und großen Berggamsen sind 500 Höhenmeter wahrscheinlich nichts, aber ich muss schon sagen, wenn man samt Rucksack etwa 90 kg hoch und wieder runter schleppt, dann kommt man doch nicht so schnell voran wie erhofft. 😅 In Witzenhausen waren noch dunkle Wolken am Himmel, die gegen Nachmittag aber durch strahlenden Sonnenschein ersetzt wurden. ☀️ Die ersten 25 Kilometer bis zur kleinen Ortschaft Vierbach lief ich mal auf mal ab, aber grundsätzlich eher eben und auf Nebenstraßen oder Feld- und Waldwegen. So easy und unspektakulär. Jetzt noch ca. vier Kilometer durch den schattigen Wald über einen Bergkamm und dann nochmal zehn Kilometer über Waldwege zum heutigen Zielort nach Sontra. Doch in Vierbach sah ich plötzlich alles und nichts. Ich sah 400 der 500 Höhenmeter direkt vor mir 🥵, aber auf der Karte sah ich nichts mehr, da der Ort ohne Telefonnetz und Mobile Daten auskommen muss. Das heißt ran an die Lokalbevölkerung und fragen wie ich denn hier weiter komm. Zwei Leute in einer Hofeinfahrt haben mich super verwirrt angeschaut und haben quasi nach Kommunikation gefleht, da dacht ich mir: „Heute ist euer Glückstag.“ Die wussten wahrscheinlich genauso wenig wie ich, was mich hierher verschlagen hat. 😅 Auf dem Bergkamm im Wald gäb’s auf jeden Fall wieder Handynetz, aber sie haben von einem viel gravierenderen Problem für einen Wanderer erzählt. Der Neubau einer Autobahn, so auf der Karte noch nicht eingezeichnet, verläuft aber inzwischen mitten durch meinen Weg. 😂 Angeblich gibt es aber irgendwo eine Fußgängerunterführung. Ob ich die jedoch in bergigem und unwegsamem Gelände finde? 🤷♂️ Ja klar!!! Nicht mein klügster Moment des Tages. 🙈 Hoch bin ich noch ganz gut gekommen, Handynetz war auch immer mal wieder verfügbar, allerdings waren sämtliche auf der Karte eingezeichneten Wege noch nie oder seit Jahren nicht mehr begehbar. Als ich oben stand war mir auch klar, warum sich hierher kaum jemand verirrt. Auf der anderen Seite ging’s ganz schön steil runter und diese neugebaute Autobahn muss hier ja auch noch irgendwo kommen. 😂 Zurücklaufen nach Vierbach war natürlich aufgrund von penetranter Dummheit auch keine Option. Ich bin dann ca. eine Stunde in unwegsamem, steilem Gelände abseits von Wegen umhergeirrt und hatte irgendwann keinen Plan mehr, wie zur Hölle ich hier wieder irgendwie auf einen Weg komme. 😱 Das sind die Leute die dann irgendwann den „Joker“ Alpenvereinsmitglied ziehen und sich rausholen lassen. Dabei war ich noch nicht mal in den Alpen sondern nur in einem kleineren Mittelgebirge unterwegs. Daher NICHT NACHMACHEN!!! 🤦♂️ Nach längerer Suche hab ich irgendwann wieder einen Wegweiser gefunden. Der hat mich zwar nicht zu meinem gewünschten Ort geleitet, aber wenigstens wieder raus aus diesem menschenleeren und verzweigten Waldgebiet. Danach hatte ich zwar immer noch 15 Kilometer vor mir, aber zum Glück nur noch auf einem Radweg entlang der Bundesstraße. -> Ente gut, alles gut! 🦆
Da heute Sonntag ist, waren dementsprechend viele Radler auf dem neugebauten Fahrradweg unterwegs und es sind nochmal die ein oder anderen netten Gespräche zustande gekommen. Von meiner kleinen Exkursion hab ich besser nichts erzählt. 😂 Meine heutige Unterkunft ist ein wahrer Traum, gehüllt in duftende Kirschblüten. Also einfach ein Kirschtraum! 🍒🌸
Tag 16 (29.07.2024):
Gestern bin ich morgens noch mit dunklen Wolken gestartet, doch seit Mittag strahlt die Sonne mit mir um die Wette! ☀️ Nachdem ich gestern den kleinen Ausritt in unwegsames Gelände auch gut gemeistert hab, bin ich aktuell echt einfach richtig glücklich! 😊 Für heute war ebenfalls bestes Kaiserwetter vorhergesagt und was soll ich sagen, wie den Bildern zu entnehmen ist, hat das Wetter alles gehalten was mir versprochen wurde. 😇 Nachdem ich in diesem Blog die schönen Dinge der Tour viel zu oft als nicht besonders und daher nicht berichtenswert hingenommen hab, aber im Gegensatz dazu schon viele „Probleme“ oder nennen wir es besser „Herausforderungen“ angesprochen hab, ist mein Vorsatz für diesen Tag so knapp und simpel es klingt: Glücklich sein! 🤗 Mit diesen Gedanken im Kopf und den ersten beiden morgendlichen Bildern vor Augen kann dieser sonnige Tag nur zu einem strahlenden werden. 😉
Am Nachmittag hab ich dann noch ein kleines süßes Reh getroffen, dass ganz neugierig durch seinen Zaun geblickt hat. 🦌 Ob so ein kleines Reh ein guter Begleiter wäre? Es wär auf jeden Fall eine nette Abwechslung, wenn das Reh ein bisschen aus seinem Blickwinkel von den ganzen Spaziergängern und Wanderern erzählt, die so tagtäglich bei ihm vorbei kommen. Was frisst denn so ein Reh und was meint ihr wann muss es denn ins Bett? Und muss ich was beachten, wenn mal eine längere Etappe ansteht? 🫣 Ich frag für einen Freund. 😜
Ein weiterer glücklicher Umstand, der heute mal lobend hervorgehoben werden muss, betrifft meine Ausrüstung! 👞🎒 Mein Rucksack hat seit der ersten Tour auf dem Jakobsweg im Jahr 2018 schon diverse Wanderungen ohne Makel überstanden und auch der diesjährigen Belastung halten Nähte und Reisverschlüsse mit voller Hingabe stand. 💪 Innerhalb der Tour entwickelt sich da immer eine ganz eigene Beziehung zwischen mir und meinem Rucksack. Ich seh ihn wie eine minimalistische Wohnung, in dem die einzelnen Fächer den Räumen in einer Wohnung entsprechen. In diesen sind auf pragmatischste Weise alle notwendigen Sachen fern ab von Luxus oder Annehmlichkeiten verstaut. Denn eines steht für mich bei jeder Tour fest: Alles was ich am ersten Tag mitnehm, muss ich die gesamte Tour selber tragen und bring ich auch so wieder nach Hause zurück. Begleit- oder Transportfahrzeug, oder Missbrauch von Mitwanderern für meine Zwecke ist tabu. Was ich nicht selber bereit bin zu tragen, brauch ich auch nicht! 😉 Außerdem gebührt auch ein großes Lob meinen Schuhen. Einfache Sport- / Joggingschuhe, mit denen von der Runde um den Block bis zum Marathon alles gelaufen werden kann. Grundsätzlich und je nach Pflege werden 500 bis maximal 1.000 Kilometer für solche Schuhe angesetzt. Meine haben neben den 10 Kilometern zum Einlaufen bereits über 650 Kilometer auf dieser Tour erfolgreich gemeistert. 💪 Ich hoffe inständig, dass die verbleibenden 500 Kilometer auch noch mit diesen Schuhen gehen. Ansonsten muss ich irgendwann mal noch bei einem Schuhgeschäft vorbei und wenn ihr wüsstet, wie ramponiert meine Füße aussehen, dann kann man dieses Szenario keinem Verkäufer wünschen, geschweige denn zumuten. 😂
Kurz vor meinem heutigen Ziel ist dann doch nochmal was passiert, von dem ich die letzten drei Tage Abstand genommen hab: Ein Selfie! 📸🙈 Ich dachte ich hätte diese Unart, die da in mir schlummert, im Griff. Anscheinend hat der pralle Sonnenschein die ein oder andere Synapse verkohlt und so gibt’s heute mal ein Bild aus der Kategorie: Heiß, heiß, Baby. 🥵 Und mit diesen Hitzewallungen bin ich dann in meinen Zielort gewandert: Eiterfeld. 😂 Ja bei diesem Namen ergeben sich sämtliche Wortwitze wie von alleine. Da kann jetzt jeder seine eigene Fantasie sprudeln lassen. 😉 Ursprünglich kommt der Name von dem Fluss Eitra, der aus dem Frühmittelalter als das rasch dahineilende Wasser übersetzt werden kann. So haben wir aus diesem im ersten Moment eher würdelos anmutenden Namen ein bisschen Wissenschaft und Bildung herausgezogen. Manchmal muss man eben ein bisschen suchen um auch aus Orten mit dem Namen Eiterfeld etwas Positives herauszuziehen. 🥳
Die Betreiber meiner heutigen Unterkunft haben im Erdgeschoss auch eine Metzgerei. Ich hab mir schon die schönsten Gerichte ausgemalt, bis mir dann die Öffnungszeiten ein Strich durch die Rechnung gemacht haben. Da heute der typische Restaurant-Ruhetag, nämlich Montag, ist, muss ich heute wohl etwas zum Essen bestellen. 🤤 Die ersten beiden Bestellungen wurden mir aufgrund des zu geringen Warenwerts noch storniert, weshalb gleich die Essensmenge für eine Großfamilie geliefert wird. 😕 Jetzt muss ich mich wohl nochmal mit voller Hingabe und Begeisterung einer Challenge stellen, die mal wieder eine Frage der Leidenschaft darstellt. Nämlich Aufessen!
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Tag 17 (30.07.2024):
Naaaa ihr kleinen Leseratten. 😜
Die dritte Woche ist in vollem Gange und ich näher mich mit großen Schritten den letzten beiden Bundesländern, Bayern und Baden-Württemberg. Aber noch bin ich hier im wunderschönen Hessen und das hält auch heute Sonne pur für mich bereit. ☀️ Für manche ist es nicht ganz nachvollziehbar, warum ich gerade im Juli/August, den heißesten Monaten, unterwegs bin. Klar, je nach Routenverlauf glüht einem die Sonne teilweise mehrere Stunden am Stück auf den Kopf. Zum Glück komm ich aber mit Hitze deutlich besser zurecht als mit Kälte, ich brauch verhältnismäßig wenig zum Trinken, dehydriere langsamer und hab ja durchgehend eine Cap auf. 🧢 Außerdem sind in diesen Monaten die Tage lang und ich brauch wenig Klamotten (keine Handschuhe, kein Pulli, keine langen Hosen). Naja wenn man die ersten Blogeinträge vom hohen Norden liest fragt man sich schon manchmal, ob Handschuhe und Pulli nicht doch notwendiger gewesen wären als Sonnencreme. 😂
Weiteres Unverständnis bei solchen Touren rufen manchmal die Themen „Langeweile“ und „Einsamkeit“ hervor. „Das muss doch langweilig sein, wenn man zehn oder elf Stunden einfach nur so vor sich hinläuft.“ 🤔 Was auf jeden Fall stimmt, dass der sich beständig und immer wiederholende Rhythmus durchaus zäh ist. Grundsätzlich seh ich jeden Tag wie einen Arbeitstag, in dem man auch acht, neun oder zehn Stunden auf etwas hinarbeitet und dann heimgeht, bzw. ich komm dann an meinem Zielort an. 😉 Aber die Arbeitswoche hat halt normalerweise nur fünf Tage und ich bin ja auch Samstag und Sonntag im gleichen Rhythmus unterwegs, daher kommt jetzt nach dem 17. Tag durchaus mal der Wunsch auf, einfach einen Tag Pause zu machen und aus der fortlaufenden Eintönigkeit auszubrechen. Aber diesem Wunsch muss ich noch standhaft widerstehen! 💪 Untertags hab ich zum Glück keine Langeweile. Ich muss kucken, dass ich auf der richtigen Route bleib und keine unnötigen Kilometer lauf, muss mich um Verpflegung in Form von Essen und Trinken kümmern, brauch Blasenpflaster, kuck mir die Gegend an, mach Bilder, pack Kopfhörer in die Ohren oder werd auch mal angesprochen und komm so ins Gespräch. Und man, damit auch ich, bricht auch ein wenig aus der Handysucht aus, in der man völlig apathisch Instagram-Storys durchscrollt. 📵 „Ok, langweilig wird dir also nicht, aber du hast doch niemanden zum reden, wenig soziale Interaktion, dass ist doch vier Wochen lang super einsam.“ 🤔 Auch das will ich hier ganz realistisch und ungeschönt aufgreifen. Solche Touren sind keine Ausflüge für die ganze Familie und wahrscheinlich auch nichts für Couple-Goals. 😂 Jemanden zu finden, der im gleichen Zeitraum vier Wochen am Stück Zeit hat, funktioniert vielleicht noch, aber ob derjenige, die Zeit dafür verwenden möchte und auch bereit ist jeden Tag über 40 Kilometer zu laufen, wird wohl eher schwierig. 😅 Außerdem bin ich davon überzeugt, dass es eine Herausforderung zwischen Körper und Geist ist, die jeder mit sich selbst ausmachen muss. Einen Tag lang wurde ich ja bereits von einem Bruder begleitet, der andere will sich am Ende der Tour noch anschließen. Dennoch kommt bei mir keine Einsamkeit auf, da man immer wieder angesprochen wird und sowohl untertags, wie auch abends im Restaurant ins Gespräch kommt. Und die restliche Zeit muss oder darf ich mich dann mal mit mir selbst auseinandersetzen. Oftmals ist ja der Dialog mit sich selbst einer der Ehrlichsten! 🤷♂️
Nachdem heute die Kleinstadt Hünfeld schon das Städtischste war, dass ich gesehen hab, gibt’s lediglich Landschaftsbilder für euch. 📸🤷♂️ Eigentlich könnte dieser Blogeintrag mit den Landschaftsbildern und der Ankunft in einem ländlichen Gasthaus enden. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann… HALT STOP!
Mit meiner eigentlichen heutigen Unterkunft, einem Landgasthof, gab es noch Probleme. 🙈 Erst war niemand da, nach mehrmaligen Anrufen und halbstündigem Warten kam die Freundin oder Schwester, vielleicht auch beides (in ländlichen Regionen weiß man das ja nicht so genau 😜) des Besitzers. Sie hatte heute mit niemandem gerechnet, denn sie sind vollbelegt. 😱 Aufgrund des leichten Panikausbruchs bei mir, da es die einzige Unterkunft im Ort war und der definitiv vorhandenen Buchung und Buchungsbestätigung, wurde es auf einmal unruhig. Der Besitzer wurde hinzugerufen und der Senior oder gar Seniorsenior-Chef mischte auch noch mit. 😂 Irgendwo muss auf der Buchungsplattform ein Fehler passiert sein. Nachdem sie mich dann von oben bis unten gemustert haben, war ihnen klar, dass sie sich nun schleunigst um eine Lösung kümmern müssen, denn meine Laune war nach 38 Kilometern und um halb 6 Uhr abends nicht mehr die Beste. 😅 Sie haben mich dann in ein Rasthof vier Kilometer entfernt am Autobahnkreuz A66 / A7 ausquartiert. Netterweise hätten sie mich sogar gefahren, aber es gilt: Keine Hilfsmittel! Ich bin dann mit zwei Gratisgetränken nochmal losgestürmt. Hoojeah! 💪 Fazit: Ich muss eine Lanze für die Betreiber brechen, denn die haben für mich aus dieser Sch***-Situation noch versucht das Möglichste zu machen! Jetzt versuch ich heute Nacht halt zwischen Truckern zur Ruhe zu kommen. 🤷♂️
Die ganzen zusätzlichen Kilometer ist mir nur ein Lied aus „Les Miserables“ durch den Kopf gegangen: Do you hear the people sing? Singing the song of angry man? It is the music of the people who will not be slaves again! When the beating of your heart echoes the beating of the drums, there is a live about to start when tomorrow comes! Will you join in our crusade? Who will be strong and stand with me? Beyond the barricade is there a world you long to see? Then join in the fight that will give you the right to be free! 🎵🎶
#EineFragederLeidenschaft
Tag 18 (31.07.2024):
Die Karawane zieht weiter der Sultan hätt Durst! 🍻
Aufgrund der anhaltenden Hitze ☀️ kommt der durchgehenden Versorgung mit Flüssigkeit durchaus eine wichtige Bedeutung zu, aber lieber so als Regen. 🌧 Heute stand tatsächlich nochmal eine große Herausforderung an! Einerseits würde mich Google Maps hier an der A7 entlang in etwa 44 Kilometern auf Bundesstraßen zu meinem nächsten Zielort führen, andererseits kommen zusätzlich noch knapp 900 Höhenmeter dazu. 🥵 Aufgrund dessen, dass ich hier in der Rhön unterwegs bin, waren mir die Höhenmeter sehr wohl schon im Vorhinein bewusst, dennoch les ich da leider immer ein bisschen naiv drüber hinweg und denk mir: „Wird schon nicht so schlimm sein!“ Spätestens, wenn mich dann aber Wanderer mit Wanderschuhen und Wanderstöcken überholen, zweifel ich doch immer wieder ein bisschen an mir selbst. 😅 Einfach sympathisch lächeln und ja nicht den Eindruck entstehen lassen, dass man ein bisschen verrückt ist. 🤯 Wie oben geschrieben, hätte mich Google Maps in 44 Kilometern an mein Ziel gebracht. Bei diesen Angaben ist jedoch immer höchste Vorsicht geboten! Am Schluss war ich heute insgesamt 48 Kilometer unterwegs. 🫣 Nachdem das ja nicht meine erste Tour ist, aber ich dieses Mal einfach aufgrund der zeitlichen Voraussetzungen viele lange Tagesetappen habe, gehe ich jeden Abend die geplante Tour mittels Luftbild komplett einmal durch. Um zu sehen, wo es Fuß- und Radwege gibt, oder wo ich vielleicht auf der Straße gehen müsste. Schlussendlich hab ich nämlich für mich die Marke von 50 Kilometern als Grenze gesetzt. Wenn dann ungeplanterweise noch zwei, drei oder vier Kilometer hinzukommen, dann ist mein persönliches Maximum erreicht. Bei jedem Kilometer darüber hinaus steigt dann die Belastung und Anstrengung exponentiell an. 😅 Google Maps schickt mich grundsätzlich auf dem kürzest möglichen und erlaubten Weg von A nach B. Da mir aber trotz all der Blasen und Beschwerlichkeiten durchaus noch einiges an meinem Leben liegt, hab ich für mich entschieden, wenn irgendwie möglich, nicht auf Bundesstraßen zu laufen. 😉 Außerdem verbindet Google Maps in Wandergebieten gerne mal zwei verschiedene Rundwanderwege und spiegelt einem vor, man könnte da einfach quer durchlaufen. Nein meine lieben Freunde, auch wenn manche Wege wirklich nur ein paar Meter auseinander liegen, sind dazwischen doch teilweise zehn bis zwanzig Meter Höhenunterschied. Liebes Google-Team, wie oben bereits geschrieben, häng ich doch sehr an meinem Leben. 🙈
Nach etwa drei Stunden bin ich dann in Uttrichshausen vorbeigekommen und hab mir erstmal ein leckeres Frühstück to go gegönnt. Ein herzhaftes, zwei süße Teilchen und noch zweimal Getränke, einmal Wasser, einmal Süßgetränk. Der Nutri-Score meiner Verpflegung müsste wohl eher ein „F“ erhalten 😜, aber es funktioniert und ich hab mich im Vergleich zu meinen vergangenen Touren auch schon dahingehend „gebessert“, dass ich nun nicht zwei Süßgetränke, sondern auch einmal Wasser bestelle. Auch mein Körper wird langsam älter und ehrlich gesagt wird mir leider bei zu viel Zucker einfach schlecht. 🤷♂️ Ich weiß, ich weiß die Generation Z ist halt auch nicht mehr so belastbar. 😂 Aber keine Angst bei solch heißen Temperaturen lässt ein Eis bestimmt nicht lange auf sich warten. 🍨 Bevor ich mir aber mal wieder Eis gönne, passiert erst noch ein atemberaubender, anmutiger und fesselnder Moment. Ich reise kurz vor Staatsbad Brückenau endlich in Bayern ein! 🥳 Vor lauter Schreck bin ich erstmal Stillgestanden und hab ganz ehrfürchtig salutiert. 🫡 Nach 18 Tagen trennen mich nun nur noch Bayern und Baden-Württemberg vor dem großen Ziel, dem Haldenwanger Eck. 😍 Im Kurgarten, bei wunderschönstem Blick auf das Kursaalgebäude hab ich mir dann mein wohlverdientes Eis gegönnt. Leider lagen zu diesem Zeitpunkt immer noch mehr als 20 Kilometer und 400 Höhenmeter vor mir. 🥵
Nachmittags ging dann viel durch bergigen aber schattigen Wald. Leider ist mir dann etwa zwei Stunden vor meiner Zielunterkunft noch eine dicke, aufgeblähte und mit Wasser gefüllte Blase aufgeplatzt. 🤮 Entschuldigung für die zurecht angeekelten Bilder in eurem Kopf. Auch wenn es in diesem Blog niemals Bilder von meinen Füßen geben wird, soll auch diesbezüglich zumindest ein wenig Ehrlichkeit und Authentizität hergestellt werden. Das Leben hält nunmal nicht immer nur schöne Dinge bereit. 🤷♂️ Da ich mir meine Blasen jeden Morgen fein säuberlich abklebe, stellt sich jetzt die Frage: Alles abmachen, desinfizieren, und provisorisch auf nasse Haut neue Blasenpflaster draufmachen? Oder einfach durchlaufen und abends alles sauber ausspülen und am nächsten Morgen frisch abkleben? Wer schonmal versucht hat auf nasse Haut Blasenpflaster anzubringen, der weiß warum ich morgens alles fein säuberlich abklebe und untertags an dem ganzen „Ökosystem Füße“ nichts mehr änder. 😂 Bei diesem Vorgehen schwingt natürlich immer die Hoffnung mit, dass sich niemals etwas von den offenen Wundstellen entzündet. Hoffen wir auch bei dieser aufgeplatzten Blase das Beste! 😇
Heute Abend bin ich im Brauhaus am See in Oberthulba untergekommen. Mein Zimmer ist eine große Wohnung, abends gibt’s Holzofenpizza und nebendran fahren viele Kinder Wasserski auf dem See. Eine trügerische Friedlichkeit die diese Örtlichkeit vermittelt. 🙈
#EineFragederLeidenschaft
P.S.: Leider hab ich erst im Nachgang meiner Tour erfahren, dass im Brauhaus am See regelmäßig AfD-Veranstaltungen stattfinden. Bei allem Pragmatismus, der die Unterkunftsauswahl lediglich von Lage und Verfügbarkeit abhängig macht, widerstrebt mir die Übernachtung in solchen Unterkünften. Diese Seite und ich stehen für eine weltoffene, pluralistische und tolerante Gesellschaft, für eine Welt in der jede(r) leben kann, in der jede(r) leben darf und in der jede(r) leben will!
Tag 19 (01.08.2024):
Allmächd ich mecherd doch bloß nach Würzburg. Scho bled, dass ich mich da jetzt noch so ärchern muss, weils mir fei ed woaschd is, wo ich heut Abend schlofm dua. 😅
Eigentlich wollte ich heute Abend in Würzburg ankommen und auf der Alten Mainbrücke einen Schoppen Wein trinken. 🍷 Nach der harten Tour gestern und den gegebenen Voraussetzungen wäre dies für mich heute jedoch eine echte Harakiri-Aktion ohne Sinn und Verstand geworden. 🫣 Angesichts dessen, dass ich zwar unbedarft genug dafür gewesen wär, aber neun Tage vor Schluss dann doch eher das Gesamtziel „Haldenwanger Eck“ ganz oben auf der Prioritäten-Liste steht, bin ich heute noch nicht nach Würzburg gelaufen. Nach Würzburg wären es laut Google 52 Kilometer und 500 Höhenmeter gewesen. Da es hier oben aber drei Militärstandorte, nämlich die Rhön-Kaserne, Hammelburg und Veitshöchheim gibt, wären die 52 Kilometer absolut nicht realistisch und hätten sich vermutlich eher auf knapp 60 Kilometer ausgeweitet. Allein bei dem Kartenhinweis „Militärstützpunkt“ läuft es mir inzwischen eiskalt den Rücken runter. 🥶 Das wäre super schief gegangen. 😂 Das heißt ich muss die 15 Kilometer irgendwo anders wieder rausholen, dass ich trotzdem an Tag 24 in meiner Heimat ankomm. 😇 Naja das sind wohl Probleme meines Zukunfts-Ichs. 😉
Apropos Probleme. Mein Hier-und-Jetzt-Ich hat an sich zum Glück echt wenig bis gar keine körperlichen Probleme. Meine Knie halten zum Glück der Belastung stand und machen sich eher durch Ermüdung aufgrund von Anstrengung und Belastung bemerkbar anstatt aufgrund von stechenden Schmerzen. 💪 Ein kleineres Problem ist tatsächlich die aufgeplatzte Blase von gestern. Da sich drunter noch keine neue Haut gebildet hat, ist da jetzt einfach eine offene Stelle an der Ferseninnenseite. 🙈 Entweder ich kleb sie mit meinen Gel-Blasenpflastern ab, das dämpft den Druck auf die Stelle, könnte sich aber aufgrund des Gels entzünden. Oder ich sterilisier es nur und pack keine Blasenpflaster drauf. 😱 Ganz ehrlich, mein Masochismus-Level ist viel zu gering um mit unabgeklebten Blasen in die Schuhe zu gehen und mehr als zehn Kilometer zu laufen, daher hoff ich weiterhin, dass die Einheit aus Blasenpflastern und Füßen mich noch neun Tage weiterträgt. 💪 Manchmal frag ich mich aber schon: „Heilig’s Blechle, liabe Fiaß, was dond ihr denn au do?!? Ihr kennad mir au mol dr Buckl rondr rutscha!“ 🤯
Außerdem bin ich heute an der Erdfunkstelle Fuchsstadt vorbeigekommen. Die Erdfunkstelle Fuchsstadt dient der Kommunikation mit Nachrichtensatelliten und ermöglicht unter anderem satellitengestützte Telefongespräche, Internet-Verbindungen und Fernsehsendungen. Sie ist eine der größten Satelliten-Kommunikationsanlagen der Welt. Leider hab ich die zwei größten Antennen zwar gesehen, aber kein vernünftiges Bild schießen können… 🤷♂️ Ich hab heute insgesamt nur ein Bild in der Nähe von Altbessingen von arbeitenden Leuten gemacht. Das Bild zeigt damit eindrücklich, dass es auch immer Leute geben muss, die in der Zeit wo andere einfach mal vier Wochen durch die Gegend laufen, fleißig und produktiv sind. 😂
Und so bin ich dann heute schlussendlich in Bergtheim angekommen. Ein Motel am Gemeinderand sollte heute der „Place to be“ sein und auch da spricht eine Bewertung von 3,1 Sternen absolut Bände. 🙈 Im Zimmer steht ein Bett, ein Stuhl, ein Tisch und im Bad sollen vier nicht verschließbare Glaswände eine Dusche darstellen. Spinnen, Spinnenweben, Dreck, keine Hygiene-Produkte wie Seife, Shampoo oder Toilettenpapier. Dass ich in meinem Zustand nach 19 Tagen pragmatischem und minimalistischem Fußmarsch durch Deutschland äußerlich, körperlich und hygienisch zu gehoben für eine Unterkunft bin, ist erschreckend und verstörend. 😅 Da fällt morgen früh der Abschied nicht schwer, sondern ich freu mich tatsächlich in die Schuhe zu schlüpfen (auch das ist mehr als verstörend) und hier raus zu kommen.
#EineFragederLeidenschaft
Tag 20 (02.08.2024):
Tag 20!?! 😱 So langsam geht sie wohl los, die heiße Phase oder wie der Schwabe zu sagen pflegt: „Crunch Time, Baby!“ 🔥 Eine gute Woche hab ich noch um ans Haldenwanger Eck zu kommen, doch heute liegt der Fokus voll und ganz auf einem weiteren Zwischenziel: Würzburg! 😍 Und dafür nehm ich sogar nochmal 10 Kilometer extra auf mich. Ich bin ja schließlich sonst kaum an der frischen Luft. 😜 Ich hätte heute auch in etwa 32 Kilometern zu meinem Zielort kommen können, aber dann hätt ich Würzburg nunmal nicht gesehen und das geht ja gar nicht. 😉 Schließlich muss ich in Würzburg noch einen Magneten für die Kühlschranktüre und eine Postkarte mitnehmen. Aus Hamburg hab ich schon mehrere Postkarten an Familie und Freunde verschickt, aber bei einer Person wollt ich lieber warten, bis ich soweit durchgekommen bin, dass ich ihr auch guten Gewissens danken kann. Sie hat mir nämlich gezeigt, was Motivation und die richtige Einstellung bewirkt. „Du darfst im Kopf nicht aufgeben, denn der ist der wichtigste Muskel.“ 💪 Auch ein Puzzlestück, der die ganze Tour möglich macht, daher von ganzem Herzen: DANKE! 😇
Wie gestern bereits prophezeit hab ich heute Morgen meiner Unterkunft keine Träne nachgetrauert. Ich hatte in der Nacht mehrmals das Gefühl, dass hier mehrere Tiere mit mir kuscheln. 🤯 So gerne ich auch Tiere mag, so gerne wüsst ich auch welche Tiere hier aus den Untiefen dieser Unterkunft herauskriechen. 😂 Das erste Ziel meiner heutigen Tagestour ist natürlich Frühstück. 🤤 Ok ok Essen und Trinken ist ja ganz nett und eine wichtige Sache, aber gerade in Würzburg muss es doch bessere und schönere Ziele geben. Und ja die gibt es definitiv, daher war heute mal wieder Touri- und Foto-Mode angesagt. 📸 Ab zur Residenz, dann zum Würzburger Dom, rauf auf die Alte Mainbrücke, zwar ohne Wein aber mit viel guter Laune 🥳, dann noch schnell eine Postkarte, ein Magnet und fertig ist die rasante Achterbahnfahrt in Schuhen. 🎢👞 Bevor ich die Stadt aber wieder in Richtung Süden verlass, gibt es noch einen eisgekühlten Smoothie, ein bisschen muss ja auch ich mit der Zeit gehen und den Hipster in mir entdecken. 😉
Am Nachmittag ging es noch etwa 20 Kilometer am Main durch strahlenden Sonnenschein Richtung Ochsenfurt. Trotz der müden Beine war die Strecke wirklich wunderschön, wie muss dass dann erst für alle anderen sein. 🤷♂️ Heute wurde ich sogar mal wieder angesprochen. Ein Fahrradfahrer ist mir kurz hinter Würzburg schon auf dem Radweg entgegengekommen. Mit einem frischen Eis aus der Stadt in der Hand hat er wohl dann all seinen Mut zusammengenommen und gefragt ob ich denn schon länger unterwegs bin. Ja kann man wohl so sagen. 😅 Er hat mir noch die Alpenüberquerung von Oberstdorf nach Meran empfohlen. Dieser Traum schlummert bereits schon länger in mir daher ist es keine Frage des „Ob“ sondern nur eine des „Wann“. Endlich in Ochsenfurt angekommen war ich durchaus verwundert. Haben die hier extra für mich eine riesige Party auf die Beine gestellt? An jeder Ecke Bands, überall Stände mit sämtlichen Leckereien und Party pur! 🥳 Da heißt es wohl für mich heute Abend, Rucksack runter, Schuhe aus, duschen und dann wieder raus in diesen Ort der guten Laune. Party: 1, Olympia: 0. 😉
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Tag 21 (03.08.2024):
Gestern Abend war echt noch eine coole Stimmung bei der Ochsenfurter Musiknacht. 🎵🎶 Obwohl ich dann um 21:30 Uhr doch mal in mein Zimmer gegangen bin, konnt ich bei offenem Fenster immer noch die gute Laune aufsaugen. 🥳 Auch wenn es noch keinesfalls geschafft ist, stellt sich nun nach drei Wochen bei mir mehr und mehr ein Gefühl der Glückseligkeit ein. Mit Würzburg hab ich gestern den vorletzten „Checkpoint“ passiert und freu mich inzwischen unbändig auf zuhause. Diese eine Übernachtung in meinem alten Kinderzimmer wird nämlich der letzte „Checkpoint“ sein. Danach geht’s dann in den letzten Tagen bis nach Oberstdorf und am allerletzten Tag raus ins Gebirge an den Grenzstein 147, den südlichsten Punkt Deutschlands. 🪨 Bevor ich jetzt aber schon voller Euphorie gedanklich am Haldenwanger Eck steh, sollten wir schnell wieder ins „Hier-und-Jetzt“ zurückspringen, denn auch in der letzten Woche sollte ich meine volle Konzentration auf Disziplin und die Verhandlungen mit dem eigenen Körper und nicht auf Emotionen und Gefühle legen. 😉
Das schließt aber nicht aus, jede Gelegenheit die einem für gute Laune geboten wird, zu nutzen. Und dafür haben heute morgen die letzten mehr oder weniger verstrahlten Menschen der gestrigen Party gesorgt. 😂 Nachdem es heute wieder heiß wurde und der Zustand meiner Füße auch schonmal besser war, bin ich lieber schon um 06:30 Uhr gestartet. In der ersten Stunde eines jeden Tages würde ich meinen Laufstil eher als „angeschossenes Reh“ und nicht als „elfengleich“ betiteln, da sich sowohl die Füße wie auch die Hüfte nach den zwölf Stunden Pause erst mit der Gesamtsituation arrangieren müssen. 😅 Nachdem bekanntlich kleine Kinder und Betrunkene die ehrlichsten Wesen sind, kann sich jeder selber denken, was das in Kombination mit der eher belustigend wirkenden Gangart von mir bedeutet. Viel Gelächter, ungläubige Blicke und eine Stimme die gemeint hat, dass sie ja eigentlich noch gar nicht soooo viel getrunken haben, denn „Kuck mal wie der rumläuft“, stehen sinnbildlich für den Spießrutenlauf, durch den ich mich in der ersten halben Stunde gewagt hab. Aber liebe Ochsenfurter, meine Schmerzen haben nach einer Stunde nachgelassen und eure Kopfschmerzen haben vermutlich erst später eingesetzt. 😜 Wenn ich aber ganz ehrlich bin, hätt ich mich in dem Moment am liebsten dazu gesetzt und einen mitgetrunken. 🍻
Nachdem bis zu meinem heutigen Zielort Rothenburg ob der Tauber keine größeren Orte oder Städte auf mich gewartet haben, war die Landschaft geprägt von Feld, Wald und Natur. Außerdem hab ich noch einen großen Quatsch gemacht, denn heute ist mal wieder Samstag, das heißt morgen hat kein Supermarkt und noch viel schlimmer, keine Apotheke geöffnet. 😱 Die einzigen beiden Orte in denen heute das Blasenpflaster-Depot hätte aufgefüllt werden können, waren Ochsenfurt zu Beginn und Rothenburg ob der Tauber am Ende. In Ochsenfurt war ich um 06:30 Uhr, in Rothenburg um 17 Uhr. Haben zu diesen Zeitpunkten am Samstag Apotheken geöffnet? Natürlich nicht. 🙈 Auch am Sonntag gibt es zum Glück Notfall-Apotheken, die einem halt dann die teuren Blasenpflaster sehr teuer verkaufen. 😂 Das große Glück von Apotheken ist, dass ich während solcher Touren im Zweifel bereit bin sogar eine meiner beiden Nieren zu verkaufen. 😜 Auf jeden Fall muss ich morgen nun also die eine Notfall-Apotheke im Landkreis finden und ansteuern, die mir meine Abhängigkeit für Geld oder sonstige Dienstleistungen befriedigt. Wenn ihr der Meinung seid, dass klingt ziemlich unterwürfig, dann kann ich nur sagen, dass jeder Mensch seinen Preis hat. 🤷♂️
Heute bin ich also in dieser geschichtsträchtigen und so wundervollen Stadt Rothenburg ob der Tauber. Viele Touris aus nah und fern reisen hier mit Auto, Bus, Bahn oder Flugzeug bis vom anderen Ende der Welt an und ich hab das Glück mit einer kurzen und knappen Anreise von nur drei Wochen diese historische Stadt zu erkunden. 🤩 Wenn ich mir allerdings meine Bilder von heute genau anschau, dann hab ich noch einen kurzen Abstecher in Finnland gemacht. 😉 Bezüglich meiner Übernachtungen waren die letzten 20 Tage wahrlich von einem Auf und Ab geprägt. Vor zwei Tagen in Bergtheim hatte ich richtig Pech, gestern in Ochsenfurt richtig Glück. 🤷♂️ Bei der heutigen Pension hab ich wohl mal wieder an der falschen Ecke gespart. 🙈 Oberhalb eines kleinen Gemischtwarenladens, oder besser gesagt eines großen Flohmarkts, waren die Zimmer aus den 70ger-Jahren. In meinem Einzelzimmer, dass vielleicht drei bis maximal vier Quadratmeter hatte, konnte ich meinen Rucksack nicht auspacken, zudem war das Bad ein Gemeinschaftsbad. Klar ist das klagen auf hohem Niveau, denn ich hab auf meinen Touren auch schon in einem Ein-Mann-Zelt übernachtet und mich in Camping-Duschen gewaschen und meine Füße versorgt. Aber naja bei der Unterkunft in Rothenburg hab ich wohl alles Geld für die gute und zentrale Lage gezahlt, alles andere war wohl eher nichts. 😅 Bevor ich noch weiter zur Diva werde, wird’s wohl Zeit für ein Snickers oder zumindest für Abendessen. 🤤 Umso touristischer der Ort, umso schwieriger spontan und ohne Reservierung, insbesondere an einem Samstagabend, einen Platz zu bekommen. Vor dem ersten Lokal stand eine lange Schlange bis auf die Straße, im zweiten Lokal wurde ich dann wieder „rausgeworfen“. Ok rausgeworfen ist vielleicht ein bisschen hart, aber nachdem ich Essen und Trinken bestellt hatte, fiel ihnen auf, dass die Küche erst wieder in 1,5 h neue Gerichte servieren kann. Mit einer kostenlosen Fanta im Gepäck ging die Suche nach etwas Essbarem dann also weiter und schließlich wurde ich in einer Pizzeria fündig. 🍕 Dem obligatorische Eis auf die Hand im Nachgang konnte ich natürlich an diesem wunderschönen, lauwarmen Samstagabend auch nicht widerstehen. 🍨
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Tag 22 (04.08.2024):
Oh jeah! 🥳 Ich komm mit großen Schritten Richtung Heimat und hab gestern Abend auch schon die Unterkünfte und damit die Zwischenstopps vorgebucht. 😉 Heute sollte es etwa 43 Kilometer von Rothenburg ob der Tauber nach Fichtenau gehen. Morgen, an Tag 23, würde dann eine sehr lange Tour in Form von 52 Kilometern nach Heidenheim anstehen 🥵 und an Tag 24 müsste ich nochmal 44 Kilometer bis nach Hause laufen. Mit diesen drei knackigen Touren könnt ich tatsächlich wie ursprünglich geplant an Tag 24 in meiner wunderschönen Heimat ankommen. 😍 Ein bisschen Angst hab ich noch vor Tag 23. 😱 Da hab ich lang mit mir gehadert und überlegt, ob ich nicht alles einen Tag nach hinten verschieb und halt erst an Tag 29, also am Sonntag, zum Haldenwanger Eck rauslauf. Dann hätte ich allerdings keinen „Abreisetag“ mehr, sondern müsste nach der letzten Etappe direkt nach München fahren um am Montag wieder pflichtbewusst auf der Arbeit anzutanzen. 😇 Dann lieber nochmal einen harten Tag 23 einstreuen und hoffen, dass es auch bei 52 Kilometern bleibt, denn wie ich schonmal geschrieben hab, wollte ich eigentlich keine Touren über 50 Kilometer planen. Sowohl zeitlich wie auch körperlich ist da nämlich, zumindest für mich, kaum Spielraum nach oben. 😅
Laut dem oben beschriebenen Plan geht es heute also 43 Kilometer nach Fichtenau. 😉 Was mir dann aber auch morgens nach dem Abkleben der Füße eingefallen ist: „Ich hab meine letzten Blasenpflaster verbraucht!“ 🤯 Ich muss also unbedingt an einer Notfall-Apotheke vorbeikommen. Die Notfall-Apotheke für den heutigen Sonntag steht aber in Dinkelsbühl, auf der gleichen Höhe wie Fichtenau, aber halt leider neun Kilometer östlich. Option 1: Ich lauf die 43 Kilometer direkt nach Fichtenau, hab aber dann morgen keine Blasenpflaster zum abkleben. -> Schlechte Wahl! Option 2: Ich lauf erst nach Dinkelsbühl zur Notfall-Apotheke und dann zur Unterkunft nach Fichtenau und bin etwa 52 Kilometer unterwegs. -> Würde dann zwei Tage mit über 50 Kilometern bedeuten, macht auch ganz schön viel „AUA“! Option 3: Ich muss die Unterkunft in Fichtenau stornieren und schauen, ob ich nicht vielleicht in Dinkelsbühl unterkomm um nur 43 Kilometer vor mir zu haben. -> Beste Wahl! 💪 Nach mehreren Telefonaten mit der Notfall-Apotheke, ob die wirklich am heutigen Sonntag auf hat, mit der alten Unterkunft, ob eine Stornierung möglich ist und mit der neuen Unterkunft, ob diese für heute noch Platz hat, war ich dann erfolgreich. 💪 Also nichts wie los Richtung Dinkelsbühl! Für mich das heutige Schlaraffenland mit Unterkunft, Essen, Blasenpflastern, Sonnencreme und Bepanthen-Wundsalbe (das war auch noch alles leer oder zumindest fast 🙈). Ihr fragt euch jetzt wahrscheinlich zu Recht, warum Bepanthen-Wundsalbe? Zeit für ein bisschen Transparenz: Neben Blasenpflastern für die Füße und Sonnencreme für den Körper handelt es sich hierbei um die dritte Komponente aus meinem Medi-Pack, die unverzichtbar ist und jeden Morgen zum Einsatz kommt. Bei 60.000 bis 70.000 Schritten jeden Tag kann’s sonst schnell passieren, dass man sich die Oberschenkel-Innenseite an der Unterhose bzw. der kurzen Sporthose aufreibt. 🤷♂️
Über Diebach, Oberöstheim, Wörnitz und Larrieden bin ich heute nach Dinkelsbühl gekommen. Und da hab ich in der Apotheke meinen wohl größten Fan der ganzen Tour getroffen. 😅 Ich hatte mit ihm ja schon heute Vormittag telefoniert und mich auf Abends angekündigt. Er dachte wohl nur nicht dran, dass hinter dieser engelsgleichen Stimme 😜 am Handy ich stecke. 😂 Im ersten Moment war er perplex, dann hat er mich neugierig ausgefragt und hatte am Schluss ein super schlechtes Gewissen, dass er von mir überhaupt Geld verlangt. Nach sämtlichen Rabatten hab ich wahrscheinlich trotz Sonntags-Zuschlag weniger als bei all meinen anderen Käufen gezahlt. Außerdem sind wir von Extremwanderungen über Marathon, Halbmarathon auf sämtliche Herausforderungen, die man sich stellen kann, gekommen. Ich glaub ich hätte mich noch stundenlang mit ihm unterhalten können, lediglich meine Füße und Beine haben durch das lange Stehen ein wenig gezittert. 😅 Außerdem war’s gegenüber den anderen Kunden, die mehr und mehr dazugekommen sind, ein bisschen unangenehm, da er sooo fasziniert und „fangirlig“ unterwegs war. Abschließend kann ich aber nur festhalten: Ein wahrer Ehrenmann, der mir heute Abend viel Motivation für die nächsten Tage mitgegeben hat! So werd ich jetzt dann bestimmt ganz beruhigt und entspannt einschlafen. Morgen warten schließlich mindestens 52 f***ing Kilometer auf mich. 😱
#EineFragederLeidenschaft
Tag 23 (05.08.2024):
Liebe Freundinnen und Freunde, oh mein Gott! Ich bin wahrlich nicht gläubig, also zumindest nicht gläubig im Sinne von Religion, Kirche und Gott, viel eher gegenüber mir selbst im Sinne von Mut, Selbstvertrauen und positiven Gedanken. 😇 Andernfalls wäre der Leitspruch dieser Seite und meine innere Überzeugung auch eher Quatsch. 😅 Nach 22 Tagen steht nun also tatsächlich die längste Tour der ganzen Reise an. Jeder objektive Betrachter würde bei dieser Routenplanung wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. 🙈 Wenn man schon lange Touren an der eigenen Belastungsgrenze gehen will, dann doch bitte am Anfang. Zum Beispiel in den ersten zehn Tagen, wenn die Beine noch frisch und unverbraucht sind, aber doch nicht mit Füßen die bereits 22 Tage geschunden wurden. 😂 Dem kann ich leider nicht widersprechen und deswegen kann ich mir mal wieder nur damit helfen, dass ich mich auf das „Hier-und-Jetzt“ besinne. 🤷♂️ Es hilft ja nichts. 😂
Ich wollte heute morgen dementsprechend früh loskommen, am besten um 06:15 Uhr, um 06:30 Uhr war dann endlich Abmarsch! Google-Maps hat die Route zu meiner nächsten Unterkunft bis in die Heidenheimer Innenstadt mit 51,6 Kilometern angegeben und zum Glück kam da mit Ausnahme von ein paar Hundert Metern auch nichts mehr oben drauf. 😇 Bei meiner Durchschnittsgeschwindigkeit mit Rucksack von etwa 5 Kilometern pro Stunde bedeutet das 10,5 Stunden reine Laufzeit. Dazu kommen nochmal gut 30 Minuten für den Kauf von Verpflegung, denn die Kalorien müssen ja schließlich mehrmals täglich wieder nachgeführt werden. 🤤 Wenn ihr das nächste Mal also in der Kassenschlange beim Supermarkt oder Bäcker steht, Gertrud und Theodor mal wieder länger brauchen, dann könnt ihr meine Gedanken, die mich zu strafbaren Handlungen verführen wollen, vielleicht besser verstehen. 🫣 Aber: Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten… 🎵🎶 Zum Glück bin ich eher ein Freund des Durchlaufens, denn ohne Pausen bedeutet das schon eine Ankunftszeit von etwa 17:30 Uhr. Trinken und Essen hab ich schon soweit optimiert, dass das alles im Laufen geht, Bilder hab ich auch nur zwei gemacht, sodass auch da kein großer Zeitverlust einzuplanen ist. Dennoch merk ich insbesondere an dem Kribbeln meiner Fußsohlen, dass spätestens nach vier bis fünf Stunden am Stück eine kleine Pause nötig wird. Mit zweimal 30 Minuten Pause bin ich heute ganz gut hingekommen, sodass ich am Ende sogar um 18:30 Uhr an der Brenz in Richtung Unterkunft gestürmt bin. Wobei nach der heutigen Tour wohl beileibe nicht mehr von „stürmen“ sondern eher von „apathischem dahinschlendern“ die Rede sein sollte. 😅
Die Tour hat mich heute durch Orte wie Pfahlheim, Lauchheim, Ebnat und Schnaitheim über etwa 500 Höhenmeter nach Heidenheim geführt. Die 500 Höhenmeter waren jedoch gefühlt auf eine Stelle konzentriert, nämlich zum Schloss Kapfenburg hoch. Von dem hab ich leider nur eher semi-gute Bilder geschossen. 🙈 Das Schloss, auf einer Bergkuppe der Ausläufer der Schwäbischen Alb gelegen, ist unter anderem bekannt als Konzertsaal für klassische Konzerte und wenn ich mich nicht ganz irre, hab ich da meinen Bruder auch schonmal spielen gehört, oder? 🤔 Damals bin ich aber sicher nicht hochgelaufen und hab mich auch nicht mit dem Fahrrad hochgequält. Bei Fahrradfahrern sind wir jedoch schon beim richtigen Thema, denn die sind bei dem guten Wetter zuhauf hochgekurbelt und runtergeschossen. 🚴♂️🚴♀️ Ein Pärchen, dass gerade bei einer Pause saß, hat mir auch den typisch-schwäbisch einfühlsamen Rat: „Isch scho ganz schee weit da nauf!“ mitgegeben. Danke für nichts liebe Schwaben! 🤯
Nun sitz ich hier im Brenz-Hotel in Heidenheim, hab mir gerade unten noch einen Dürüm mit Pommes geholt und weiß nicht ob ich erschöpft von heute oder voller Vorfreude auf morgen sein soll. 🤷♂️ Nachdem mich morgen in der Heimat meine Mama und meine beiden Brüder erwarten bin ich so unglaublich aufgeregt. 😱 Schließlich träum ich von diesem Moment nicht nur die letzten 23 Tage, sondern dieser Traum schlummert ja schon seit dem ersten Versuch von vor zwei Jahren in mir. 😍
#EineFragederLeidenschaft
Tag 24 (06.08.2024)
Heute kommt wahrscheinlich einer der emotionalsten Blogeinträge dieser Tour. Zumindest das, was nach 24 Tagen noch an Gefühlen und Emotionen möglich ist. 😇 Und dabei ist es heute noch gar nicht geschafft. 🙈 Dennoch löst das Gefühl von Heimat, Vertrautheit und wunderbaren, lieben Menschen um mich herum etwas aus, dass mit Worten kaum beschrieben werden kann. 😍 Ich bin jetzt wirklich von Sylt bis nach Hause gelaufen und werde von Menschen empfangen, die mich einfach so mögen, wie ich bin. Ich muss mich nicht verstellen, ich muss nichts besonderes können, ich werd einfach in meinem Zustand von Schweiß, Sonnencreme und gezeichnet von den Strapazen in den Arm genommen. 🤗 Ich bin richtig glücklich, dass nicht nur meine Mama, sondern auch meine beiden Brüder da sind, von denen einer sogar noch ein riiiiiiiiesiges Banner für mich gemalt und aufgehängt hat. 🤩 Einer meiner Brüder hat mich ja bereits im hohen Norden kurz vor Hamburg ein Stück begleitet, der andere möchte sich in den letzten beiden Etappen nach Oberstdorf und zum Haldenwanger Eck anschließen. Trotz all der Freude, die mir durch die drei entgegen gebracht wird, hätt ich natürlich gerne vier Leute in den Arm genommen. Für das, was bei meinem ersten Versuch vor zwei Jahren noch möglich gewesen wäre, hat der „Circle of Life“ leider nicht mehr genug Zeit gehabt. Aber ich bin überzeugt davon, dass auch der Vierte im Bunde ein großes Lächeln auf den Lippen hat, wenn er mir von wo auch immer bei meiner Tour zuschaut. ♥️
Wenn man so eine warme, geborgene Heimat hat, die sich gar nicht unbedingt an fixen Örtlichkeiten festmachen lässt, sondern die vielmehr durch Menschen um einen herum, welche einem dieses angenehme Gefühl vermitteln, definiert wird, dann kann man sich wahrlich glücklich schätzen. Man denke nur an all die Menschen, die weltweit aufgrund von Krieg, Klimawandel und Vertreibung auf der Flucht sind, oder obdach-, heimat- und manchmal auch hoffnungslos durch Deutschland irren und dementsprechend so weit weg von diesem Glücksgefühl sind, dass manchmal ein nettes Wort, eine freundliche Umarmung oder ein fröhliches Lächeln ein bisschen Geborgenheit geben könnten. 😇 Oftmals sind es bekanntlich die kleinen Dinge des Lebens, alltägliche Taten von gewöhnlichen Leuten, die die Dunkelheit auf Abstand halten. 😍
Heute Morgen bin ich in Heidenheim zu Beginn an den großen Konzernen Voith und Paul Hartmann vorbei gelaufen. Pragmatisch wie ich bin, hätte ich mir bei Hartmann direkt ein paar Blasenpflaster einpacken können, aber leider leider bin ich schon abhängig von diesen Compeed-Blasenpflastern und werd da jetzt auch nicht mehr meine Gewohnheiten ändern. 🤷♂️ Ein Marlboro-Suchti fängt ja auch nicht urplötzlich mit Camel an. 😅 Danach ging’s über Bolheim, Dettingen, Setzingen, Langenau nach Elchingen und dann waren sie plötzlich wieder da, diese Probleme mit dem Weg. Und das alles nur knapp 15 Kilometer vor dem Ort, an dem ich ein Großteil meines Lebens verbracht hab. 😂 Ja ich weiß, schon ein bisschen peinlich, aber ganz ehrlich, im alltäglichen Leben würd ich auch nicht auf die Idee kommen die 15 Kilometer zu Fuß zu gehen, sondern würde dann doch mit dem Auto fahren. 😉 Da an dieser Kreuzung von Bahnlinie, A7 und Donau war ich mir leider nicht ganz sicher, wie ich am Besten alles drei überquer und bin dann vermutlich nochmal zwei bis drei Kilometer Umweg gelaufen. 🫣 Aber auch diese Aufgabe wurde souverän gemeistert. In Burlafingen hab ich mir dann nochmal frische Blasenpflaster aus einer Apotheke und ein Eis auf die Hand mitgenommen, sodass ich mich in den letzten acht Kilometern voll und ganz auf zuhause vorbereiten konnte. 😇
Bezeichnend für den Blogeintrag wurden heute einzig und allein Bilder mit der schönsten Kamera, die der liebe Gott mir geschenkt hat, geschossen. Nämlich mit meinen Augen. 🤩
#EineFragederLeidenschaft
Tag 25 (07.08.2024):
Gestern Abend hab ich mit meiner Familie das wunderschöne Wetter auf der Terrasse genutzt und zum Abendessen gab’s noch Wurstsalat mit ner eisgekühlten Cola. 🥤 Wenn man so entspannt auf der Terrasse sitzt kommt einem schon fast das Gefühl hoch, als sei es geschafft. 😇 Zum aktuellen Zeitpunkt ist es halt leider nur sehr gut und fast geschafft, aber noch nicht perfekt. Dafür fehlen noch vier letzte Tage, viermal morgens um 5 Uhr aufstehen, um 06:30 Uhr loslaufen und dann abends um 17 Uhr freudestrahlend ankommen. 🤩 Meine Heimat war der letzte Checkpoint, den ich mitnehmen wollte. Meine weiteren Unterkünfte hab ich noch abschließend in Memmingen, Kempten und Oberstdorf gebucht, wobei ich in Oberstdorf nochmal das große Glück hab, dass mich mein großer Bruder begleitet und wir daher bei Freunden von ihm übernachten können. 😉 Neben all den hilfsbereiten und wunderbaren Menschen, die ich in den letzten 3,5 Wochen schon treffen durfte, ein weiteres schönes Puzzlestück, dass die ganze Anstrengung und die ein oder anderen kleineren Schmerzen vergessen lässt. 😇 Außerdem hab ich gestern Abend noch meine Wäsche gewaschen. Einfacher und für die meisten wahrscheinlich logischer wäre es gewesen, den Großteil meines Gepäcks (Dreckwäsche, Zelt, Schlafsack, Isomatte) bei meiner Familie zu lagern und für die letzten vier Tage lediglich mit einem kleineren Rucksack und mit der Hälfte des Gepäcks unterwegs zu sein. 😉 Wie ich aber schonmal an Tag 16 geschrieben hab: „Alles was ich am ersten Tag mitnehm, muss ich die gesamte Tour selber tragen und bring ich auch so wieder nach Hause zurück. Begleit- oder Transportfahrzeug, oder Missbrauch von Mitwanderern für meine Zwecke ist tabu. Was ich nicht selber bereit bin zu tragen, brauch ich auch nicht!“ Die mir eigens gestellte Vorgabe wollte ich auch an Tag 24 nicht über Bord werfen, nur weil ich zufällig zuhause vorbeikomm. 😅 Immerhin hab ich ja schon das Angebot einer Waschmaschine angenommen und kann die letzten vier Tage nochmal durchgehend saubere Klamotten tragen. Meine Familie hat es zum Glück auch nur kurz versucht mich umzustimmen, denn in diesen Momenten wüsste ich nicht, wer oder was mich von der Haltung abbringen soll. 🤷♂️
Heute standen also nochmal etwa 46 Kilometer nach Memmingen an, die längste noch ausstehende Tour. 😉 Am Ortsausgang bin ich nochmal kurz für zehn Minuten abgebogen und hab mir den letzten Motivationsschub für die abschließenden Tage geholt. ♥️ Und dann begannen schon wieder die lustigen Ortsnamen. Denn heute gab’s sozusagen den dritten „Witz“. Nach Witzwort und Witzenhausen bin ich heute noch durch Witzighausen gekommen. Ein kleines verschlafenes Dörfchen mit den vermutlich freudigsten Einwohnern Süddeutschlands. 😅 Und wem es gerade nicht zum Lachen zumute ist, der kann sich auch ganz genüsslich mit den Einwohnern von Bellenberg eine Runde anblaffen. 😂 Außerdem bin ich heute noch durch Illerberg, Illertissen, Altenstadt und Heimertingen gekommen. Bei den beiden erstgenannten wird ganz klar an welchem Flusslauf ich mich die nächste Zeit fortbewegen werde, nämlich an der Iller. Theoretisch könnte ich kurz hinter meiner Heimat an die Iller wechseln und dann bis kurz vor Oberstdorf zum Illerursprung. Für Verpflegung und Unterkunft muss ich den Iller-Flusslauf jedoch immer mal wieder kurz verlassen und manchmal ist es einfach auch kürzer nicht jede Schlinge der Iller auszulaufen. 😅 Heute bin ich auch eher nur 10 – 15 Kilometer direkt an der Iller unterwegs, aber da entsteht zumindest mal wieder ein Bild. 📸 Vielleicht überkommt mich ja mal wieder eine neue Challenge, in der ich die 147 Kilometer der Iller vom Ursprung bis zur Mündung ablauf. 🤷♂️ Aber pssssst, das bleibt unter uns, nicht dass ich heute schon sorgenvolle Nachrichten und Anrufe bekomm. 🤭
Nachdem es vorher schon um hilfsbereite und wundervolle Menschen ging, darf der heutige Bäcker meiner Frühstücksverpflegung definitiv nicht fehlen! In Illerberg hab ich mir das obligatorische Frühstück aus belegtem Semmel, Nussschnecke und zwei Getränken besorgt. 🤤 Der nette Italiener hinterm Tresen hat mich erst komisch angeschaut und sich dann doch getraut zu fragen, wo ich herkomm und wo es heute noch hingehen soll. Mit der Antwort „Vor zwei Stunden losgelaufen und bis Memmingen“ hat er sich erstmal zufrieden gegeben, ist dann mehr und mehr aufgetaut und hat sich richtig gefreut, dass „junge Leute“ wieder unterwegs sind und nicht nur vorm Fernseher hocken. 🚶♂️🎒 Soweit so gut, darauf folgte ein netter Small Talk über schönes Wetter und kleinere Wanderungen von ihm von denen er erzählte. Dann nehm ich mein Zeug und bin auf dem Weg nach draußen und plötzlich sagt er: „Aber sie sind jetzt schon mehrere Tage unterwegs, oder? Denn ganz so frisch sehen ihre Beine nicht mehr aus.“ Ganz nebenbei: So nett wurde mir auch schon lange nicht mehr gesagt, dass ich scheiße ausseh. 😂 Ich hab dann in der Tür stehend zurück gerufen, dass ich vor 3,5 Wochen in Sylt gestartet bin und noch vor hab bis nach Oberstdorf zu laufen. Seine Antwort „In Sylt?!?“ mit verstörtem und gleichzeitig verzweifelten Gesichtsausdruck hat ein Paradebeispiel geliefert, wenn Menschen sprichwörtlich das Gesicht entgleitet. 😂 Ich glaub in diesem Moment hat er auch alles bereut, was er zuvor von „schön, dass die jungen Menschen wieder raus gehen und an der frischen Luft unterwegs sind“ erzählt hat. Aber er hat schnell wieder die Fassung gefunden und wollte mir unbedingt zwei Brezeln und noch ein Getränk mitgeben. Als Schwabe kann ich Geschenke von Natur aus schon schwer ablehnen, auch wenn ich mir dann sämtliche Hosentaschen vollstopfen musste und wahrscheinlich die darauffolgenden zwei Stunden wie ein Clown rumgelaufen bin. 🤷♂️ Einer von vielen Ehrenmännern, die ich nun schon getroffen hab. 😇
Heute Abend schlaf ich in Memmingen in einem Gasthaus und hab das letzte Mal ein Abendessen direkt in der Unterkunft. Mit Ausnahme einer Vereinssitzung ist an dem Mittwochabend auch nicht wirklich viel los, sodass sich sogar die Senior-Wirtin noch eine Viertelstunde zu mir hockt und mir „G’schichtn aus’m Paulanergarten“ erzählt. 😅 Hier ist die Welt halt noch in Ordnung. 😊
#EineFragederLeidenschaft
Tag 26 (08.08.2024):
Auf auf meine lieben Freunde in die letzten Abenteuer dieser Tour. 🥳 Wenn man so lange am Tag unterwegs ist, dann passieren immer wieder kleinere oder größere Geschichten, schönere oder nicht so schöne, aber irgendwie ist diese Überraschung ja auch jeden Tag auf’s Neue was besonderes. Schließlich erhoffe ich mir ja auch jeden Tag eine Überraschung um ein wenig aus dem Lauftrott zu kommen. 😇 Heute stand mit 37 Kilometern eine eher kürzere Etappe an, allerdings sollte der Regenschauer auch erst um 07:30 Uhr aufhören, sodass ich eh nicht allzu früh loskam. Um 08 Uhr war’s dann endlich soweit und ich hab mich eingepackt in meine Regenjacke raus in die weite Welt getraut. 😉 Nachdem morgen im Lauf der Etappe mein Bruder dazustößt und mich bis ans Haldenwanger Eck begleitet, steht heute also die letzte alleinige Tour an. Naja was soll schon schief gehen bei 37 Kilometern? 🤷♂️ Jetzt fehlt nur noch die Stimme aus dem Off, die sagt: „Doch er wusste nicht, was an diesem Tag noch passieren sollte.“ 😂
Meine heutige Route hat mich erstmal durch Memmingen geführt, da ich im Norden der Stadt übernachtet hab, dann weiter nach Benningen, vorbei an der Ortschaft Lachen, was ja nie schaden kann, über Dietmannsried in das Zentrum von Kempten. Heute musst ich immer mal wieder an wenig befahrenen Straßen entlang laufen und wurde dadurch nicht nur von einem Autofahrer, sondern auch von einem Landwirt gefragt, ob ich nicht mitfahren will. 😅 Große Dankbarkeit geht auch hier an die Allgäuer Bevölkerung raus und noch viel größere Bewunderung an den Landwirt, der gerade vom Pflügen kam und seine kleine Fahrerkabine mit mir und meinem Rucksack geteilt hätte. Außerdem hat unser kleiner Schnack, so haben die es im Norden auf jeden Fall immer bezeichnet 😜, zu nem kleinen Stau auf der Landstraße geführt. Hupsi! 🤷♂️
Nach meinem Frühstück in Wolfertschwenden war ich dann, im Nachhinein zum Glück, ein wenig abseits der Straßen unterwegs. Und dann kommen wir nochmal zu einem schlechteren Moment der Tour. 🫣 Wortwörtlich, weil ich Bauchweh bekommen hab und nicht wusste, ob ich auf’s Klo muss oder besser doch spucken soll. 🙈 An Tag 26 könnte man ja echt mal erwarten, dass der Körper weiß was so tagtäglich abgeht. Während meiner Tour vom westlichsten zum östlichsten Punkt Deutschlands hatte ich ganz am Anfang der Tour kurz vor Köln schonmal das gleiche Problem. Aber damals lag’s einfach dran, dass ich den ganzen Tag nichts gegessen und kaum was getrunken hab und dann Nachmittags ein Liter Cola und ein Dönerteller inhaliert hab. Ist mir wohl nicht so bekommen. 😅 Aber diesmal hab ich beim Bäcker nichts besonderes geholt und bin weder beim Zucker noch beim Koffein eskaliert. 😱 Long story short: Ich hab mir dann den Finger gesteckt und musste ein kurzes Spuckerle ins Gebüsch machen. Immerhin war’s danach wieder deutlich besser und alles hat sich ein bisschen beruhigt. Aber selbst bei meiner Ankunft im City Hotel hab ich mich immer noch richtig schlapp gefühlt und war froh, als ich endlich auf’s Zimmer konnte und erstmal eine halbe Stunde auf dem Zimmerboden gelegen hab um mit mir selber klarzukommen. Naja genug Transparenz für heute. 😂
Eine erfrischende Dusche und ein Liter Wasser später hab ich mich dann noch in die Pizzeria nebenan aufgemacht und mir ne große Pizza mit Salat gegönnt. 🍕🥗 So steht doch den letzten beiden Tagen bei vorausgesagtem, strahlendem Sonnenschein und wunderbarer Begleitung nichts mehr im Weg! 😍
#EineFragederLeidenschaft
Tag 27 (09.08.2024):
Nachdem meine bislang längste Tour der Jakobsweg im Jahr 2018 war, auf dem ich insgesamt 25 Tage lang von den Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela gelaufen bin, sind nun also alle darüber hinausgehenden Tage Neuland für mich. 😅 Zum Glück hält dieses Neuland nur von Tag 26 bis Tag 28 an, denn dann bin ich von Sylt bis nach Oberstdorf gelaufen. 😉 Die letzten Tage hab ich mich bei solchen Gedanken immer eingebremst, denn es gilt von Tag zu Tag zu denken und auf keinen Fall vorschnell zu feiern. 🚫🥳🚫 Nachdem ich, nein viel besser wir, heute in Oberstdorf angekommen sind und ich weiß, dass morgen die letzte Etappe ans Haldenwanger Eck ansteht, weiß ich nicht was mich jetzt noch aufhalten soll. Egal was mir mein Körper morgen noch an Knieschmerzen, Blasen oder sonstigen Schmerzen auferlegen sollte, bin ich mir absolut sicher, dass ich morgen den Grenzstein 147 küssen werde. 😘 Sorry für so viel Liebe, aber nach dann 28 Tagen und mehr als 1.150 Kilometern am Stück, in denen ich mich Tag für Tag auf diesen einen Moment freu, kann ich mir jetzt gerade nur vorstellen, wie wundervoll dieses Gefühl sein muss. 😇 Bevor ich aber jetzt heute Nacht nicht schlafen kann, was ich so oder so nicht kann 🫣, lassen wir besser nochmal die heutige Tour Revue passieren.
Ich bin heute mitten in Kempten gestartet, hatte beste Wetteraussichten und auch ein Date, dass ich auf keinen Fall versetzen wollte. 😅 Denn, wie ich oben schon geschrieben hab, bin nicht nur ich heute in Oberstdorf angekommen, sondern wir. Mein lieber Bruder hat sich zur Aufgabe gemacht mich heute 30 Kilometer und morgen nochmal etwa 34 Kilometer in der Schlussetappe zu begleiten. Kann man mal einfach so aus dem Stand machen! 💪 Für mich hieß es also 13 Kilometer an die Kirche in Martinszell laufen und dann meinen Bruder einsammeln. 🥳 Zwischen Kempten und Martinszell bin ich noch an Waltenhofen vorbei gekommen und hab mir dann noch schnell ein Frühstück organisiert. Leckereien von der Bäckerei 🤤, sonniges Wetter ☀️ und den fantastischen Ausblick auf die Bergkette ⛰️, auf die ich drauf zulauf, besser hätt ich mir meine letzten Etappen nicht erträumen können. 🤩 Ich war sowieso schon knapp dran rechtzeitig zum Treffpunkt zu kommen und dann kam sie ums Eck. Die wahrscheinlich süßeste Oma des ganzen Allgäus ist mir kurz vor Martinszell begegnet und hat mich angesprochen. Ihre Tochter war auch schon auf einem Jakobsweg unterwegs, nämlich dem Camino del Norte. Außerdem hat sie mir Geschichten von früher, von den Bergen, von dem Leben im Allgäu und von eigenen Wanderungen in verschiedenste Orte, durch die ich teilweise die letzten Tage auch gelaufen bin, erzählt. 🤗 Natürlich ist es unangebracht meinen Bruder 15 Minuten lang warten zu lassen, aber wie hätte ich dieser netten Person erzählen sollen, dass ich weiter muss. 🤷♂️
Doch dann mit zwanzigminütiger Verspätung bin auch ich angekommen und die Reisegemeinschaft hat sich also von meinem Rucksack und mir um meinen Bruder erweitert. 🥳 Wir haben dann zügig an die Iller gewechselt und gehofft, dass wir dort ein bisschen Schatten abbekommen, wobei der heute definitiv rar gesät war. Also muss der Körper wohl mit kühlen Getränken und Eis in einem Eiscafe in Sonthofen runtergekühlt werden. 🤷♂️ Alleine hab ich mich eigentlich ausschließlich mit Essen und Getränken auf die Hand verpflegt und lieber etwas abseits ein schattiges Plätzchen gesucht. Aber zu zweit können wir schon auch ein Cafe ansteuern, da fallen dann vielleicht meine körperlichen Beschwerden nicht so auf. 😅 Wie schon an Tag 25 berichtet, entspringt kurz vor Oberstdorf die Iller, die sich aus den Flüssen Breitach, Stillach und Trettach speist. Hier war es dann auch mal wieder Zeit für ein Bild von mir und ich muss zugeben, so fröhlich hab ich bei den vergangenen Bildern noch nicht geguckt. 😃 Jetzt aber nichts wie nach Oberstdorf, ich muss noch schnell bei einer Apotheke Blasenpflaster kaufen und mein Bruder muss definitiv raus aus der Sonne. 🫣 Denn im Gegensatz zu mir kommt er nicht wirklich gut zurecht mit dieser gottverdammten Hitze, die heute nochmal ordentlich auf uns runterbrennt. 🥵 Aber wir haben es beide zu der befreundeten Familie geschafft, bei der wir heute übernachten. Viel Liebe und Bewunderung geht raus an meinen Bruder, der es ganz stark durchgezogen hat. Hoojeah! 💪
Heute Abend saßen wir noch eine ganze Zeit im Garten und haben einfach das Leben, la dolce vita, genossen. Der verschmuste Hund ist auch noch um uns herumgetollt und ein Restaurant hat für uns was zum Essen bereitgehalten. „If tomorrow never comes“, wenn morgen nicht noch kommen würde, dann wär ich wahrscheinlich heute schon einer der glücklichsten Menschen der Welt. 🌍
#EineFragederLeidenschaft
Tag 28 (10.08.2024):
Hoojeah meine lieben Freundinnen und Freunde, es ist geschafft! Ich, nein viel mehr wir, haben es geschafft! Zu Fuß vom nördlichsten Punkt Deutschlands am Lister Ellenbogen auf Sylt bis zum südlichsten Punkt Deutschlands am Grenzstein 147, dem Haldenwanger Eck. 💪
Heute Morgen hat eine mystische Stimmung geherrscht. 🌠 Die Gastfamilie hat noch geschlafen, einzig und allein ihr Hund war hellwach und hat uns freudestrahlend angesprungen. So sind wir im Morgengrauen über Faistenoy, Birgsau und Einödsbach, dem südlichsten ganzjährig bewohnten Ort Deutschlands, an die Schwarze Hütte gelaufen. Hier haben wird uns für die letzten fünf Kilometer bis zum Haldenwanger Eck nochmal gestärkt. Danach hab ich hinter jedem Wegweiser, hinter jeder Kurve sehnsüchtig auf den Grenzstein gewartet. Hier nochmal hoch, da nochmal links abbiegen, warum zur Hölle geht es hier wieder runter?!? 😅 Und dann nach 1.100 Höhenmetern hab ich ihn aus der Ferne erblickt und bin wie von Sinnen hingerannt. 🤩
Im zweiten Anlauf steh ich nach 28 Tagen, 1.172 Kilometern und 1.939.000 Schritten am südlichsten Punkt Deutschlands. 😍 Gerade weil es der zweite Anlauf war und ich mich beileibe nicht in einem austrainierten und physisch perfekten Zustand befinde, bin ich umso glücklicher, dass ich’s geschafft hab. Aber manchmal sind es ja auch gerade diese Momente des Lebens, wenn die Voraussetzungen alles andere als optimal sind und die Erfolgsquote eher bei 50/50 einzuordnen ist. 😉 Viele von euch da draußen fragen sich nach all den Touren immer noch oder immer wieder: „Warum das alles?“ 🤔 Sowohl die Strecke, wie auch die einzelnen Spots auf der Strecke, kann man ohne Probleme in wenigen Tagen mit dem Auto oder dem Zug absolvieren und besichtigen. Das wäre entspannter, gesünder und deutlich risikoärmer, denn da läge die Erfolgsquote definitiv bei 100%. Aber um das geht es mir auch gar nicht. Für mich sind es die Verhandlungen und der Kampf mit sich selbst, aus seiner eigenen Komfortzone rauszugehen und versuchen seine eigenen Grenzen zu verschieben. Für mich liegt der Reiz auch immer in der Frage: „Wie schwer und wie lang darf eine Tour sein, dass ich zwar alles geben muss, sie aber noch schaffen kann?“ Mit dem Auto und dem Zug hätte zweifelsohne jeder und auch ich die Strecke in vier Wochen zurücklegen können. Mit dem Fahrrad wär es zwar deutlich anstrengender geworden, aber 42 Kilometer am Tag Fahrradfahren hört sich jetzt auch noch nicht sooo herausfordernd an. 😅 Hätt ich das mit dem Auto, dem Zug oder dem Fahrrad gemacht, würd ich wahrscheinlich jetzt gerade dasitzen und mich fragen: „Wäre es auch zu Fuß gegangen? Hab ich wirklich alles gegeben?“ Und dann hätte die Antwort: „Nein!“ lauten müssen. 🙈 Im Nachhinein spricht sich’s natürlich leicht, denn es ging ja auch zu Fuß. Ich weiß, dass es für Außenstehende verrückt, unverständlich und wahrscheinlich nicht wirklich nachvollziehbar ist, aber diese Gefühle, Emotionen und der Moment am Ende der Tour machen mich (leider) glücklicher als alles andere! 😇
Nachdem ich gerade viel über mich berichtet hab, soll sich der Blog nun aber zum krönenden Abschluss dem Wichtigsten bzw. den Wichtigsten widmen. Nämlich euch da draußen! 😍 All die Freuden, die wunderbaren Worte, die netten Nachrichten, die Anrufe, die Begleitungen und zu guter Letzt natürlich die Begegnungen vor Ort sind die unvergesslichen Momente, die diese Tour ausmachen. Und für all das seid ihr und all die wunderbaren Menschen da draußen verantwortlich. Ich hab das große Glück diese Gefühle und Emotionen erleben zu dürfen und muss dafür nichts anderes tun, als ein Fuß vor den anderen zu setzen. Es gibt wahrlich keine Worte um meine Dankbarkeit und meinen tiefsten Respekt auszudrücken! ♥️ Der Blog endet mit einem Zitat, dass Mut und Leidenschaft zu einer unerwarteten Reise vereint.
„Es ist eine gefährliche Sache, aus deiner Tür hinauszugehen. Du betrittst die Straße und wenn du nicht auf deine Füße aufpasst, kann man nicht wissen, wohin sie dich tragen.“
#EineFragederLeidenschaft